Friedrich Wilhelm Krüger ist Geschäftsführer von »Westfälisch genießen« Hesselner macht Appetit auf Heimat

Halle (WB). »Zu Weihnachten ist das mein besonderer Sport«, erzählt Friedrich Wilhelm Krüger. Er ist dafür zuständig, die Gans zu besorgen und zuzubereiten. Wird wohl gelingen, denn der Marketing-Mann aus Hesseln ist die restliche Zeit des Jahres beruflich als Genießer unterwegs.

Von Klaus-Peter Schillig
Geschäftsführer Friedrich Wilhelm Krüger (Mitte) mit zwei Spitzenköchen aus dem Altkreis Halle: Auch Stefan Breidenbach (links) aus Barnhausen und Jörg Haskenhoff aus Künsebeck engagieren sich für »Westfälisch genießen«.
Geschäftsführer Friedrich Wilhelm Krüger (Mitte) mit zwei Spitzenköchen aus dem Altkreis Halle: Auch Stefan Breidenbach (links) aus Barnhausen und Jörg Haskenhoff aus Künsebeck engagieren sich für »Westfälisch genießen«. Foto: Wolf Kloss

»Entdecke, was in Westfalen steckt« war vor 30 Jahren der Werbespruch des Gütersloher Fleischwaren-Produzenten Marten. Dorthin war Friedrich Wilhelm Krüger gerade vom Steinhäger-Produzenten H.C. König als Marketingleiter gewechselt und bekam den Auftrag, einen »Verein zur Förderung und Erhaltung der westfälischen Küche« ins Leben zu rufen.« Er ist seitdem Geschäftsführer, hat mittlerweile 28 Gastronomen aus ganz Westfalen mit ins Boot geholt und hat den Vereinsnamen mittlerweile erstens verkürzt und zweiten zu einem Markenzeichen gemacht: »Westfälisch genießen«.

Zwischen Rahden im Norden und Siegen im Süden, zwischen Vörden im Osten und Bocholt im Westen arbeitet der 60-jährige Marketing-Experte mit den Spitzenköchen der Region permanent daran, »aus heimischen Produkten neue Rezepte zu entwickeln – nicht mehr den Grünkohl wie bei Oma.« Die Mitgliedsbetriebe seien aufgefordert, kreative Ideen zu entwickeln. Das Essen solle ein bisschen leichter werden, mit neuen Zutaten. Dazu gehört auch, das Fett deutlich zu reduzieren. Und dazu gehört, dass alle wesentlichen Zutaten frisch verarbeitet werden und auf Convenience-Produkte verzichtet wird. Da geht Westfalen auch schon mal ein bisschen fremd. Beispielsweise, wenn Jörg Haskenhoff aus dem Pappelkrug »Fish & Chips« auf Grünkohlsalat serviert oder Stefan Breidenbach aus dem Landgasthof Potthoff Oma Linas »Akrobatenpudding« mal ganz anders auf den Tisch bringt.

Alle gehören zur gehobenen Gastronomie

Die Rezepte stehen im dritten Buch, das Friedrich Wilhelm Krüger mit den Köchen auf den Markt gebracht hat: »Westfalen – Appetit auf Heimat«, in dem auch alle Betriebe vorgestellt werden. »Die gehören alle zur gehobenen Gastronomie – aber nicht zur abgehobenen«, charakterisiert der Hesselner seine Partner, mit denen er sich zweimal im Jahr zu Rück- und Ausblick in großer Runde zusammensetzt. Die Ostwestfalen sind da deutlich in der Mehrheit, Haskenhoff und Breidenbach sind die einzigen aus dem Altkreis Halle.

Natürlich macht auch ein Problem vieler Betriebsinhaber vor den Gastronomen nicht halt: Nachwuchsmangel und die Suche nach einem Nachfolger. Friedrich Wilhelm Krüger und sein Team haben deshalb einen Wettbewerb für die Koch-Auszubildenden ausgeschrieben. »Die nächste Generation, die die Küchen übernimmt, soll schon früh einen Bezug zu ›Westfälisch genießen‹ bekommen«, sagt der Geschäftsführer.

Der ist übrigens nicht nur in Westfalen genießerisch unterwegs, sondern hat mit Sitz in Güstrow eine ähnliche Vereinigung unter dem Titel »So schmeckt Mecklenburg-Vorpommern« ins Leben gerufen und sie bis Mitte 2016 begleitet. Außerdem laufen schon Vorgespräche, um auch in Niedersachsen so etwas auf die Beine zu stellen.

Förderung der westfälischen Küche

»Westfälisch genießen« ist am 20. Februar 1990 als »Verein zur Förderung und Erhaltung der westfälischen Küche« in Gütersloh gegründet worden. Vorsitzender ist Harald Peters, sein Stellvertreter Albert Detmers, Geschäftsführer ist Friedrich Wilhelm Krüger. Fördernde Mitglieder sind die Gütersloh Fleischwaren GmbH (Marten), die Bäckerei Mestemacher (beide aus Gütersloh), Mineralquellen Wüllner aus Bielefeld und die Warsteiner Brauerei. Der Verein betreibt die Öffentlichkeitsarbeit, kürt unter anderem das Restaurant des Monats, entwickelt westfälische Kochbücher, präsentiert die westfälische Küche bei gesellschaftlichen Ereignissen oder entwickelt und publiziert mit den Spitzenköchen Rezeptideen.

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