Familie Bessmann will historisches Fachwerkhaus verlagern Ein alter Balken spaltet die Gemüter

Marienfeld/Bielefeld (WB). Das Bürgerhaus Marienfeld ist fast fertig, nun rückt das nächste historische Projekt der Familie Bessmann in den Blick. Bekanntlich haben die heimischen Textilunternehmer vor, einen 235 Jahre alten Hof in Bielefeld-Brackwede ab- und in Marienfeld wieder aufzubauen.

Von Stefanie Winkelkötter und Markus Poch
Diesen denkmalgeschützten, reich verzierten Balken aus Eichenholz wollen Brackweder Bürger vor Ort behalten.
Diesen denkmalgeschützten, reich verzierten Balken aus Eichenholz wollen Brackweder Bürger vor Ort behalten. Foto: Markus Poch

Seniorchef Heiner Bessmann hat seine Vorliebe für historische Bauten nach eigenen Angaben an seine vier Kinder weitergegeben. Mit Sohn Volker Bessmann und der Bielefelder Gesellschaft für Wohnen und Immobiliendienstleistungen (BGW) hatte man sich im vergangenen Sommer darauf verständigt, den vom Abriss bedrohten Hof Kulbrock zu retten. »Das Haus soll bei uns in Marienfeld das Eingangsgebäude werden«, sagte Volker Bessmann jetzt auf WESTFALEN-BLATT-Anfrage. Er werde sich in Kürze mit BGW-Chefin Sabine Kubitza zusammensetzen und den zeitlichen Ablauf des Abbaus und Abtransportes besprechen.

Kritische Stimmen kommen aus Brackwede

Vor Ort in Brackwede sind unterdessen kritische Stimmen laut geworden. Stein des Anstoßes ist ein denkmalgeschützter Deelenbalken, der nach Einschätzung des örtlichen Heimatvereins und vieler heimatverbundener Bürger nicht einfach abgebaut und verlagert werden darf. Nur dieser Deelenbalken steht seit 1992 als »bedeutendes Torgestell« unter Denkmalschutz, der übrige, 3268 Quadratmeter große Hof steht nicht unter Denkmalschutz.

In der Oberen Denkmalbehörde Münster, einer Abteilung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, ist man der Ansicht, dass eine denkmalrechtliche Genehmigung eingeholt werden muss, sollte dieser Teil des Hofes umgesiedelt werden. Bei der Stadt Bielefeld sieht man dies aber anders. Das Thema sei von allen Seiten denkmalrechtlich abgeklopft worden und man sehe keine Gesetzesgrundlage, die dem Abbau des Gebäudes samt Balken und Wiederaufbau an anderer Stelle entgegenstehe, heißt es aus dem dortigen Bauamt.

Ohne Balken kein Interesse

Volker Bessmann indes geht davon aus, dass er das komplette Gebäude mitsamt Balken auf dem heimischen Areal in Marienfeld wieder aufbauen kann. »Der Deelenbalken ist das Schmuckstück des Gebäudes. Ohne diesen Balken nehme ich das Haus nicht. Das weiß auch die BGW.« Er sehe es als seine Aufgabe an, das Gebäude inklusive Balken der Nachwelt zu erhalten. »Wenn jemand aus Bielefeld oder Brackwede den Hof übernehmen möchte, ist es für mich kein Problem. Aber bevor es zu Brennholz vernichtet wird, kümmere ich mich lieber darum. Das gehört zu unserem Konzept.« Eine Bauvoranfrage für den Wiederaufbau sei bereits gestellt, das Projekt sei in Planung. Bis das Gebäude in Marienfeld steht, können seiner Einschätzung nach aber noch etwa zwei Jahre vergehen.

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