Abiturientinnen Greta Lechte und Loretta Loffredo wandern auf dem Jakobsweg Wir sind dann mal weg

Halle(WB). Wenn die Reiseapotheke vornehmlich aus Pflastern und Magnesium-Tabletten besteht, dann heißt das Ziel nicht unbedingt Cala Ratjada oder »Ballermann«. Greta Lechte und Loretta Loffredo haben sich für die Zeit nach dem Abitur etwas ganz anderes vorgenommen: Sie bezwingen den spanischen Jakobsweg.

Von Jan Dresing
Vor der Abreise: Greta Lechte (links) und Loretta Loffredo haben die Wanderung auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela vorab im Internet und mit Reiseführern grob geplant. 37 Tage werden die Abiturientinnen in Norden Spaniens unterwegs sein.
Vor der Abreise: Greta Lechte (links) und Loretta Loffredo haben die Wanderung auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela vorab im Internet und mit Reiseführern grob geplant. 37 Tage werden die Abiturientinnen in Norden Spaniens unterwegs sein. Foto: Dresing

Vor den beiden Freundinnen liegt ein etwa 800 Kilometer langer Weg durch den Norden Spaniens bis ins berühmte Santiago de Compostela. In deutsche Maßstäbe übersetzt, heißt das: Sie gehen von Hamburg bis nach München. Zu Fuß. »An einer Herausforderung wie dieser wachsen wir persönlich«, ist sich Loretta sicher. »Ich habe zwar Respekt vor der Strecke, freue mich allerdings, einfach drauf loszulaufen.«

Vorab haben sie sich grob im Internet informiert. Welche Wander-Routen gibt es? Wo kann man übernachten? Allzu sehr wollten sie bei der Planung jedoch nicht ins Detail gehen. »Ich möchte meine eigenen Erfahrungen machen«, sagt Greta.

Im Morgengrauen ging es für beide um 5 Uhr aus Halle los. Von Frankfurt aus flogen sie über Stockholm ins baskische Biarritz. »Das war die günstigste Alternative«, sagt Greta und muss selbst ein wenig über den Umweg schmunzeln. Nach einer Nacht in der französischen Stadt am Atlantik ging es mit dem Zug nach Saint-Jean-Pied-de-Port, dem Ausgangspunkt für den bekannten Hauptweg des Pilgerpfads.

Dort, in den steinigen Pyrenäen, begann gleichzeitig der beschwerlichste Teil der Reise. Deswegen haben die Abiturientinnen, die seit der 7. Klasse befreundet sind, nur leichtes Reisegepäck dabei. »Der Rucksack soll eigentlich nur ein Zehntel des Körpergewichts wiegen«, sagt die 17-jährige Greta. Doch diese Marke ist schnell erreicht: kurze und lange Hosen, T-Shirts, Tops oder Waschzeug. Dazu Isomatte und Schlafsack sowie ein Regencape, was sich gerade in den ersten Tagen der Tour als nützlich erweisen sollte.

Mit im Gepäck ist auch der Pilgerausweis: Ausgestellt von der Gemeinde Santiago de Compostela sammelt man in ihm Stempel aus Kirchen oder Herbergen. Und am Ende bekommen die Pilger nach Vorlage eine Urkunde, die bestätigt, dass man den Jakobsweg gelaufen ist. Doch der Pass ist mehr als ein Andenken: »Wir brauchen ihn auch, um in den Pilgerherbergen übernachten zu können«, betont Greta.

Genauso wichtig wie der Pass ist das Smartphone, auch um mit den Eltern in Kontakt zu bleiben. »Wir sollen uns regelmäßig zu Hause melden«, sagt Loretta, die fließend Spanisch spricht. Ihre Mutter stammt aus Kuba, deswegen ist die 18-Jährige zweisprachig aufgewachsen. »Es ist wichtig, dass wir immer zusammen bleiben. So können wir uns gegenseitig unterstützen«, betont sie.

Die ersten Kilometer haben die Freundinnen aus Halle bereits erfolgreich hinter sich gebracht. Insgesamt sind sie 37 Tage unterwegs. 32 davon wollen sie Wandern, die restlichen fünf sind als Puffer eingeplant. Vor ihnen liegt also noch ein langer Weg. Doch Loretta sagt voller Überzeugung: »Wenn man sich jetzt nicht die Zeit dafür nimmt, den Jakobsweg zu wandern, kann man es wahrscheinlich nie machen.«

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