Die Gastronomie in der Stadt geprägt: Ernst Trusch ist im Alter von 83 Jahren gestorben Der Macher des Kultlokals

Halle (pes). Viele ehemalige Gäste und Kollegen, Freunde und die Familie trauern um Ernst Trusch. Der bekannte Haller Gastronom ist vergangenen Freitag im Alter von 83 Jahren gestorben.

Man darf »Ernesto«, wie ihn seine Bekannten nannten, mit Fug und Recht als Wirt mit Leib und Seele bezeichnen. Insgesamt 53 Jahre lang haben er und seine Frau Hanne am Klingenhagen ihre Gäste bewirtet. Der gebürtige Breslauer und Konditormeister überzeugte die Haller zunächst mit seinen süßen Leckereien in der 1957 eröffneten Konditorei, wenig später bittet das Ehepaar zum ersten Mal auch in den Barbara-Keller, der sich schnell zum Haller Kultlokal entwickelt.

Ernst Trusch hat es nämlich nicht mit den süßen Sachen, sondern versteht auch hinter der Bartheke sein fach. Er hat eine zweite Karriere als Barmixer in Bielefeld hinter sich, seit er für einen erkrankten Kollegen eingesprungen ist. »Ernesto« bringt es auch hier zu Ehren, wird Mitglied der Deutschen Barkeeper-Union und beherrscht mehr als die Klassiker »Manhattan« und »Sidecar«.

Prominenz im Barbara-Keller

Weil sich Barbetrieb bis spät in die Nacht und Konditorei auf Dauer rein schlaftechnisch nicht vertragen, satteln die Truschs nach der Geburt ihres dritten Sohnes um. Statt mit Torten, Kuchen und Pralinen beschäftigt sich der Selfmade-Koch fortan mit Fisch, Fleisch und Gemüse. Die »Schlemmerstuben« werden zum Treffpunkt für Liebhaber edler Meeresfrüchte und guter Steaks. Und eine Etage tiefer brummt nach dem Küchendienst das Haller Nachtleben. Hier legt Ernst Trusch sich mit seinem ganze Charme ins Zeug, ist eloquenter Geschäftsmann, Barkeeper und Discjockey in Personalunion. Und er erinnert sich später an viele Prominente, die in Halle oder der Umgebung zu Gast waren und bei ihm eingekehrt sind: bekannte Reiter, die in Steinhagen an den Start gegangen sind, der frühere Schalke-Manager Rudi Assauer oder Schlagerstar Michael Holm.

In Erinnerung bleibt Ernst Trusch allerdings nicht nur als Wirt, guter Koch und guter Gastgeber, sondern auch als Mitglied der Haller Vereine. Er war als Reiter für den damaligen ZRFV Steinhagen-Brockhagen und später für den Reit- und Fahrverein Halle aktiv, spielte für den TC Blau-Weiß Halle Tennis und eroberte in der Schützengesellschaft Halle sogar den Thron.

Bis über den 80. Geburtstag hinaus hat er noch regelmäßig samstags den Barbara-Keller geöffnet und seine Gäste in den Schlemmerstuben bewirtet. Ende Juli 2013 war Schluss, das Haus am Klingenhagen wurde verkauft und ist jetzt eine Zahnarztpraxis.

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