Gewalt in Flüchtlingsfamilien vermeiden – Vortrag im Integrationsrat Die Verursacher ansprechen

Harsewinkel (WB). In Harsewinkeler Schulen und Kindergärten fallen vermehrt Flüchtlingskinder auf, die offenbar in ihrem familiären Umfeld geschlagen wurden. In diesem Zusammenhang berichtete jetzt Christel Kunz dem Integrationsrat über ein bundesweites Schutzprojekt.

Von Carsten Borgmeier
Die Flüchtlingsberaterinnen Nesrin Gündüz, Anna Hirsch und Nasip Polat (von links) setzen sich in Harsewinkel für die Belange von Migranten ein. Dabei geht es zunehmend um den innerfamiliären Schutz vor Gewalt bei Kindern und Frauen.
Die Flüchtlingsberaterinnen Nesrin Gündüz, Anna Hirsch und Nasip Polat (von links) setzen sich in Harsewinkel für die Belange von Migranten ein. Dabei geht es zunehmend um den innerfamiliären Schutz vor Gewalt bei Kindern und Frauen. Foto: Carsten Borgmeier

Die 61-Jährige sitzt in der Abteilung Gesundheit der Gütersloher Kreisverwaltung und koordiniert von dort aus das von der Bundesregierung und Bertelsmann geförderte Programm »MiMi – Gewaltprävention mit Migrantinnen für Migrantinnen«.

»Mit der steigenden Zahl geflüchteter Frauen und Mädchen in Deutschland nehmen auch Berichte über gewalttätige Übergriffe auf diesen Personenkreis zu«, führte Christel Kunz vor dem 13-köpfigen Gremium unter Vorsitz von Ogün Yilmaz aus. »Die Betroffenen sind oftmals nicht ausreichend über ihre Rechte oder Hilfsangebote informiert«, ergänzte die Referentin.

Diese Aussage bekräftigen die am Dienstagabend mit am Tisch im großen Ratssaal sitzenden Harsewinkeler Flüchtlingsberaterinnen Anna Hirsch, Nasip Polat und Nesrin Gündüz. Das Trio gehört zu den sogenannten interkulturellen Mediatorinnen im Kreisgebiet, die Frauen haben sich wie weitere 22 Personen verschiedener Nationalität gemäß der »Mimi«-Projektrichtlinien schulen lassen.

Während Christel Kunz dem Integrationsrat eher allgemein über die Projektaktivitäten mit allein 95 Veranstaltungen (52 davon zum Thema Gewaltprävenation) im Kreis Gütersloh im vergangenen Jahr vortrug, wollten Mitglieder wie Pamela Westmeyer (CDU) oder Brunhilde Leßner (Grüne) tiefer in den Alltag von Harsewinkeler Flüchtlingsfamilien vorstoßen. So stellte die Christdemokratin Westmeyer beispielsweise die Frage in den Raum, wie sich geflüchtete Frauen und Mädchen aus ihrem oftmals vom Ehemann oder Vater dominierten Familienumfeld lösen könnten.

Genau dort sehen die Harsewinkeler Flüchtlingsberaterinnen großen Handlungsbedarf, träten doch nach deren Eindruck Fälle häuslicher Gewalt in hiesigen Flüchtlingsfamilien immer häufiger zutage. »Frauen- oder Kinderrechte gibt es in Kulturkreisen mancher Flüchtlinge nicht«, schildert Hirsch. Hinweise auf häusliche Gewalt erhielten die Beraterinnen der Arbeiterwohlfahrt (AWO) oftmals auch von Ehrenamtlichen, die sich um jene Familien kümmerten. Demnach engagieren sich in der Stadt etwa 140 Freiwillige für die Zugewanderten.

Wichtige Erkenntnis der turnusgemäßen Sitzung des Integrationsrates: »Mimi« dürfe sich nicht mehr nur an Mädchen und Frauen richten, sondern vor allem an die zugereisten Männer. »Von denen geht ja schließlich häufig die Gewalt aus«, meinte Brunhilde Leßner. Wie das jedoch gelingen soll, wusste in der Sitzung noch niemand. Wer mit dem erhobenen Zeigefinger auf die Männer zugehe, werde sie nicht erreichen, gab Christel Kunz zu bedenken.

Weitere Informationen zu den Hilfsangeboten gibt es unter Tel. 0 52 47/24 65 (Anna Hirsch) oder 0 52 41/85 16 60 (Christel Kunz).

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