»Weder zukunfts- noch wettbewerbsfähig« – Essen kommt demnächst aus Bielefeld Klinikum schließt seine Küche in Halle

Halle/Bielefeld (WB). Die Küche im Klinikum Halle wird aufgegeben. Das Aus soll zur Mitte des Jahres erfolgen. Diese Entscheidung hat die Geschäftsführung des Klinikums Bielefeld in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat getroffen. Grund: Eine notwendige Investition von etwa 2,5 Millionen Euro in eine neue Küche wollten weder die Stadt Halle noch das Klinikum selbst leisten.

Die Cafeteria im Klinikum Halle wird auch künftig für interne und externe Gäste geöffnet bleiben. Allerdings wird ab Juli nicht mehr in Halle selbst gekocht, sondern die Mahlzeiten werden von der Bielefelder Zentralküche geliefert.
Die Cafeteria im Klinikum Halle wird auch künftig für interne und externe Gäste geöffnet bleiben. Allerdings wird ab Juli nicht mehr in Halle selbst gekocht, sondern die Mahlzeiten werden von der Bielefelder Zentralküche geliefert.

Künftig soll das Essen für die Haller Patienten ebenso für die externen Kunden wie Schulen und Kindergärten von der zentralen Großküche im Klinikum Bielefeld kommen. Die gut laufende Cafeteria im Klinikum soll wie bisher weiterlaufen und für interne wie externe Gäste geöffnet bleiben. Die 24 Mitarbeiter der Haller Küche, die sich 16,3 Stellen teilen, wurden in dieser Woche durch die Geschäftsführung informiert. Die allermeisten von ihnen würden Übernahmeangebote erhalten, erklärte Klinikum-Sprecher Axel Dittmar auf Anfrage. Gleichwohl ist die Nachricht in Halle keineswegs nur positiv aufgenommen worden. Dass das Fehlen einer eigenen Küche den Krankenhaus-Standort eher schwächt denn stärkt, empfinden manche Mitarbeiter, die das WB spontan am Freitag in der Mittagszeit fragte.

Das Patienten-Essen kommt demnächst aus der Bielefelder Zentralküche

Dittmar widerspricht der These von der Schwächung des Klinikum-Standortes. »Man muss das Unternehmen immer insgesamt sehen. Die Patienten in Halle werden weiterhin ohne einen Qualitätsverlust mit Essen versorgt. Und die Aufgabe der Küche in Halle sichert letztlich auch den Standort, weil ein Verlustbringer weg ist. Die Küche war einfach nicht mehr rentabel«, argumentiert Dittmar.

Über die Haller Küche ist hinter den Kulissen seit Jahren diskutiert worden. Schon bei bei der Fusion der Häuser im Jahre 2010 war eine grundlegende Sanierung Thema. Die Küchenfrage tauchte immer wieder mal auf, seit dem vergangenen Jahr aber wurde es still, die Entscheidung reifte heran.

Notwendige Investition von 2,5 Millionen Euro wollte niemand leisten

Kommentar

Je stiller es zuletzt um das Sanierungsthema Küche wurde, desto eher war diese Schließungsentscheidung zu erwarten. Die wirtschaftlichen Gründe mögen gründlich abgewogen worden sein. Unterm Strich aber bleibt die Entscheidung, nicht in Halle direkt zu investieren. Genau das aber muss die Stadt im Auge behalten. Das Klinikum ist für diesen Standort insgesamt viel zu wichtig, als dass es nach und nach ausgezehrt werden darf. Vor allem die Substanz muss gesichert werden.

Stefan Küppers

Die räumliche Situation der Haller Küche habe eine umfassende Sanierung erfordert, erläutert Axel Dittmar. »In ihrem jetzigen Zustand ist die Küche weder zukunfts- noch wettbewerbsfähig«, sagt er und beziffert den Investitionsbedarf auf 2,5 Millionen Euro. Eine offenbar zu hohe Summe für das hoch verschuldete Klinikum selbst aber auch für die Stadt Halle, die zuletzt immer auf ein wachsendes Liquiditätsproblem bedingt durch anderweitige hohe Investitionen hingewiesen hat. In der Vergangenheit hatte die Stadt Halle, die elf Prozent Anteil am Gesamtklinikum trägt, immer wieder für bestimmte Projekte (zum Beispiel Aufbau einer Abteilung für Altersmedizin) hohe Investitionssummen zugeschossen hatte.

Wie Dittmar erläutert, ist es für das Klinikum kein Problem in der Bielefelder Großküche eine eigene Produktionslinie einzurichten für die jährlich etwa 80.000 Mahlzeiten, die nach Halle gehen. Von dieser Zentralküche wird auch das Klinikum Rosenhöhe versorgt. Laut Dittmar werden künftig nach dem sogenannten Cook-and-Chill-Verfahren die Mahlzeiten in Bielefeld auf 4 Grad herunter gekühlt und mit einem Regenerationswagen mit Kühl- und Wärmetechnik nach Halle gebracht. Vor Ort würden die Mahlzeiten in einem schonenden Dampf- und Garsystems verzehrfertig gemacht. Dittmar: »Es gibt keinerlei Qualitätsverlust beim Essen.« Der Aufsichtsrat habe selbst das Essen probiert und sei sehr angetan gewesen, fügt er hinzu. Im Aufsichtsrat des Klinikums sitzen als Haller Vertreter Anne Rodenbrock-Wesselmann und Ulrike Sommer.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.