Kritische Stellungnahme zu geplanter evangelikaler Georg-Müller-Schule Gesamtschule und KGH äußern starke Bedenken

Halle (WB). In die Diskussion um die von den evangelikalen Georg-Müller-Schulen geplante Gründung einer Sekundar- oder Realschule in Halle schalten sich jetzt die Gesamtschule Halle und das Kreisgymnasium mit kritischen Worten ein. In einem offenen Brief der beiden Schulleiter, der den jeweiligen Schulkonferenzen zwecks Zustimmung zugeleitet worden ist, wird vor den möglichen Folgen einer solchen Schulgründung gewarnt.

Von Stefan Küppers
Auf diesem Gelände eines ehemalige Betriebes für Textil-Recycling (Borgers) am Klingenhagen in Halle würde die Georg-Müller-Schule gerne eine neue Filiale in Form einer Sekundar- oder Realschule errichten. Geplant sind zwei Züge mit insgesamt rund 300 Schülern.
Auf diesem Gelände eines ehemalige Betriebes für Textil-Recycling (Borgers) am Klingenhagen in Halle würde die Georg-Müller-Schule gerne eine neue Filiale in Form einer Sekundar- oder Realschule errichten. Geplant sind zwei Züge mit insgesamt rund 300 Schülern. Foto: Fälker

»Wir möchten hiermit unserer Sorge über diese mögliche Entwicklung Ausdruck verleihen«, heißt es einleitend in dem Schreiben, das von Gesamtschul-Leiterin Almuth Burkhardt-Bader und KGH-Direktor Markus Spindler aufgesetzt worden ist. Sie schreiben weiter: »Als vor fünf Jahren die Diskussion über die Gründung der Gesamtschule Halle geführt wurde, wurde anhand der Schülerprognosen deutlich, dass die kommenden Grundschuljahrgänge nur sehr knapp für zwei große Schulen ausreichen. Auch wenn sich diese Situation mittlerweile durch eine nicht unerhebliche Anzahl von neu aufzunehmenden Schülern in den IVO-Klassen etwas entspannt hat, so ist dies doch kein Dauerzustand.« In den internationalen Vorbereitungsklassen (IVO) werden junge Flüchtlinge gesondert beschult, solange bis sie im normalen Unterricht mitmachen können.

»Nicht aus zwei guten Schulen drei schlechte werden lassen«

Abschließend heißt es in dem Brief der Direktoren: »Zeichen einer guten Schule, die Integration lebt und ihre Schülerinnen und Schüler zu toleranten und weltoffenen Mitgliedern der Gesellschaft erzieht, ist, dass sie nicht an der Unterzahl der möglichen Schülerinnen und Schüler herumschrammt, sondern durch eine Vielzahl derselben auch ein gutes und differenziertes Angebot unterbreiten kann. Speziell für die Gesamtschule ist eine große Bandbreite an Begabungen für das Gelingen des Schulprogramms unerlässlich. Wir hegen die begründete Befürchtung, dass durch den Bau einer dritten Sek-I-Schule in Halle aus zwei guten Schulen drei schlechte werden könnten.«

Die Gesamtschule hätte mit der Privatschule wohl das größere Problem

Die Gesamtschul-Leitung war am Freitag nicht erreichbar. KGH-Direktor Spindler verwies darauf, dass alle Schüler- und Lehrervertreter in der Schulkonferenz die Stellungnahme befürwortet hätten. Die Elternvertreter seien noch nicht alle erreicht worden. Spindler erwartet zwar, dass die Gesamtschule mit einer Georg-Müller-Schule in Halle ein weitaus größeres Problem als das KGH haben werde. Doch fürchtet er, dass durch eine geschwächte Gesamtschule auch ein negativer Effekt fürs KGH eintreten könne. Im Durchschnitt verlassen etwa 200 Kinder alljährlich die Haller Grundschulen. Die Gesamtschule braucht etwa 110 Schüler für die Vierzügigkeit, das KGH um die 90, um die strukturelle Dreizügigkeit aufrecht erhalten zu können.

Nach der Verfassungslage haben Ersatzschulen wie die Georg-Müller-Schulen einen besonderen Status, sind nicht aufs Einvernehmen der Standortgemeinde oder die Einbindung in deren Schulentwicklungsplanung angewiesen. Die Vertreter der Privatschule argumentieren, dass ihre Schüler überwiegend außerhalb von Halle kommen würden. Am 22. Februar will der Schulausschuss beraten.

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Konkurrenz belebt das Geschäft

Abgesehen davon, dass die neue Schule ihre Schüler vor Allem außerhalb von Halle gewinnt, scheinen die etablierten Schulen Angst vor dem Wettbewerb zu haben. Das alleine ist schon kein gute Zeichen.

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