Kuhteich-Renaturierung: Kreis erteilt Zusage – 45.000 Quadratmeter werden bepflanzt Mehr Blümchen für die Bienen

Harsewinkel  (WB). Mit den 45.000 Quadratmetern, die Leonhard und Meinhard Sieweke bepflanzen lassen wollen, wäre ein Anfang gemacht. Das Insektensterben macht den beiden Marienfeldern sorgen. Und nicht nur ihnen – auch die Politiker sind auf der Seite der Bienchen.

Von Elke Westerwalbesloh
Damit die Bienen, die nicht vom Imker versorgt werden, nicht aussterben und die Obstbäume nicht, wie in China, per Hand bestäubt werden müssen, sollen verschiedene Maßnahmen umgesetzt werden. Der Umweltausschuss diskutiert diese nun.
Damit die Bienen, die nicht vom Imker versorgt werden, nicht aussterben und die Obstbäume nicht, wie in China, per Hand bestäubt werden müssen, sollen verschiedene Maßnahmen umgesetzt werden. Der Umweltausschuss diskutiert diese nun. Foto: dpa

Geplante Maßnahmen gegen das Insektensterben

• Ausweitung der vorhandenen Blühstreifen im Innenstadtbereich, wie etwa die Parkfläche an der Nordstraße, Stadtpark, Bereich Wippe, Bereich Schulstraße/Hanfstraße;

• Ausweitung der Blühstreifen entlang der Verkehrswege (Brockhäger Straße);

• Anlage von dauerhaften Blühflächen im städtischen Randbereich (Rudolf-Diesel-Straße);

• Intensivierung der Öffentlichkeitsarbeit, wie einen Infostand auf dem Wochenmarkt mit Verteilung von Wildblumensamen für Privatgärten, öffentlicher Vortrag zum Thema;

• Aufstellen von Nisthilfen für Insekten, zum Beispiel Insektenhotels, an geeigneten Standorten im Stadtgebiet;

• Bereitstellung von Büchern und DVDs zur Thematik zur Ausleihe in der Stadtbücherei St. Lucia.

Denn Fakt ist, dass es laut dem Münchner Umweltinstitut in Deutschland 80 Prozent weniger Insekten gibt, als noch vor 35 Jahren. Vor allem das Bienensterben, welches insbesondere die vielen Wildbienenarten betrifft, wird mit Sorge beäugt. Denn anders als die Honigbienen werden sie nicht von einem Imker versorgt, der ihnen ein Zuhause gibt.

Pestizide, Futterknappheit und Lebensraumverlust führen zur Bedrohung der Arten. Dass sind keine Neuigkeiten für die Harsewinkeler. Neu ist lediglich, dass endlich jemand die Initiative ergreift und Ideen entwickelt, um dem Bienensterben entgegen zu wirken – wie es die Brüder Sieweke tun. Zusammen mit dem städtischen Umweltberater Guido Linnemann haben sie vor Ort die Fläche am Kuhteich besichtigt, Möglichkeiten besprochen. Zunächst schien es so, als würde der Kreis Gütersloh nur für einen Teil der Fläche die Blumenaussaat bewilligen. »Doch wir haben Glück«, sagt Leonhard Sieweke im Gespräch mit dieser Zeitung.

Schon wenige Wochen nach der Besichtigungstour klingelte das Telefon und Umweltberater Guido Linnemann gab den Zuschlag für die Gesamtfläche von 45.000 Quadratmetern vom Kreis, der Unteren Landschaftsbehörde, weiter. Die Stadt Harsewinkel müsste für die Umarbeitung und die neue Saat 23.000 Euro in die Hand nehmen.

Leonhard Sieweke weiß: »Wir betreiben seit zig Jahren eigene Biotope und kennen den Zusammenhang von Pflanze und Tier aus der Praxis«, erklärt er für sich und seinen Bruder. »Wir brauchen keine Wildblumen-Alibistreifen an den Straßen – Insekten brauchen Ruhe«, ergänzt er. Also »Blumen müssen her«, meint er, »oder wollen wir eines Tages wie in China unsere Obstbäume per Hand bestäuben?«, malt er das Schlimmste aus.

Auch die Sozialdemokraten haben in einem Antrag auf den bevorstehenden Exodus der Bienenfauna aufmerksam gemacht und die Stadt um Lösungsvorschläge gebeten. »Wir haben natürlich Ideen gesammelt«, versichert Guido Linnemann auf Nachfrage. Diese müssen allerdings nun erst mal im nächsten Umweltausschuss, Dienstag, 30. Januar, beraten werden.

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Wir brauchen keine Wildblumen-Alibistreifen an den Straßen – Insekten brauchen Ruhe

Leonhard Sieweke

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Die Stadt Harsewinkel beabsichtigt, so denn die Politiker zustimmen, eben diese Fläche für 23.000 Euro zu renaturieren. Ferner könnten die Blühstreifen im Innenstadtbereich (z.B. Parkfläche Nordstraße, Stadtpark etc.) und entlang der Verkehrswege (Bereich Brockhäger Straße) in Harsewinkel ausgeweitet werden. Der Umweltexperte Guido Linnemann kann sich auch vorstellen mehr Öffentlichkeitsarbeit in Sachen Bienensterben zu betreiben. »Ein Infostand auf dem Wochenmarkt wäre da denkbar«, lässt er wissen.

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