André Rieu spricht über seine Liebe zum Walzer – Konzert in Halle Rieu: »Mehr Musik – mehr Glück«

Halle (WB). Mehr als 35 Millionen verkaufte Tonträger, jährlich eine Million Konzertbesucher: André Rieu (65) ist der erfolgreichste Violinist der Welt. 2017 packt er seine Stradivari wieder aus und interpretiert Johann-Strauss-Walzer. Zu hören ist das auch bei seinem Auftritt am 10. Februar im Gerry-Weber-Stadion in Halle. Olaf Neumann hat mit An­dré Rieu gesprochen.

Der erfolgreiche Violinist André Rieu ist wieder auf Europatournee und gastiert auch im Gerry-Weber-Stadion in Halle. Der beliebte Holländer erreicht auch viele junge Zuhörer; Rieu glaubt an die verbindende Kraft seiner Musik.
Der erfolgreiche Violinist André Rieu ist wieder auf Europatournee und gastiert auch im Gerry-Weber-Stadion in Halle. Der beliebte Holländer erreicht auch viele junge Zuhörer; Rieu glaubt an die verbindende Kraft seiner Musik. Foto: dpa

Herr Rieu, 2016 spielten Sie in der ganzen Welt. Wie bereiten Sie sich auf Reisen vor?

André Rieu: Wir wechseln zwischen Tournee und Ruhephase. In meinem Orchester spielen junge Leute mit Kindern, und ich sorge dafür, dass wir selten länger als zwei Wochen am Stück unterwegs sind. Das ist mein Leben.

In der »Ruhephase« arbeiten Sie an neuen Platten?

Rieu: Ja, genau. Viele glauben, dass das Reisen anstrengend ist, aber auf Reisen ist Ferien, da ist alles geregelt. Ich brauche nur noch auf die Bühne zu springen und zu spielen. In der Zeit zu Hause aber muss geregelt werden, dass ich nächstes Jahr auch noch was zu spielen habe. Neue Platten, neue DVDs . . .

Können Sie mit dieser Verantwortung ruhig schlafen?

Rieu: Ich habe einen sonnigen Charakter. Okay, ich habe mich mal vertan: mit dem Nachbau von Schloss Schönbrunn. Damit bin ich pleite gegangen. Die Bank hat mich gerettet. Natürlich spüre ich eine Verantwortung, aber sie ist keine Last. Ich schlafe überall gut.

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Ich habe aus dem Bankrott gelernt.

André Rieu

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Sind Ihre Visionen immer noch so groß?

Rieu: Ich habe aus dem Bankrott gelernt und bin jetzt ruhiger geworden. Manche Vision ist in der Schublade gelandet. Unser Ziel ist, die Menschen mit Musik glücklich zu machen.

Müssen Sie noch viel üben?

Rieu: Natürlich übe ich noch, aber meine Stradivari packe ich zu Hause immer seltener aus. Ich bin bei unseren Tourneen mehr und mehr Dirigent.

Was bedeutet Ihnen Erfolg?

Rieu: Erfolg ist relativ. Ich bin immer noch derselbe, der ich war, bevor ich berühmt wurde. Wenn ich im Laden um die Ecke Spaghetti kaufe, bin ich derselbe Mensch, der abends auf der Bühne steht. Das macht einen Teil meines Erfolgs aus.

Sind Ihnen in der Schule die guten Noten zugeflogen?

Rieu: Absolut nicht. In einem Grundschulzeugnis steht: »André ist ein netter Junge mit einem großen Herz, aber viel Talent besitzt er nicht.« So hat man anfangs über mich gedacht. Auch meine Eltern haben lange nicht an mich geglaubt. Alles änderte sich, als ich meiner Frau Marjorie begegnete. Sie hat sofort an mich geglaubt. Auf einmal fing ich an, meine Träume zu verwirklichen.

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Die ›Rolling Stones‹ sind an mir vorbeigeganen.

André Rieu

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Waren Sie als Jugendlicher aufsässig?

Rieu: Nein, das war bei uns zu Hause nicht gestattet. Die »Rolling Stones« und die »Beatles« sind an mir vorbeigegangen. Es gab nur klassische Musik, mein Vater war Dirigent. Ich war ein braver Junge, der von schönen Frauen träumte. Das tue ich noch immer. (lacht)

Sie haben eine Zeit lang als Model gearbeitet . . .

Rieu: Ja, in meiner Studentenzeit. Ich sollte sogar Nacktmodell sein, aber das wollte ich nicht. Dann trat Marjorie in mein Leben und fragte mich, ob ich auch bezahlt würde. Ich antwortete ihr: »Das Geld für die letzten zehn Jobs bekomme ich noch.« Das habe ich mir dann geholt, damit war mein Job als Model vorbei.

Wie erklären Sie sich Ihre vielen jungen Zuhörer?

Rieu: Es liegt wohl an der Art und Weise, wie wir Musik spielen. Man hört, was dahintersteckt. Schwer zu erklären. Ich versuche, etwas Schönes draus zu machen. Das geht den Menschen ans Herz.

Was bedeutet es, altmodisch zu sein?

Rieu: Manchmal denke ich, ich bin eine Reinkarnation von Johann Strauss, weil ich so gerne seine Walzer spiele, haha. Gleichzeitig lebe ich gerne in der Gegenwart und bin neugierig, was wir Menschen von unserer Erde übrig lassen.

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Ich sehe jeden Abend in glückliche Gesichter.

André Rieu

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Wie blicken Sie in die Zukunft?

Rieu: Optimistisch. Aber wenn wir alle mehr Musik hören würden, dann würde es schneller gehen mit dem Glück in der Welt.

Was macht die Musik mit uns?

Rieu: Ich bin kein Gehirnforscher, aber es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Babys besser wachsen und glücklicher sind, wenn sie längere Zeit Mozart hören. Ich sehe jeden Abend in glückliche Gesichter. Es gibt Fälle, dass Leute aus ihrem Rollstuhl aufstehen und mittanzen. Musik spendet unglaublich viel Energie.

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