Heute vor zehn Jahren schlug Orkan Kyrill vor allem im Staatswald zu Millionenschäden im Wald, aber Artenvielfalt ist gewachsen

Halle (WB/SKü). Der wirtschaftliche Schaden, den der Orkan Kyrill heute vor zehn Jahren im Staatswald rund um die Ravensburg in Pium verursacht hat, war der höchste im ganzen Altkreis Halle. Auf etwa eine Million Euro summierten sich hier die Holzschäden. Andererseits: Kyrill hat mit seiner Zerstörung auch für eine größere Artenvielfalt gesorgt.

Die zerstörerische Kraft von Orkan Kyrill am 18. Januar 2007 ist für viele Menschen ein Schock. Am Schloss Brincke in Pium stürzte ein tonnenschwere Platane auf das Dach eines Fachwerkhauses. Die Bewohnerin hatte riesiges Glück, sie blieb unverletzt.
Die zerstörerische Kraft von Orkan Kyrill am 18. Januar 2007 ist für viele Menschen ein Schock. Am Schloss Brincke in Pium stürzte ein tonnenschwere Platane auf das Dach eines Fachwerkhauses. Die Bewohnerin hatte riesiges Glück, sie blieb unverletzt. Foto: Stefan Küppers

So hat ein Monsterorkan eben zwei Seiten. Die wirtschaftliche lässt sich gut in Zahlen ausdrücken: Etwa 1200 Hektar ist das Staatswald-Revier rund um die Burg Ravensberg groß. In 40 Hektar Wald ging der Sturm so verheerend rein, dass insbesondere Fichten und Douglasien flächendeckend umgeweht wurden.

»Doch fast ebenso schlimm waren die Folgeschäden durch starken Borkenkäfer-Befall«, erläutert Förster Carsten Bölts. In den Tothölzern konnte sich der Borkenkäfer in warmen Frühjahren extrem vermehren und befiel Bäume auf weiteren etwa 35 Hektar. In der Summe wurden auf 75 Hektar rund 35.000 Kubikmeter Holz vernichtet. »Soviel regulären Holzeinschlag haben wir in diesem Revier sonst in einem Zeitraum von drei Jahren«, verdeutlicht der Förster die Dimension.

Zu keinen Unfällen gekommen

Försterin Gabriele Lindemann vor einer Fläche, auf der Kyrill viele Fichten umgeweht hatte, und die in den vergangenen Jahren einer Naturverjüngung überlassen worden war. Foto: Stefan Küppers

In Halle und Werther waren die Schäden geringer. »Im Haller Revier hatten wir 6000 Kubikmeter Schadholz«, hat Förster Johannes-Otto Lübke knapp 200.000 Euro Schaden hochgerechnet.

Seine Kollegin Gabriele Lindemann, die als Försterin 400 private Waldbauern in Borgholzhausen und Versmold auf 2000 Hektar betreut, hat seinerzeit einen Holzschaden von 14.000 Kubikmeter oder umgerechnet eine halbe Million Euro errechnet. »Dieser riesige Windwurf im Wald war für uns eine so bislang unbekannte Herausforderung«, erinnert sich die Försterin an das Chaos der ersten Tage. Und sie ist auch in der Rückschau heilfroh, dass es trotz der gefährlichen Lage zu keinen Unfällen gekommen ist.

Um die Preisverluste in den privaten Wäldern etwas abzufedern, wurde das vernichtete Holz aus dem staatlichen Forst zunächst in Trockenlager verbracht, bevor es mit deutlichem zeitlichem Abstand verkauft wurde, erinnert sich Carsten Bölts. »Der Preis für Fichte war seinerzeit auf etwa die Hälfte des Normalpreises gesunken«, erklärt er. Etwa zwei Jahre dauerte Bölts zufolge die Aufarbeitung von Kyrill, weitere drei Jahre die Borkenkäfer-Plage.

Naturkatastrophe als Chance genutzt

Doch so schlimm die Folgen waren, die Naturkatastrophe wurde auch als Chance genutzt, verdeutlichen sowohl Carsten Bölts als auch Gabriele Lindemann. »Wir haben jetzt die Strukturvielfalt erhöht«, verweist Bölts auf die stärkere Durchmischung verschiedener Baumarten und Altersklassen auf den Anbauflächen. Auch Gabriele Lindemann sieht, dass nach dem Orkan gute Lösungen für standortgerechte Aufforstungen gefunden wurden.

Carsten Bölts findet es spannend zu beobachten, wie der Naturhaushalt nach der Katastrophe sich selbst geholfen hat. Zwar seien durch den starken Windwurf viele Höhlenbrüter wie zum Beispiel der Specht oder auch Greifvögel wie Kauz, Mäusebussard und Habicht verdrängt worden. Gleichzeitig sei das große Biotop strukturreicher geworden, denn für Rehe, Damwild oder Wildschweine habe es durch den Windwurf ideale Deckungen gegeben. Und auch wärmeliebende Tiere wie Schmetterlinge und Lurche hätten von Kyrill profitiert. Bölts: »Wo Licht und Wärme sind, da wächst die Artenvielfalt.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.