Verteilstelle kehrt zurück ins Henry-Dunant-Haus – Kapazität für noch zehn Haushalte Tafel bittet wieder beim DRK zu Tisch

Von Klaudia Genuit-ThiessenHalle (WB). Die Gütersloher Tafel bittet künftig wieder im DRK-Zentrum »Henry-Dunant-Haus« zu Tisch. Kommenden Freitag werden die Empfänger der Verteilstelle Halle, die für ein Jahr zu Gast im Martin-Luther-Haus war, erstmals wieder an der Bismarckstraße versorgt. Ein Jahr war sie jetzt wegen der vorübergehend dort untergebrachten VKM-Kita »ausgelagert«.

Zum letzten Mal haben die Tafel-Ehrenamtlichen im Martin-Luther-Haus verteilt (von links): Marie-Luise Bornemann-Kulina, Gerhild Bathe, Waltraud Rothe, Marion Abel, Lilli Lange, Ulla Planteur und Geschäftsführerin Ruth Prior-Dresemann.
Zum letzten Mal haben die Tafel-Ehrenamtlichen im Martin-Luther-Haus verteilt (von links): Marie-Luise Bornemann-Kulina, Gerhild Bathe, Waltraud Rothe, Marion Abel, Lilli Lange, Ulla Planteur und Geschäftsführerin Ruth Prior-Dresemann.

Die zweite Haller Verteilstelle bleibt im katholischen Gemeindezentrum Oase. Dort können sich Neu-Interessenten übrigens montags zwischen 10 und 11 Uhr melden, wenn sie sich auf die Empfängerliste setzen lassen wollen. Lieselotte Colberg prüft dann wie vorgesschrieben, ob das, was die Bewerber nach Abzug der Miete tatsächlich noch im Portemonnaie haben, wenig genug ist. Bedürftigkeitsnachweis heißt das. Marie-Luise Bornemann-Kulina hofft, dass mehr Menschen den Mut finden, diese Hemmschwelle zu überwinden – ob alleinerziehende Mutter oder über 70 mit kleiner Rente. »Derzeit könnten wir noch zehn weitere Haushalte versorgen. Aber viele Bedürftige trauen sich einfach nicht, sich zu melden, wie wir wissen«, sagt sie,

Keine Almosen und keine Vollverpflegung

Schließlich bietet die Tafel keine Vollverpflegung, sondern bietet ein bisschen Hilfe zur Selbsthilfe. »Damit am Monatsende auch mal etwas Geld übrig bleibt, um etwas mit den Kindern zu unternehmen oder Anschaffungen außer der Reihe zu machen«, sagt Geschäftsführerin Ruth Prior-Dresemann. Schließlich verteile man keine Almosen. Die Geschäftsführerin: »Unser Angebot wird mit über einen Obolus finanziert, den die Empfänger bezahlen«.

Der beträgt für einen Erwachsenen 2,50 Euro. Für ein bis zwei Kinder sind 50 Cent zu zahlen, für drei bis vier Kinder ein Euro.

Die Gütersloher Tafel, die im vergangenen Jahr ihren 20. Geburtstag gefeiert hat, versorgt zurzeit etwa 3800 Personen im Kreis mit Lebensmitteln, aber auch Reinigungsprodukten, wie Ruth Prior-Dresemann sagt. Darunter ist beispielsweise der Joghurt, bei dem das Mindesthaltbarkeitsdatum näher rückt, aber auch eine krumme Gurke, die keinen Abnehmer gefunden hat, und das überproduzierte Brot.

50 Verteilstellen im Kreisgebiet

Ehrenamtliche Fahrer wie Harald Rehm aus Gütersloh transportieren die Sachen aus dem Zentrallager in Gütersloh, wo es auch Tiefkühl- und Kühlhäuser gibt, mit einem Fahrzeug der Tafel-Flotte zu einer der 50 Verteilstellen im Kreis. Ruth Prior-Dresemann: »Wir haben dort dann zeitnah alles durchgeguckt, ob es noch in Ordnung ist.«. In Gütersloh wird auch die Ware für die Ausgabestellen kommissioniert. Vor Ort legen die Helfer-Teams schließlich alles für die einzelnen Haushalte bereit. Auch das erfordert logistisch einigen Aufwand.

Die Verteilstelle Martin-Luther-Haus, wo derzeit neun Damen und ein Herr ehrenamtlich tätig sind, versorgt momentan 34 Einzelpersonen und Familien mit insgesamt 50 Kindern. Ähnlich viele sollen es in der zweiten Haller Verteilstelle bei Marlene Rammert sein.

Wenn Fahrer Harald Rehm und Tafel-Bufdi Franziska Spreyer freitags jedenfalls ihre Fracht im Martin-Luther-Haus abgeliefert haben, fahren sie keineswegs leer wieder zurück nach Gütersloh. »Ich habe heute im Jibi-Markt und im Lidl schon Molkereiprodukte und Obst abholt. Der Marktkauf und der Aldi folgen jetzt noch.«

»Wir brauchen jeden Monat zwischen 100 und 130 Tonnen Lebensmittel. Damit können wir dann mal mehr, mal weniger auf den Tisch bringen«, berichtet Ruth Prior-Dresemann.

Nach den Weihnachtstagen ist es jedenfalls eher mehr. Denn erfahrungsgemäß sind dann Saisonprodukte wie Adventskalender dabei – und manchmal sogar Entenbrust. Marie-Luise Bornemann-Kulina: »Die Kinder essen die Schokolade jetzt genauso gerne wie vor Weihnachten.«

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