140 bis 150 Mitarbeiter in Halle betroffen – Vorstand warnt vor Jahresverlust Gerry Weber baut Stellen ab

Halle (WB). Nach einem Umsatzrückgang um 5,4 Prozent im ersten Halbjahr startet der Haller Modekonzern Gerry Weber AG ein neues »Performance«-Programm. Ziel ist es, die Kosten zu senken und künftig wieder Gewinne zu erwirtschaften. In dem Zusammenhang sollen 140 bis 150 Vollzeitstellen in der Zentrale und in der Logistik in Halle abgebaut werden. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan haben begonnen.

Von Bernhard Hertlein
Mit einem weiteren Sanierungsprogamm will Vorstandschef Ralf Weber das Haller Modeunternehmen wieder auf Erfolgskurs bringen. An diesem Donnerstag werden Details vorgestellt.
Mit einem weiteren Sanierungsprogamm will Vorstandschef Ralf Weber das Haller Modeunternehmen wieder auf Erfolgskurs bringen. An diesem Donnerstag werden Details vorgestellt. Foto: Mike-Dennis Müller

Der Vorstandsvorsitzende Ralf Weber erklärte am Mittwoch: »Gerade als traditionelles Familienunternehmen fallen uns die notwendigen Einschnitte (...) nicht leicht.« Er spricht von einer »Änderung des Geschäftsmodells«, einer »Revolution«. Das Sanierungsprogramm, das bis Ende 2019 laufen soll, war im Februar angekündigt worden. Vor drei Wochen wurde der Stopp der reinen Online-Marke »Gr8ful« nach nur zwei Monaten als eine Maßnahme bekannt.

Das neue »Performance-Programm für nachhaltiges, profitables Wachstum« soll die Personal- und Sachkosten in Produktentwicklung, Beschaffung, Logistik und Verwaltung um 13 bis 15 Millionen Euro senken. Durch Investitionen vor allem in IT und Warensteuerung geht Weber davon aus, das Jahresergebnis mittelfristig um jährlich 35 bis 40 Millionen Euro steigern zu können. Details werden an diesem Donnerstag bekannt gegeben.

Konzernergebnis sank um 11,8 Prozent

Im ersten Halbjahr 2017/18 ging der Umsatz der Gerry Weber AG um 5,4 Prozent auf 404,7 Millionen Euro zurück. Das Minus ist umso gravierender, als die Ende 2014 übernommene Marke Hallhuber auf vergleichbarer Fläche um 8.0 Prozent zulegte. Einschließlich der neuen Läden waren es sogar 12,2 Prozent. Dagegen verminderte sich der Umsatz der Stammmarken Gerry Weber, Taifun und Samoon um 14,2 Prozent.

Das Konzernergebnis sank um 11,8 Prozent von 28,9 auf 25,5 Millionen Euro. Dabei schnitt die Gerry Weber AG im zweiten Quartal beim Umsatz wie beim Ergebnis besser ab als in den ersten drei Monaten des Geschäftsjahres. Vor dem Hintergrund der Halbjahresbilanz und Sonderkosten von 15 Millionen Euro für das Sparprogramm korrigierte der Konzern seine Jahresprognose. Statt 870 bis 890 Millionen Euro erwarten die Haller jetzt noch einen Umsatz zwischen 830 bis 840 Millionen. Das Konzernergebnis werde vermutlich in die Verlustzone rutschen. Erwartet wird ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von Null bis minus zehn Millionen Euro – statt bislang erwarteter plus 10 bis 20 Millionen Euro.

Aktienkurs der Gerry Weber AG rutscht weiter ab

Im Rahmen des Anfang 2016 aufgelegten Sanierungsprogramms »Fit 4 growth« hat der Konzern innerhalb von zwei Jahren schon hunderte Jobs abgebaut, darunter 212 am Stammsitz in Halle, und 143 Filialen geschlossen. Aktuell betreibt Gerry Weber 835 Geschäfte, 51 weniger als vor einem Jahr. Hinzu kommen noch 415 Hallhuber-Läden. Von den 6921 Beschäftigten arbeiten etwa 1050 in Halle, davon 800 in der Zentrale und 250 im Logistikzentrum im Gewerbegebiet »Ravenna-Park« an der A33.

Der Aktienkurs der Gerry Weber AG rutschte am Mittwoch nachbörslich mit 6,66 Euro erstmals seit 2005 unter die Sieben-Euro-Marke. Vor drei Jahren lag er noch bei 20,55 Euro. Größter Anteilseigner mit fast 30 Prozent ist Gründer und Aufsichtsrat Gerhard Weber. Sein Sohn Ralf, seit 2015 sein Nachfolger als Vorstandsvorsitzender, hält 3,9 Prozent, Mitgründer Udo Hardieck 17,5 Prozent der Anteile.

Weitere Details will das Unternehmen am Donnerstag bekannt gegeben.

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