Leonhard Sieweke keltert Rotwein – Trauben als Stecklinge im Garten großgezogen Süffiges Tröpfchen aus dem Klosterdorf

Marienfeld (WB). In den vergangenen Jahren hat Leonhard Sieweke die Weinreben immer den Vögeln überlassen. »Die Träubchen sind ruckzuck weggepickt«, weiß er. Jetzt hat er sich überlegt, selbst von den Pflanzen zu profitieren und damit der alten Tradition der Mönche zu folgen. Entstanden sind 20 Flaschen »Marienfelder Klostergarten« – ein süffiger Rotwein.

Von Elke Westerwalbesloh
»Marienfelder Klostergarten Rot« – so steht es auf dem Etikett des Dornfelder Traubensaftes. Leonhard Sieweke hat ihn mit Winzer Georg Hartmann-Niemerg selbst gekeltert.
»Marienfelder Klostergarten Rot« – so steht es auf dem Etikett des Dornfelder Traubensaftes. Leonhard Sieweke hat ihn mit Winzer Georg Hartmann-Niemerg selbst gekeltert. Foto: Westerwalbesloh

13,3 Prozent hat der edle Tropfen und »er schmeckt wirklich zu jeder Gelegenheit«, sagt der Pflanzen-Experte, der seit 2002 schon den Klostergarten in Marienfeld hegt und pflegt. Kurz den Schraubverschluss öffnen, und schon geht sie los die Verkostung morgens um zehn Uhr im Klostergarten bei Sonnenschein.

Leonhard Sieweke versteht mittlerweile schon etwas vom Wein. Immerhin reist er einmal jährlich mit einem Weinkreis – eine Hand voll guter Bekannter – in ein Weinanbaugebiet in Deutschland. 13 davon gibt es und dieses Jahr ist der Bodensee dran. Manchmal bringt er sich von dort einen Steckling mit und zieht die Pflanze dann groß – so wie die Dornfelder Rebe, deren Trauben nun in seinem leckeren Tröpfchen stecken. Die klimatischen Bedingungen seien gut gewesen und sein Garten ein passender Ort, in dem die Rebe bei Wärme und lauem Lüftchen gut gedeihen könne.

Für die Produktion des »Marienfelder Klostergarten Rot« hat er Kontakt zum Winzer Georg Hartmann-Niemerg in Rippelbaum in Füchtorf aufgenommen. Zusammen haben die beiden dann die roten Trauben aus dem Klostergarten geerntet, »von Hand gekeltert«, das heißt die Frucht zerquetscht und schließlich über mehrere Gärungsprozesses den Wein hergestellt.

30 Kilo Weintrauben haben dann 20 Flaschen Rotwein ergeben. »Der Prozess des immer wieder Umfüllens, um die Feststoffe herauszufiltern, dauerte ein halbes Jahr«, erklärt Sieweke. Für Georg Hartmann-Niemerg sei es im übrigen auch der erste Rotwein gewesen, weiß Sieweke. Der Winzer keltert eigentlich nur Apfelwein. »Nein, nicht den typischen Frankfurter Äppelwoi, sondern richtigen Apfelwein«, berichtet Sieweke. Und verweist sofort auf sein neustes Projekt. »In diesem Jahr habe ich unheimlich viele Äpfel im Klostergarten«, schildert der Naturfreund und kündigt an, dass er daraus Wein herstellen wird. Auf einem Baum tummeln sich 14 verschiedene Apfelsorten, auf einem weiteren sogar 40. Aus dem »Geheimrat Oldenburg«, dem »Cox Orange«, dem »Apfel aus Goethes Garten«, der »Bernadette« wird er einen Cuvee keltern. So ist zumindest der Plan. Ein Apfel werde im Fachjargon auch als »westfälische Traube« bezeichnet, verrät Sieweke.

Naja, und wenn es mit dem Apfelwein doch nicht so klappt, ist immer noch der Hopfen da. »Ein Bier geht ja immer«, sagt der Klostergärtner, dass er jedes Jahr Bier braut und eine Charge schon mal 150 Liter umfasst. Bleibt die Frage, wo es den Wein und das Bier zu kaufen gibt? Gar nicht. Kosten von dem Selbstgebrauten kann nur, wer Leonhard Sieweke kennt – dann aber auch schon mal morgens um zehn im Klostergarten.

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