Kirchenkreis Halle will Trägerverbund für seine 22 Kindertageseinrichtungen gründen Kita-Verwaltung bald unter einem Dach?

Altkreis Halle(WB). In den Kitas werden immer jüngere Kinder immer länger betreut. Die Anforderungen an Bildung und Dokumentation steigen, ebenso die Zahl der Mitarbeiter. Der Verwaltungsaufwand durch das Kinderbildungsgesetz (Kibiz) nimmt immer mehr Zeit und Raum ein. Die acht Gemeinden im Kirchenkreis Halle diskutieren deshalb in den nächsten Monaten über die Gründung eines Trägerverbundes für die Kindertagesstätten und damit über eine Professionalisierung der Verwaltungsfrage. Eine Frage, in der durchaus »Sprengstoff steckt«, wie Superintendent Walter Hempelmann weiß.

Von Klaudia Genuit-Thiessen
Arbeiten 22 Tageseinrichtungen für Kinder bald im Verbund? Marlene Ens, Nicolai Hamilton (Mitte) und Walter Hempelmann halten das für vernünftig.
Arbeiten 22 Tageseinrichtungen für Kinder bald im Verbund? Marlene Ens, Nicolai Hamilton (Mitte) und Walter Hempelmann halten das für vernünftig. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Bei der Kreissynode am Montag, 18. Juni, im Gemeindezentrum Rothenfelder Straße in Versmold stellt der Superintendent den Vorschlag vor. Bis zur Herbstsynode haben die Kirchengemeinden Zeit zu beraten. Eine sechsköpfige Arbeitsgruppe hat schon einmal eine Mustersatzung der Landeskirche auf den Kirchenkreis zugeschnitten sowie ein Formblatt für individuelle Nutzungs- und Finanzierungsverträge aufgestellt.

Die Gemeinden im Kirchenkreis sind Träger von insgesamt 22 Einrichtungen. In größeren Städten wie Halle unterhält die Kirche sogar vier Kitas und bildet mit einem Stamm von ca. 40 Mitarbeitern tatsächlich »ein kleines Unternehmen«, wie der Superintendent vorrechnet. »Wenn eine Erzieherin dann anderthalb Stunden mehr arbeiten will, ist das ein unglaublicher Verwaltungsaufwand für den Pfarrer, der sich nebenberuflich damit befasst, für Presbyterium und Verwaltung. Das fordert viel Kraft und fehlt an der Zeit, die für seelsorgerische Begleitung und religionspädagogische Arbeit aufgewendet werden kann«. In den vergangenen Jahren sei die Verwaltung rund um die Personalfragen mit oft befristeten Verträgen immer komplizierter geworden, sagt Nicolai Hamilton, der den TfK-Verbund im Arbeitskreis auch mit Fachberaterin Marlene Ens vorbereitet hat. Man müsse sich schon sehr gut auskennen, um alle Möglichkeiten auszuschöpfen. Dies könne eine professionelle Geschäftsführung gemeinsam mit einem Leitungsausschuss, in dem jede Gemeinde vertreten sei.

Da auch die personelle Ausstattung von Kitas betroffen ist, hofft der Superintendent, dass man auf politischer Ebene die Folgen der stetig steigenden Anforderungen ins Kalkül zieht. Bei den Personalkosten gebe es immer noch ein Defizit. Denn das Kibiz berücksichtige zwar eine Steigerung um sieben Prozent, tatsächlich seien die Tarife um 14,5 Prozent erhöht.

»Wir sind einer der letzten Kirchenkreise ohne Verbund«, unterstreicht Hempelmann. »Ich glaube, es ist richtig, das zu machen. Wir müssen nur aufpassen, dass wir die Gemeinden mitnehmen und den guten Kontakt behalten.«

Wenn es auch an dieser Brisanz fehlt – bei der Kreissynode stehen weitere spannende Punkte an. Für die (ambulante) Pflege-Arbeit der Diakonie ist es wichtig zu klären, wie man mit der Konfessionsfrage des Personals umgehen will. Zudem ist ein weiterer Pfarrstellenabbau geplant. Bekanntlich soll es ab Januar beispielsweise nur noch eine halbe Pfarrstelle in Künsebeck geben.

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