19-Jährigem können Farb-Attacken auf altes Denkmal nicht nachgewiesen werden Sprayer kommt vor Gericht davon

Halle (WB/SKü). Eine Sprayer-Attacke auf das bekannte und beliebte Haller Baudenkmal »Kaffeemühle« bleibt zum wiederholten Male ungesühnt. Einem 19-jährigen konnte das Haller Amtsgericht am Montag die Tat trotz vieler belastender Indizien nicht nachweisen. Das Verfahren wurde eingestellt.

Beliebter Ausflugsort für Kulturinteressierte: Das Baudenkmal »Kaffeemühle« wurde vor 220 Jahren gebaut. Den alten Pavillonbau hat der Kaufmann Hermann Hagedorn als Mittelpunkt eines damaligen Landschaftsparks errichten lassen.
Beliebter Ausflugsort für Kulturinteressierte: Das Baudenkmal »Kaffeemühle« wurde vor 220 Jahren gebaut. Den alten Pavillonbau hat der Kaufmann Hermann Hagedorn als Mittelpunkt eines damaligen Landschaftsparks errichten lassen.

Die massiven Sprüh- und Sprayattacken sind mutmaßlich in der Nacht vom 28. auf den 29. Mai 2015 erfolgt. Der 220 Jahre alte Pavillonbau, der von dem Kaufmann Hermann Hagedorn als Mittelpunkt eines damaligen Landschaftsparks errichtet worden war, ist bereits mehrfach in den vergangenen Jahren von Vandalismus und Graffiti-Sprayern geworden.

Diesmal jedoch schien eine Bestrafung von Verantwortlichen nahe. Denn »Kommissar

So sieht das Geschmiere an den historischen Mauern aus.

Zufall« und die öffentliche Äußerung einer jungen Hallerin auf Facebook führten die Polizei zu einem Verdächtigen aus Halle, bei dem viele Umstände auf seine Täterschaft hindeuteten.

Auf der Anklagebank saß ein 19-jähriger Haller, der die russische Staatsbürgerschaft hat. Ihm wurde vorgeworfen, die Natursteine des Baudenkmals mit bitumenähnlichen Stoffen beschmiert und beschädigt zu haben. Die Reinigungskosten, für die die Stadt als Besitzer des Denkmals aufkam, betrugen 1750 Euro. Zudem sei ein optischer Schaden nach der Reinigung aufgetreten, so der Vertreter der Staatsanwaltschaft.

Verraten über Facebook

Polizeibeamte hatten den jungen Mann in seiner Wohnung besucht, nachdem dessen frühere Freundin in dem Facebook-Forum »Wenn du aus Halle kommst...« ein Bild von den Schmierereien an der Kaffeemühle öffentlich mit den Worten kommentiert hatte: »Ich weis wer das war und finde das Graffiti genial«. Ergänzt wurde der Kommentar durch weitere sechs Smilies. Die Polizei fragte bei der jungen Dame nach und fand bei dem 19-jährigen in dessen Wohnung einige der Motive, die auch auf der Kaffeemühle zu sehen waren.

Doch der junge Angeklagte wies alle Anschuldigungen von sich. Zwar habe er in der Tat vor Jahren das sogenannte Tag (eine Art Erkennungszeichen) BGAB erfunden. Doch das sei er nicht alleine gewesen, vielmehr hätten auch Freunde von ihm damals mitgewirkt. Er habe auch nie außerhalb seiner Wohnung gesprayt, vielmehr habe er diese Tags nur auf Papierblättern mit Stiften gemalt, was Richter Jan Intrup als »ungewöhnlich« bezeichnete. Die Qualität der Schmierereien an der Kaffeemühle kommentierte der Angeklagte mit den Worten: »Bei mir sieht das alles ein bisschen besser aus.« Zu dem Umstand, dass auf den Schmierereien an der Kaffeemühle an einer Stelle sogar sein russischer Vorname auftaucht, sagte er: »So künstlerisch wie dort schreibe ich meinen Namen gar nicht.«

Schon wieder beschmiert

An der Kaffeemühle sind in diesem April wieder große Schmierereien aufgetaucht. Manfred Höhle, der für die Firma OHT aus Bad Rothenfelde tätig ist, wird die Verunzierungen in diesen Tagen wieder entfernen. Am Montag war er als Zeuge vor Gericht geladen. Seine Aussage wurde nicht mehr gehört.

Zeuge hat »eigene Probleme«

Das Gericht vernahm schließlich noch zwei Zeugen. Ein 18-jähriger Heranwachsender aus Bad Rothenfelde, der zum fraglichen Zeitpunkt zeitweise bei dem Angeklagten wohnte, gab sich weitgehend ahnungslos. Dieser Zeuge stand nämlich aufgrund anderer Aussagen im Verdacht, selbst andernorts in Halle Graffiti gesprüht zu haben. Nein, dafür habe er gar kein Händchen, teilte er dem Gericht mit.

Auf den Hinweis des Vertreters der Staatsanwaltschaft, er dürfe als Zeuge nicht lügen, sagte er: »Es tut mir leid, ich würde Ihnen gerne weiterhelfen, aber ich habe meine eigenen Probleme.«

Alle haben Erinnerungslücken

Die 19-jährige Hallerin, die mit ihrem Facebook-Kommentar die Ermittlungen überhaupt erst in Gang gesetzt hatte, gab verschiedene Erklärungen ab, warum sie ihren Ex-Freund als Urheber vermutet habe. Aber nein, sie habe ihn seinerzeit niemals irgendwo sprühen sehen. Auf drängende Nachfragen der Anklagevertretung und Hinweise auf die Strafbarkeit von Falschaussagen kamen mehrere »Ich weiß nicht«-Antworten. Das Gericht kam einfach nicht weiter.

Am Ende schlug die Staatsanwaltschaft eine Einstellung des Verfahrens vor, wobei der Angeklagte aber seine eigenen Anwaltskosten zu tragen hat. So entschied auch das Gericht. Der Anklagevertreter hielt die Erhebung eines Schriftgutachtens durch einen Experten in diesem Fall für nicht verhältnismäßig.

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