Iraker will zurück Messer am Hals: Drama im Rathaus

Halle WB/(SKü). In der Haller Stadtverwaltung ist es am Montag zu einem dramatischen Zwischenfall mit einem Flüchtling aus dem Irak gekommen. Wie Hermann Bußmeyer, Abteilungsleiter im Sozialbereich, schildert, betrat der 27-jährige Mann aus dem Irak gegen 16.25 Uhr das Büro einer Flüchtlingsberaterin im Rathaus II an der Goebenstraße.

Das Haller Rathaus.
Das Haller Rathaus. Foto: Sarah Kalka

Der Mann war den Schilderungen zufolge sehr erregt und wirkte verzweifelt. Er forderte die sofortige Rückführung in sein Heimatland, hielt sich dabei ein verlängertes Küchenmesser an den Hals und drohte mit Selbsttötung, wenn ­seine Forderungen nicht erfüllt würden.

»Der Mann war völlig fertig und hat geweint. Es war dramatisch, aber er hat niemand anderen als sich selbst bedroht«, berichtet Hermann Bußmeyer. Er selbst habe noch versucht, den Mann dazu zu bewegen, das Messer wegzulegen. »Doch als ich versucht habe, mich auf ihn zuzubewegen, hat es nur signalisiert: Keinen Schritt weiter.«

Bußmeyer konnte jedoch unbehelligt die Polizei und den Rettungsdienst verständigen. Bußmeyer: »Die Polizeibeamten haben den Mann dann schnell mit Pfefferspray lahmgelegt und überwältigt.« Der Iraker, der seit 2015 in einer Unterkunft am Bahnhof lebt, wurde in die LWL-Klinik nach Gütersloh gebracht.

»Dieser Vorfall ist gut ausgegangen, aber hat uns im Rathaus auch wachgerüttelt. Wir wollen Vorkehrungen treffen, damit Mitarbeiter geschützt sind«, sieht der Abteilungsleiter Umstellungsbedarf.

Der genaue Hintergrund des Zwischenfalls ist noch nicht klar. »Am vergangenen Donnerstag haben wir erstmals von dem Iraker gehört, dass er zusammen mit einem anderen Iraker in sein Heimatland zurückkehren will. Aber so schnell können wir natürlich nicht reagieren«, sagt Bußmeyer. Wenn Papiere vorlägen, könne die Rückführung schnell gehen. Doch genau daran hapere es oft. Bußmeyer: »Es ist für mich manchmal nicht zu fassen, dass der Verbleib von Papieren, die die Flüchtlinge in Deutschland irgendwo abgegeben haben, nicht zu ermitteln ist.«

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