Eichhörnchen aus Halle wird in Wildtierstation aufs Leben in der Natur vorbereitet »Chip« zieht nach Bottrop

Halle (WB). Die Geschichte von »Chip«, dem Eichhörnchen , ist um eine Wendung reicher: Nachdem Familie Pohlmann aus Halle fest entschlossen war, das verwaiste Jungtier aufzuziehen, hat sie sich nun doch an eine Expertin gewandt.

Von Jan Dresing
»Chip« wächst in Bottrop auf.
»Chip« wächst in Bottrop auf. Foto: Privat/Karsten Pohlmann

Erst am Montag war das Eichhörnchen zu seiner Pflegefamilie zurückgekehrt, nachdem ein Bussard wohl seine Mutter gerissen hatte. Jetzt wurde das Kleine in eine Wildtierstation gegeben. Auf Facebook bekam Karsten Pohlmann den Rat, sich an Annette Paulsen aus Bottrop zu wenden. Seit sechs Jahren kümmert sie sich um tierische Findelkinder, vor allem um Eichhörnchen. Nach zwei Telefonaten mit der Fachfrau und einer kurzen Besprechung des Familienrats stiegen die Pohlmanns ins Auto und fuhren die 150 Kilometer ins Ruhrgebiet.

Expertin: »Eichhörnchen nie alleine großziehen«,

Annette Paulsen hat mehr als 400 Eichhörnchen gepflegt, zur Zeit leben zehn bei ihr. »Man darf Eichhörnchen nie alleine großziehen«, sagt die Ziehmutter. »Sie brauchen einander, um sich zu wärmen und das arttypische Sozialverhalten zu lernen.«

Sie betont, dass Findelkinder von Experten versorgt werden sollten. Denn Annette Paulsen weiß, wie schnell ehemals zahme Eichhörnchen die Pflegefamilien überfordern können: »Sie sind so lange zahm, wie sie die Hilfe des Menschen brauchen. Doch sie bleiben Wildtiere.«

Paulsen selbst betreibt die private Station ehrenamtlich. Eine harte Arbeit, die aus eigener Tasche finanziert werde: »Wildtierstationen sind darauf angewiesen, dass andere Menschen ihnen helfen«, erklärt sie.

Zweiter Abschied in kürzester Zeit

Noch wird »Chip« mit Nüssen und Aufzuchtmilch für Katzen ernährt. Doch Annette Paulsen ist optimistisch, dass er in etwa vier Wochen ausgewildert werden kann. In einer Voliere werden die jungen Eichhörnchen auf das Leben in der Natur vorbereitet. Für die Pohlmanns war es der zweite Abschied von »Chip« innerhalb kürzester Zeit. »Wir haben eine kurze, aber intensive Beziehung zu ihm aufgebaut«, sagt Karsten Pohlmann. »Doch mit Egoismus kommt man da nicht weiter. Es geht einzig um das Wohl des Tieres.« Und auch der Familienurlaub kann nun wieder angegangen werden: »Bis gestern stand unser Leben ganz schön auf dem Kopf. Doch jetzt fangen wir wieder mit der Planung an.«

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