Beim politischen Jahresrückblick in Halle telefoniert Bernd Gieseking mit Kim Yong-un Neues vom großen dicken Kind

Halle (WB). Eine ganz eigene Zeitrechnung macht Bernd Gieseking auf. »Das neue Jahr beginnt immer erst mit der Wahl des neuen Dschungelkönigs«, verkündet der Kabarettist den 220 Besuchern im Haller Schulzentrum Masch. Wer jetzt sinkendes Niveau beim politischen Jahresrückblick befürchtet, darf aufatmen. Gieseking klopft anschließend bissig und ungeniert wie eh und je auf die Großkopferten dieser Welt ein.

Von Freya Schlottmann
Von Atomknöpfen und explosiven Zucchinis berichtet Kabarettist Bernhard Gieseking in seinem politischen Jahresrückblick. 220 Zuhörer im Schulzentrum Masch hören zu.
Von Atomknöpfen und explosiven Zucchinis berichtet Kabarettist Bernhard Gieseking in seinem politischen Jahresrückblick. 220 Zuhörer im Schulzentrum Masch hören zu. Foto: Freya Schlottmann

Exzentrische Präsidenten und Diktatoren, eine aufsehenerregende Zucchini und eine schier nie enden wollende Bundestagswahl sind seine Zutaten zu einem Jahr 2017, das der Welt so einiges geboten hat. Die Vorlagen, die ihm Realsatiriker wie Donald Trump oder Kim Yong-un bieten, verwandelt der Kabarettist mit Anspruch so ziel- wie todsicher.

Mit dem Dschungelkönig geht es los

»Ganz klar muss der eine einfach nachlegen, wenn der andere eine größere Rakete hat«, knöpft sich Bernd Gieseking spitzbübisch das infantile wie spätpubertäre Macho-Gehabe der beiden Atomkofferträger vor. Dass Kim nur »ein großes dickes Kind sei«, bescheinigt ihm Gieseking im fiktiven Telefongespräch. Und setzt mit herrlicher Selbstironie einen drauf: »Wie ich«.

Dann doch lieber gleich den Dschungelkönig. Im Jahr 2017 ist US-Popsänger Marc Terenzi mit diesem Titel ausgezeichnet worden und stellte bei seiner Krönung klar: »These are the Regels and we must them halten.« »Irgendwie muss das zum Leitmotto des Jahres geworden sein«, philosophiert der gebürtige Mindener Gieseking. Denn viele der Ereignisse des abgelaufenen Jahres hätten sich genau danach gerichtet.

Gewollte Unordnung bei der Bahn

An diese gewollte Unordnung müsse sich gefälligst auch die Deutsche Bahn halten. Diese dürfe bloß nicht das gewohnte Fahrplanchaos plötzlich in eine geordnete Struktur bringen. »Man muss sich schließlich darauf verlassen können, dass der ICE auch 2017 nicht in Wolfsburg hält«, beharrt er auf lieb gewonnene Gewohnheiten. Und auch an den hohen Schadstoffausstoß der Dieselautos seien die menschlichen Körper so sehr gewöhnt, dass sie eine Veränderung vermutlich gar nicht verkraften würden.

Seit 24 Jahren tritt der inzwischen 59-Jährige mit seinem Jahresrückblick »Ab dafür!« auf. Giesekings Markenzeichen, mit denen er bei seinem politisch merklich vorgeprägten Publikum sicher punktet, ist dabei sein verschmitzter Witz und die fein ausbalancierte Mischung aus Komik, Sarkasmus und grotesker Logik.

Neue Rezepte für Maggi und Nutella

In der rund zweistündigen Show rekapituliert Bernd Gieseking aber nicht nur die Ereignisse des vergangenen Jahres, sondern nimmt auch die besten Schlagzeilen und Meldungen der Medien aufs Korn. Ganz weit oben auf der Skurrilitäts-Skala für 2017 stehen dabei definitiv die Meldung über die als Weltkriegsbombe getarnte Zucchini sowie die Änderungen der Rezeptur bei Nutella und Maggi. »Schließlich ist Maggi die Helene Fischer der Gewürzwelt und dementsprechend eine unsagbar wichtige Meldung wert.«

Vor allem aber das Spektakel um das Glockenspiel der Limburger Kirche hat nicht nur den Komiker fasziniert. In einer äußerst witzigen Gerichtsverhandlung stellt Gieseking diese juristische Farce nach. In der brüskiert sich eine klagende Veganerin über das »Fuchs, du hast die Gans gestohlen«, das im Glockenspiel ertönte. »Unzumutbar«, findet auch der Pointen-Jäger auf der Bühne, der den Wahnwitz des Szenarios mit dieser Einlage entlarvt.

Nicht endende wollende Sondierungen

Politische Themen dürfen bei seinem Jahresrückblick natürlich nicht fehlen. Alleine die Bundestagswahl mit den nicht enden wollenden Sondierungsgesprächen und Verhandlungen hat im Jahr 2017 viel Stoff für Giesekings Komik-Kalendarium geboten.

Nichtsdestotrotz könnte man meinen, die allermeisten Witze über Merkel und Co. schon zu Genüge gehört zu haben, sodass bei einigen politischen Thematiken auch beim Publikum hie und da die Lacher eher verhalten waren.

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