Lichttechnische Untersuchung zum tödlichen Fahrradunfall in Halle Gutachter hofft auf richtiges Wetter

Halle (WB). Der Prozess gegen einen jungen Versmolder wegen eines tödlichen Unfalls auf der Tatenhausener Straße wird wohl erst nach dem Sommer 2018 fortgesetzt. Das geht jetzt aus einem Schreiben des beauftragten Gutachters an das Haller Amtsgericht hervor.

Von Klaus-Peter Schillig
Der BMW wurde durch den Aufprall des Radfahrers schwer beschädigt. Auch dass soll nachgestellt werden.
Der BMW wurde durch den Aufprall des Radfahrers schwer beschädigt. Auch dass soll nachgestellt werden. Foto: Gabi Grund

Am 7. Juni 2016 gegen 23.25 Uhr war es auf der Tatenhausener Straße zu dem verheerenden Zusammenstoß gekommen. Ein 53-jähriger Radfahrer aus Halle war beim Überqueren der Fahrbahn in Richtung Rad-/Fußweg von einem damals 20-jährigen BMW-Fahrer aus Versmold erfasst worden. Der Haller war auf der Stelle tot.

Beim ersten Prozesstag vor dem Amtsgericht Halle am 29. Mai 2017 hatte Gutachter Ralf Otte von der Dekra bereits ausgeführt, dass der BMW deutlich schneller als mit den erlaubten 70 Stundenkilometern unterwegs gewesen sein muss. Das hatte auch Zeugen bestätigt. Der Anwalt des Angeklagten zog damals allerdings Details der Gutachten in Zweifel, das Amtsgericht gab deshalb erneute Gutachten in Auftrag.

Es soll dabei unter anderem der Aufprall noch einmal mit einem vergleichbaren Fahrzeug nachgestellt werden, um die Aufprallgeschwindigkeit möglichst genau ermitteln zu können. Zunächst aber soll Ralf Otte noch eine lichttechnische Untersuchung vornehmen. Dabei soll herausgefunden werden, wann der BMW-Fahrer den Radfahrer auf der Straße hätte sehen können. Dafür allerdings ist es nötig, dass der Mond sich in der gleichen Phase und Stellung befindet wie am Unfalltag. Dafür hat Otte schon drei passende Tage ermittelt: am 20. Januar, 18. Februar oder 18. März.

Passend zu den Mondphasen muss an diesen Tagen aber auch das Wetter passen. Am Unfalltag im Juni 2016 herrschte leichte Bewölkung. Und eine halbe Stunde vor Mitternacht immer noch eine leichte Dämmerung. Die Untersuchung wird nicht nur nach Augenschein vorgenommen, sondern mit entsprechenden Messinstrumenten untermauert. Sogar ein entsprechend gekleideter Radfahrer werde dann die Fahrbahn kreuzen. Die Tatenhausener Straße wird während der Untersuchung gesperrt werden müssen. Der Angeklagte hatte während der Verhandlung angegeben, der Radfahrer sei »wie aus dem Nichts« vor ihm aufgetaucht und er habe nicht mehr bremsen können.

Die Auswertung und die nachfolgende Nachstellung des Unfalls mit einem anderen Fahrzeug könnten wohl im ersten Halbjahr abgeschlossen werden, schätzt Otte. Dafür wird aber ein nahezu neuwertiges Auto zerstört.

Schon bei der Verhandlung gegen den jungen Bundeswehrsoldaten hatte der Gutachter seine Berechnungen vorgestellt. Aus den Schleuderweiten von Opfer und Fahrrad hatte sich laut Ralf Otte ergeben, dass der BMW bei der Kollision noch mindestens 90 Stundenkilometer schnell gewesen sein muss. Und das noch zugunsten des Angeklagten. »Ich gehe davon aus, dass es 100 Stundenkilometer waren«, antwortete Otte dem skeptischen Verteidiger. Vor dem Bremsen wäre das ein Tempo von bis zu 111 km/h.

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