Firma Wiltmann erhält 10. Sozial-Oscar für Engagement zur beruflichen Integration Mit dem Kollegen sogar zum Hausarzt

Versmold (WB). In Ostwestfalen prahlt man nicht mit Preisen und Auszeichnungen, ist Dr. Ingmar Ingold überzeugt. Der neue Geschäftsführer der Firma Wiltmann weiß aber auch, dass man eine gute Tat nicht verschweigen darf – auch wenn man hierzulande auch gern tief stapelt. »Die Verleihung des Sozial-Oscar hat auch einen Vorbildcharakter und kann andere Unternehmen ermutigen.«

Von Klaudia Genuit-Thiessen
In der Miele-Lehrlingswerkstatt ist der Sozial-Oscar entworfen, gefertigt und graviert worden. Karin Miele, die Schirmherrin der Gütersloher Stiftung, hat sich ein Bild vom Betrieb in Peckeloh gemacht. Unser Bild zeigt sie mit den Wiltmann-Geschäftsführern (von links) André Behrmann, Dr. Ingmar Ingold, Horst Wilke (Sozialer Dienst), Dr. Ulrich Kemper, Wiltmann-Verwaltungsleiter Jürgen Aschentrup, Personalchef Heinrich Ostlinning sowie Judith Schmitz, Leiterin der Abteilung Soziales beim Kreis Gütersloh.
In der Miele-Lehrlingswerkstatt ist der Sozial-Oscar entworfen, gefertigt und graviert worden. Karin Miele, die Schirmherrin der Gütersloher Stiftung, hat sich ein Bild vom Betrieb in Peckeloh gemacht. Unser Bild zeigt sie mit den Wiltmann-Geschäftsführern (von links) André Behrmann, Dr. Ingmar Ingold, Horst Wilke (Sozialer Dienst), Dr. Ulrich Kemper, Wiltmann-Verwaltungsleiter Jürgen Aschentrup, Personalchef Heinrich Ostlinning sowie Judith Schmitz, Leiterin der Abteilung Soziales beim Kreis Gütersloh. Foto: K. Genuit-Thiessen

Die Franz Wiltmann GmbH & Co. KH aus Versmold hat den 10. Sozial-Oscar überreicht bekommen – ein Preis für geradezu modellhaftes Engagement. Die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung wird gemeinsam vom Kreis Gütersloh und der Gütersloher Stiftung für psychisch kranke und geistig behinderte Menschen ausgeschrieben.

Der Wurst- und Schinkenhersteller aus Peckeloh erfüllt nicht nur die Schwerbehindertenquote und beschäftigt mehrere psychisch kranke und geistig behinderte Menschen im rund 800 Mitarbeiter zählenden Betrieb. Menschen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt so gut wie keine Chance hätten. Als hauptberuflicher sozialer Ansprechpartner kümmert sich Horst Wilke insbesondere in Fällen von Alkohol- und Drogenmissbrauch sowie Spielsucht um die Kollegen. Der ehemalige Betriebsratsvorsitzende genießt das besondere Vertrauen der Belegschaft. Bei den ersten Anzeichen schon sucht Wilke das Gespräch mit dem Betroffenen und zeigt Auswege auf. Er unternimmt sogar Arztbesuche gemeinsam mit dem Mitarbeiter und vermittelt Kontakt zu Suchtberatungsstellen.

»Wir haben eine Betriebsvereinbarung: erst helfen, bevor man sanktioniert«, sagt der Mann vom Sozialen Dienst. Die Gewissheit, den Arbeitsplatz nicht zu verlieren und in das Unternehmen zurückkehren zu können, gebe den Betroffenen Sicherheit und motiviere sie, Therapie und Rehabilitationsmaßnahmen anzunehmen. Horst Wilke: »Regelmäßige Alkoholtests zu bestehen erfüllt einen Suchtkranken auch mit einem gewissen Stolz und motiviert.«

»Für Psychisch Erkrankte ist Arbeit etwas ganz Besonderes. Eine Aufgabe in einem normalen Umfeld zu erfüllen ist gut für das Selbstwertgefühl, sorgt für Sozialkontakt, Tagesstruktur und Ablenkung«, betont Dr. Ulrich Kemper. Für den Vorsitzenden der Gütersloher Stiftung ist das Peckeloher Unternehmen ein Beispiel für »best practise« – besonders in Zeiten mit steigender Arbeitsbelastung. Dr. Kemper: »Die Lebensmittelindustrie ist ja nicht gerade als Schonbranche bekannt. Aber wenn man so etwas anpacken will, geht das auch. Das macht anderen Betrieben Mut.«

Den Sozial-Oscar erhält Wiltmann auch für weitere vorbildliche Bausteine: Dazu zählen die Wiedereingliederung von Mitarbeitern nach längeren psychischen Erkrankungen sowie die Zusammenarbeit mit der Münsterland-Klinik in Bad Rothenfelde. Mehr als 100 »Wiltmänner« haben dort an einem präventiven Programm zum Erhalt der Arbeitskraft teilgenommen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.