Mal intim, dann wieder rockig: Unplugged-Konzert in Halle Peter Maffay überzeugt seine Fans

Halle (WB). Obacht! Wer zu früh aus einem Peter-Maffay-Konzert verschwindet, verpasst das Beste. Jedenfalls beim Auftritt in Halle.

Von Burkhard Hoeltzenbein
Noch sitzt das Publikum, aber spätestens bei »Liebe wird verboten« hält es niemanden mehr auf seinem Stuhl – Peter Maffay reißt seine Fans auch unplugged emotional mit.
Noch sitzt das Publikum, aber spätestens bei »Liebe wird verboten« hält es niemanden mehr auf seinem Stuhl – Peter Maffay reißt seine Fans auch unplugged emotional mit. Foto: Sören Voss

Als die Lichter nach zwei intensiven Stunden ausgehen, die Roadies im Taschenlampenschein bereits einpacken, klingen die Stimmen von Maffay und seinem Spezialgast Johannes Oerding sanft aus der Dunkelheit. Das Licht geht an – und dann lässt es der Deutschrocker mitsamt Band und voller Verstärkerleistung doch noch richtig krachen.

Das überraschende Finale eines als »unplugged« ausgewiesenen Abends lässt alle Fans restlos zufrieden zurück. Allerdings bleibt dieses Konzert im Gerry-Weber-Stadion ein Hybrid, der sich nicht entscheiden kann, ob er nun Rockkonzert oder intimes Tête-à-Tête mit den Fans sein will.

Gitarrist Carl Carlton: »Wir bleiben auf dem Teppich«

Wer an vertraute Unplugged-Klubatmosphäre denkt, kommt sich angesichts der 7100 Zuschauer, Videoeinspielern und monströser Lichtshow deplatziert vor. Zumal das Ganze auf einer überdimensionierten, tief in den Saal hineinragenden Bühne stattfindet, die sich Maffay für die Tour hat basteln lassen.

Da helfen auch nicht die riesigen Teppiche, die sich die Musiker zur Imitation des Wohnzimmerflairs untergelegt haben. Irgendwie passen die Relationen nicht, weil Maffay fast durchgehend auf seinem Stühlchen vor dieser Kulisse hockt. »Wir bleiben auf dem Teppich«, behauptet der Gitarrist Carl Carlton das Gegenteil.

Der Rampenlicht-Dauerbrenner kann sich im sechsten Jahrzehnt seines Schaffens auf seine Fangemeinde verlassen. Die feiert mit ihrem Peter und seinen 15 Musikern schon bei den Openern »Bring mich nach Hause« und dem groovigen »Gelobtes Land« eine große Wiedersehensparty.

Zuhörer sind für die Klassiker angereist

Maffay spielt in der Liga von Musikern, die alles ausprobieren dürfen, solange ihre Klassiker dabei sind. Da kann es nicht schnulzig genug werden, wenn auf der Zeitreise zurück bis ins Jahr 1970 »Du«, »Ewig« und »Wenn du gehst, dann geht nur ein Teil von dir« erklingen. »Und es war Sommer« und »Sonne in der Nacht« sind die Lieder, für die die Zuhörer meilenweit angereist sind.

Liebeskitsch ist der eine Maffay, Weltuntergangsmahner der andere. In »Eiszeit« sieht er das Ende nahen: »Wenn die Meere untergehn und die Erde bricht.« »Wenn der letzte Regen fällt« beschwört die Reaktorkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima. »Das darf es nie wieder geben«, singt der drahtige 68-Jährige und gibt den Weltschmerzensmann.

Unterhaltsam wird es mit Johannes Oerding. Bei »Liebe wird verboten« hält sich niemand mehr an die angesichts der völlig friedlichen Atmosphäre ohnehin überflüssigen Ordnervorgabe, sitzen zu bleiben. »So schön« wirkt akustisch wie optisch, weil Linda Teodosiu aus dem dreiköpfigen Chor assistiert.

Erlesene Truppe von Musikern

Überhaupt hat Maffay mit Streichern, Bläsern, Perkussion und seiner Band, mit der er seit 40 Jahren unterwegs ist, eine erlesene Truppe um sich geschart. Carl Carlton, Keyboarder Pascal Kravetz und Schlagzeuger Bertram Engel geben so unaufgeregt wie punktgenau Rückendeckung. Dass »eines der schönsten Liebeslieder« nicht aus seiner Feder stammt, kann Peter Maffay mit Selbstironie verschmerzen. Der adaptierte »Karat«-Klassiker »Über sieben Brücken« ist im Duett mit Oerding einer der nachhaltigsten Momente des Abends. Hier kommen in den ruhigen Passagen die sonst klanglich untergepflügten Celli und Geigen endlich deutlich durch.

Angesichts der musikalischen Stärken ist der kindische Ausflug ins Tabaluga-Land überflüssig. Dann lieber »Freiheit, die ich meine«, bei der das Stadion kocht. Wer nun meint, als Erster am Auto sein zu müssen, bringt sich selbst um den finalen Kick.

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