Nur 350 Meter auseinander und doch verschieden: Abweichende Verkehrsregeln am Künsebecker Weg Die Tücken mit dem Kreisverkehr

Halle(WB). Sie sind gleich nacheinander gebaut worden, liegen nur 350 Meter auseinander, sind beide rund aber dennoch ganz verschieden. Die beiden Kreisverkehre am Künsebecker bergen für Radfahrer und Fußgänger echte Tücken, denn es gelten ganz unterschiedliche Verkehrsregeln.

Von Klaus-Peter Schillig
Der Kreisverkehr im Kreuzungsbereich von Künsebecker Weg und Wiesenstraße. Hier sind Zebrastreifen an den Aufmündungen auf die Fahrbahnen gemalt, Fußgänger und Radfahrer haben beim Überqueren Vorrechte.
Der Kreisverkehr im Kreuzungsbereich von Künsebecker Weg und Wiesenstraße. Hier sind Zebrastreifen an den Aufmündungen auf die Fahrbahnen gemalt, Fußgänger und Radfahrer haben beim Überqueren Vorrechte. Foto: Ulrich Fälker

An dem einen gibt es Zebrastreifen und eine Furt für Radler, an dem anderen ist gar nichts auf die Fahrbahn gepinselt. Das hängt mit ihrer Lage zusammen, erläutert Eckhard Hoffmann, Leiter der Tiefbauabteilung bei der Stadt Halle. Denn der Kreisverkehr an der Ecke Künsebecker Weg und Wiesenstraße liegt innerhalb der geschlossenen Ortschaft, der an der Ecke Neulehenstraße schon außerhalb. »Die Stadt hätte gern das Ortseingangsschild entsprechend verlegt.« Das ist beim Straßenverkehrsamt des Kreises Gütersloh aber noch abgelehnt worden. Vielleicht klappt es ja, wenn auch das neue künftige Wohngebiet nördlich des Künsebecker Weges bebaut ist.

Polizeihauptkommissar Uwe Ahlemeyer ist zufrieden: die Radfahrerin schiebt. Foto: Schillig

Deshalb müssen die Radler vor allem am Kreisverkehr an der Neulehenstraße höllisch aufpassen. Hier haben nämlich fast immer die Autos Vorfahrt. Hier gibt es zwar ebenfalls abgesenkte Bordsteinkanten, um Radlern und Rollstuhlfahrern das Überqueren der Fahrbahn zu erleichtern. Aber es gibt keine Zebrastreifen. Radler und Fußgänger müssen den Verkehr auf der Straße passieren lassen.

Am Kreisverkehr 350 Meter weiter stadteinwärts sieht das ganz anders aus, wie Polizeihauptkommissar Uwe Ahlemeyer vor Ort erläutert. Hier kommen sogar noch Besonderheiten hinzu:

Für Fußgänger sind an allen vier Aufmündungen – eine führt später in die neue Siedlung – Zebrastreifen auf die Fahrbahn gemalt. Klarer Fall: Autos müssen warten. Daneben ist noch eine Furt für Radfahrer gekennzeichnet. Die ist aber, sagt Uwe Ahlemeyer, verkehrsrechtlich (noch) nicht gültig. »Die Furt gilt nur, wenn auch ein Radfahrer-Piktogramm auf die Furt aufgetragen ist«, sagt Ahlemeyer. Ansonsten müssen die Radler absteigen und ihr Fahrrad über die Straße schieben.

Sicher auf der Fahrbahn

Auch der nur auf einer Fahrbahnseite angelegte Radweg macht es kompliziert: Der ist für die Radler nur ein Angebotsweg. »Man muss ihn nicht benutzen, sondern kann auch auf der Fahrbahn fahren«, erläutert der Haller Polizeibeamte. Man könne also durch den Kreisverkehr radeln. Wenn sich auch die Autofahrer dann an die Regeln halten, eine sichere Sache: »Durch die Abstandsregeln dürften Autos die Radler nicht überholen«, sagt Ahlemeyer, denn dafür sind die Fahrbahnen zu eng. Zu einem Radfahrer muss ein Abstand von 1,50 Meter eingehalten werden, bei Kindern oder Müttern mit Kindersitz müssen es sogar zwei Meter sein. Da könnte man nur überholen, wenn man – verbotenerweise – die Mittelinsel überfährt, zu der auch der durch eine dicke weiße Linie abgetrennte Bereich gehört.

Ansonsten gelten die gleichen Regeln, als wenn nur Autos im Kreisverkehr unterwegs wären: auch ein Radler hat im Kreisverkehr Vorfahrt vor einfahrenden Autos, muss beim Ausfahren die Richtung anzeigen, muss Fußgänger auf einem Zebrastreifen den Vorrang lassen. Man darf nur gegen den Uhrzeigersinn fahren und im Kreisverkehr auch nicht anhalten.

Kommentare

Andere StVO in Halle?

Gibt es eine andere StVO in Halle oder warum sollten Radfahrer absteigen und dadurch rechtlich zu Fußgängern werden? Und wenn die Radfahrerfurt nicht mehr als 4 oder 5m vom tatsächlichen Kreisverkehr entfernt ist, dann befinden sich die Radfahrer rechtlich noch innerhalb des Kreisverkehrs und genießen ganz selbstverständlich Vorrang sowohl vor den in den Kreisverkehr einbiegenden als auch vor den aus dem Kreisverkehr ausscherenden Fahrzeugen.

Da ich persönlich allerdings nicht lebensmüde bin, würde ich mich als Radfahrer überhaupt nicht in die Gefahr begeben, auf den Radfahrerfurten von dem motorisierten Verkehr übermangelt zu werden, sondern würde, so wie es in der StVO vorgesehen ist, sicher auf der Fahrbahn radeln.

PHK Ahlemeyer irrt

PHK Ahlemeyer irrt, wenn er sagt, dass eine Furt für Radfahrer eines Piktogramms bedürfe, um gültig zu sein; solch eine Regel gibt es in der StVO nicht. Im Übrigen muss jemand, der von der Kreisfahrbahn abbiegt, nach § 9 StVO Vorrang gewähren, die auf anderen Straßenteilen in gleicher Richtung fahren, z.B. den Radfahrern, die um den Kreisverkehr fahren.

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