Berufung am Landgericht gescheitert: 27-Jähriger aus Melle erhält drei Monate Fahrverbot Augenblicksversagen mit tödlichen Folgen

Bielefeld/Halle (WB/swa). Ein kleiner Moment der Unkonzentriertheit sorgte dafür, dass am 27. August 2016 ein Motorradfahrer auf der Werther Straße sein Leben verlor. Ein damals 25-jähriger Autofahrer übersah den Zweiradfahrer, der noch am Unfallort verstarb. Das Amtsgericht Halle verurteilte den gebürtigen Bielefelder wegen fahrlässiger Tötung zu 90 Tagessätzen in Höhe von 40 Euro und ordnete ein dreimonatiges Fahrverbot an.

Anderhalb Jahre nach dem tödlichen Verkehrsunfall hat das Landgericht Bielefeld die Berufung eines 27-jährigen Autofahrers aus Melle abgelehnt.
Anderhalb Jahre nach dem tödlichen Verkehrsunfall hat das Landgericht Bielefeld die Berufung eines 27-jährigen Autofahrers aus Melle abgelehnt.

Der folgenreiche Unfall ereignete sich auf der Kreuzung Werther Straße/Theenhausener Straße. Der Verurteilte befuhr mit seinem Daimler die Werther Straße, als er links auf die Haller Umgehungsstraße einbiegen wollte. Am Stopp-Schild hielt er ordnungsgemäß. Als ein Audi Q7 aus Werther kommend blinkte und in die Werther Straße abbiegen wollte, fuhr der heute 27-Jährige in der Annahme los, dass die Straße frei sei. Dabei übersah er das Motorrad vor dem Audi und fuhr es an. Der 62-jährige Fahrer aus Bissendorf verstarb noch vor Ort. »Mein Mandant hat für einen kleinen Moment nicht richtig aufgepasst«, sagte Verteidiger Falk Held.

Auf Fahrerlaubnis beruflich angewiesen

Gegen das erstinstanzliche Urteil aus Halle wehrte sich sowohl die Verteidigung als auch die Staatsanwaltschaft mit dem Rechtsmittel der Berufung, sodass das Landgericht Bielefeld erneut entscheiden musste. Die Staatsanwaltschaft sah den Verursachungsanteil des 27-Jährigen nicht hinreichend gewürdigt, da er ausschließlich Schuld am Unfalltod des Motorradfahrers trage. Sie forderte eine Verurteilung zu 120 Tagessätzen, womit der in Melle wohnende Mann als vorbestraft gelten würde.

Die Verteidigung führte an, dass der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann beruflich auf eine Fahrerlaubnis angewiesen sei, weshalb ein Fahrverbot unbedingt vermieden werden müsste. Auch könnten die Tagessätze nicht höher liegen, da mit einer Vorstrafe ein Jobverlust einhergehen könnte.

Der 27-Jährige arbeitet derzeit als Disponent und Auslieferungsfahrer für Arzneimittel. In der Branche, in der auch Betäubungsmittel transportiert werden, sei es üblich, nur unbescholtene Mitarbeiter zu dulden. Das Bielefelder Berufungsgericht wies jedoch beide Anträge als unbegründet zurück und bestätigte das Urteil des Haller Amtsgerichts vom 5. Juli 2017. Zwar habe es sich bei dem schrecklichen Fall um ein »Augenblicksversagen des Angeklagten gehandelt«, so die Vorsitzende Richterin Stellbrink, jedoch sei der 27-Jährige nur wenige Monate nach der Todesfahrt erneut durch eine erhöhte Geschwindigkeit aufgefallen.

Neben dem Urteil sind auch die persönlichen Folgen für den Meller immens. Gut eineinhalb Jahre nach dem Vorfall befindet er sich immer noch in psychologischer Behandlung. »Solche Bilder vergisst man nicht – niemals«, sagte er. In einem einstündigen Telefonat mit der Tochter des Verstorbenen konnte er nach eigenen Angaben sein Bedauern ausdrücken. Ihm habe es geholfen, dass die Hinterbliebenen Verständnis für seine Situation gezeigt hätten.

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