Künsebecker Züchter liefert Fisch aus Warmwasserzuchtanlage Mit dem Wels nicht baden gegangen

Halle-Künsebeck (WB). Das Würzburger Traditionsrestaurant »Schiffbäuerin« serviert den Wels in einem Gemüsesud, gewürzt mit Senfkörnern, Dillsamen, Wacholder, Lorbeer, Nelken und Meerrettich. Der »Seeteufel aus dem Frankenland« ist eine Spezialität des Hauses. Er kommt aus Künsebeck – aus der einzigen Wels-Warmwasserzuchtanlage in Nordrhein-Westfalen.

Von Klaudia Genuit-Thiessen
Feinschmecker schätzen das grätenfreie Fleisch des Welses, der in süddeutschland auch Waller genannt wird- in stattliches Exemplar haben Brigitte und Ulrich Schulte aus einem Becken ihrer Warmwasserzuchtanlage geholt
Feinschmecker schätzen das grätenfreie Fleisch des Welses, der in süddeutschland auch Waller genannt wird- in stattliches Exemplar haben Brigitte und Ulrich Schulte aus einem Becken ihrer Warmwasserzuchtanlage geholt Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

»Wir beliefern die ›Schiffbäuerin‹ jede Woche«, berichtet Ulrich Schulte (59). Vor 22 Jahren hat der Landwirt vom Hof Im Hagen seine Zukunft auf den Süßwasserfisch aufgebaut, der in Süddeutschland auch Waller genannt wird. Inzwischen wissen seine Frau Brigitte (57) und er: Sie haben es richtig gemacht mit ihrer Fischzucht.

Das Ehepaar vermarktet inzwischen 32.000 Kilogramm Europäischen Wels im Jahr. Angefangen hat es mal mit 8000 Kilogramm – als Nebenerwerb. »Beim Generationswechsel auf unserem Hof habe ich damals ein zweites Standbein gesucht«, berichtet der Künsebecker. Den Umgang mit dem Fisch, mit Wasserbiologie und -chemie sowie Vermarktung musste er damals lernen. Er hat natürlich Lehrgeld gezahlt. Schulte: »Aber einen Totalausfall hatten wir nie.« Die Zeiten von Milchkühen, Mastschweinen und -bullen auf dem Hof sind längst vorbei. Zwar ist Brigitte Schulte einmal unfreiwillig in einem Fischbecken baden gegangen. Aber der »Donauwaller« aus Künsebeck hat auch hierzulande seine Freunde gefunden. Er schmeckt frisch oder geräuchert, getrocknet oder gesalzen, klassisch paniert, gegrillt oder blau gekocht. Feinschmecker schätzen das grätenfreie, milde Fleisch voller ungesättigter Omega-3-Fettsäuren.

Lichtscheu und nachtaktiv

Es ist weiß und gehört zu einem lichtscheuen, weil nämlich nachtaktiven Gesellen, der seine Umgebung vor allem durch zwei große Seitenbarteln und vier Kinnbarteln erspürt. Das dadurch eher ernsthafte Aussehen des reinen Süßwasserbewohners hat leider seinen guten Ruf ein wenig angekratzt. Aber von einem Horrorfisch kann keine Rde sein. Auch wenn der Europäische Wels ein Raubfisch ist. Er ernährt sich von Insekten, Würmern, Schnecken und kleinen Fischen ernährt, verschmäht aber auch Wassergeflügel nicht. In Freiheit kann er bis zu 80 Jahre alt und dabei beachtliche drei Meter lang werden. 150 Kilogramm bringen solche stattlichen Exemplare durchaus auf die Waage. Noch heute erzählen die Haller Hobbyangler von einem fast 40 Kilo schweren Fisch, den sie erst nach langem Kampf aus dem Sandforther See gezogen haben.

Vor allem in Süd- und Ostdeutschland sitzen Schultes Kunden. Zumeist sind es direktvermarktende Fischzuchtbetriebe, die den Wels aus Künsebeck neben ihren eigenen Produkten anbieten und kleinere, regionale Verarbeitungsbetriebe. Auch kleine Edeka- oder Rewe-Märkte mit Fischtheke sind unter seinen Abnehmern – und natürlich verkauft er auch an Kunden aus dem Altkreis. Heimische Restaurants wie der »Pappelkrug«, der Gasthof Tatenhausen und Graf Bernhard« setzen ebenfalls gern einmal Künsebecker Wels auf ihre Speisekarte. Schließlich haben Regionalprodukte in der Küche immer mehr Zulauf, weiß Ulrich Schulte auch aus dem Verband der Fischzüchter und Teichwirte.

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