Matthäus-Passion zum Ausklang: Kirche und Stadt Halle danken den Unterstützern Ein großes Herz für die Bach-Tage

Halle (WB). Dass seine vorletzten Haller Bach-Tage als Kantor schon vorbei sind, kann Martin Rieker noch gar nicht richtig glauben. Und an eine Verschnaufpause ist für ihn erst recht nicht zu denken: Stattdessen plant er bereits jetzt die 56. Auflage der musikalischen Traditionsveranstaltung.

Von Sara Mattana
Kantor Martin Rieker, Steffie Ford von der Firma Storck, Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann und Kuratoriums-Leiter Walter Hempelmann (von links) freuen sich über das erfolgreiche Abschlusskonzert der Haller Bach-Tage.
Kantor Martin Rieker, Steffie Ford von der Firma Storck, Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann und Kuratoriums-Leiter Walter Hempelmann (von links) freuen sich über das erfolgreiche Abschlusskonzert der Haller Bach-Tage. Foto: Sara Mattana

»Als ich letztens auf dem Fahrrad zur Kirche gefahren bin, ist mir eingefallen, welchen Titel die nächsten Bach-Tage haben sollen«, sagt Kirchenmusikdirektor Martin Rieker. Unter dem Motto »In Gottes Namen« sollen diese stehen, und auch das Abschluss-Stück verrät er beim großen Empfang am Samstag: Bachs Messe in h-moll-Messe soll den klanggewaltigen Abschluss seiner 30-jährigen Karriere als Kantor bilden.

Doch an den Abschied wollen die etwa 40 Gäste nach der Darbietung der Matthäus-Passion noch nicht denken. Viel lieber möchten Organisatoren, Ehrenamtliche und Sponsoren den Erfolg der vergangenen Wochen feiern. »Die Bach-Tage stehen für qualitätsvolle Aufführungen aus Klassik, aber auch Jazz oder Konzerte für Kinder haben das Programm bereichert«, sagt Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann.

Dank an die Sponsoren

Besonders bedankt sie sich bei den Sponsoren. Neben der Kreissparkasse Halle, Gerry Weber und der Firma Baxter unterstützt vor allem die Firma Storck das Kultur-Ereignis. »Die Firma unterstützt die Reihe durch eine außergewöhnlich hohe Fördersumme und stellt seit Jahren ihren Treffpunkt zur Verfügung«, sagt Anne Rodenbrock-Wesselmann. So werden in der Kantine die Tische und Stühle durch eine Konzertbestuhlung ersetzt, Programmkarten gedruckt und ein Sektempfang organisiert, um die Bach-Tage durch ein Konzert in besonderer Atmosphäre zu bereichern.

Außerdem wirkt Storck an der Auswahl der Konzerte mit, organisiert die Bühnen-, Licht- und Tontechnik und kümmert sich um die Betreuung der Künstler. Dieses Engagement wollte die Stadt Halle nun gebührend ehren: Als Anerkennung für ihren Einsatz erhält Steffie Ford als Stellvertreterin von Storck-Leiter Axel Oberwelland das Haller Herz.

Ehrenamtliches Engagement ist unerlässlich

Damit nicht nur organisatorisch alles läuft, sondern auch das hohe musikalische Niveau der Bach-Tage beibehalten werden kann, ist das ehrenamtliche Engagement der Musiker und insbesondere des Haller Bach-Chores unerlässlich. Schließlich müssen sie sich nicht nur stimmlich gut vorbereiten, sondern sich auch mit den komplexen Inhalten der Stücke aus­einander setzen. »Die Matthäus-Passion ist wirklich keine leichte Kost, aber die Frage nach Gnade, Liebe und Schuld ist ja grundsätzlich nie einfach«, sagt Kuratoriums-Leiter und Superintendent Walter Hempelmann.

Denn genau um diese Themen drehte sich das Abschlusskonzert in der St. Johanniskirche, wobei besonders die kulturelle Bedeutung im Vordergrund stand. »Die Menschen wurden so mit der Passionsgeschichte konfrontiert. Diese Themen treten in jedem Existenzbezug ebenso wie in gesamtgesellschaftlichen Konflikten auf«, so Hempelmann.

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Es ist eine unglaubliche Herausforderung, so ein Stück auf die Beine zu stellen und alles zusammen zu halten.

Kantor Martin Rieker

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Für ihn zeigt sich der Gedanke an Gott vor allem in der Arie »Aus Liebe will mein Heiland sterben«: »Bach hat dieses Stück ohne Bass, das heißt ohne tragenden Grund, komponiert und will damit sagen, dass die Liebe Gottes im wahrsten Sinne des Wortes grundlos ist.« Diese Feinheiten sind es auch, die Bach für Martin Rieker so faszinierend machen. Das ganze Jahr über beschäftigt er sich mit der Frage, welche Themen er auf welche Weise mit Musik verbinden kann, und denkt deshalb schon über die nächsten und für ihn letzten Bach-Tage nach. »Es ist eine unglaubliche Herausforderung, so ein Stück auf die Beine zu stellen und alles zusammen zu halten«, sagt Martin Rieker, der vor allem das harmonische Miteinander der Mitwirkenden schätzt.

Obwohl er seine Aufgaben vermissen wird, blickt der Kantor positiv auf die in den nächsten Jahren kommenden Bach-Tage: »Es ist wichtig, dass sich ab und zu etwas verändert. Und obwohl die Zeit eigentlich zu schnell vergangen ist, freue ich mich sehr über das, was ich hier erleben durfte.« Der Kantor nutzt die Gelegenheit auch, sich bei allen ehrenamtlichen Unterstützern und Sponsoren zu bedanken, bevor die Gäste den Abend im Hotel Hollmann ausklingen lassen. »In 55 Jahren hat das Klassikfestival seine Anziehungskraft nicht verloren. Nicht nur Besucher aus Halle, sondern auch Gäste aus der gesamten Region besuchen die Konzertreihe«, lobt Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann.

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