HIW müsste draufzahlen: Nicht alle Kaufleute beteiligen sich an den Kosten Weihnachten ohne Lichterglanz?

Halle(WB). Die Kaufleute stehen geschlossen zusammen. Einstimmig haben die Mitglieder der Haller Interessen- und Werbegemeinschaft (HIW) ihren Vorsitzenden Michael Schoregge bestätigt. Diskussionen allerdings gibt es wohl auch weiterhin um gemeinsame Aktionen und um die Weihnachtsbeleuchtung.

Von Klaus-Peter Schillig
Lichterglanz in der Weihnachtszeit, hier in der Rosenstraße. Die Beleuchtung soll eigentlich von allen Kaufleuten in der Innenstadt getragen werden, einige verweigern aber das Bezahlen der Rechnungen. In diesem Jahr wird trotz Defizit noch ein Versuch gestartet.
Lichterglanz in der Weihnachtszeit, hier in der Rosenstraße. Die Beleuchtung soll eigentlich von allen Kaufleuten in der Innenstadt getragen werden, einige verweigern aber das Bezahlen der Rechnungen. In diesem Jahr wird trotz Defizit noch ein Versuch gestartet. Foto: Schillig

Die Lichter könnten durchaus mal ausgehen in der Vorweihnachtszeit. Die HIW geht nach einstimmigem Beschluss der Jahreshauptversammlung nämlich mit einem geplanten Defizit im Wirtschaftsplan ins laufende Jahr,. Grund: die Kosten für die Weihnachtsbeleuchtung sind nicht gedeckt, wie zweiter Vorsitzender Dirk Wollnik und »Schatzmeister« Christian Vogt beklagten.

Transparentere Rechnungen

Das liegt nicht etwa an Preissteigerungen, sondern weil die Aufteilung der Kosten nicht eindeutig geregelt ist. Die HIW organisiert die Weihnachtsbeleuchtung, zahlt die Kosten an Elektro-Ottensmeier für die Wartung der Lichterketten sowie insgesamt 4500 Euro, aufgeteilt in Honorar und Spende, ans Technische Hilfswerk (THW), das mit Hubsteigern und Haller Mitgliedern die Ketten aufhängt. Die Rechnungen werden von der HIW an alle Kaufleute in der Innenstadt – auch an Nichtmitglieder – verschickt, die von der Beleuchtung profitieren, gestaffelt nach Schaufensterflächen und Ladengröße. Es bezahlen aber nicht alle, wodurch das Finanzloch von 1200 bis 1600 Euro entsteht. »Wir können auch niemanden zwingen«, wie Dirk Wollnik erläuterte.

Einmal soll es noch probiert werden, das nötige Geld zusammen zu bekommen. Unter anderem mit transparenteren Rechnungen, mit Gesprächen mit allen Kaufleuten, mit der Suche nach Sponsoren oder einer Anfrage beim Förderverein der Stadt, wie es Volker Bunselmeyer vorgeschlagen hat. Klappt das nicht, müssen die HIW-Mitglieder 2017 nachträglich mit einer Sonderumlage fürs Weihnachtslicht rechnen.

Offensive gegen Online-Handel

Weil viele Kunden inzwischen lieber in Online-Shops im Internet statt im Einzelhandel in ihrer Stadt stöbern, wollen die Haller Kaufleute zur Gegenoffensive ansetzen. »Wäre ein Online-Marktplatz Halle möglich«, fragte »Charly« Brinkmann in die Runde, der sich aber auch einen gemeinsamen Online-Shop für den Altkreis vorstellen kann. Die Halle-Info-App (wir berichteten) fürs Smartphone oder Tablet wäre nach Auffassung von Brinkmann eine mögliche Plattform, um Kunden in einen eigenen Internet-Shop zu lenken.

Im Rahmen der Diskussion wurde aber deutlich, dass ein Online-Shop auch erhebliche Investitionen und Werbung erfordere, um bei der Google-Suche möglichst weit vorn aufzutauchen. Entweder im Rahmen eines Kollegentreffs oder bei einer Mitgliederversammlung sollten Experten dazugeholt werden, die sich auskennen mit dem Internetgeschäft. Für den Kollegen-Treff im Oktober hat Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann bereits die Stadtmarketing-Expertin Elke Frauns eingeladen, die auch schon den Prozess »Halle handelt« erfolgreich begleitet hat. Dieser Prozess müsse dringend wieder aufgefrischt werden, sagte die Bürgermeisterin.

Kommentar zum Thema

Die Lust der Kunden, verstärkt im Internet einzukaufen, ist ein Trend, der den niedergelassenen Kaufleuten schlaflose Nächte bereiten kann. Da gibt es echte Existenzängste, weil Einnahmen in manchen Monaten kaum die Miete decken. Der Gedanke, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen, um Halle stationär und online als attraktiven und vielfältigen Einkaufsstandort zu präsentieren, ist schon mal ein guter Ansatz. Aus den knappen Finanzen der HIW allerdings dürfte das kaum zu bestreiten sein. Denn die Welt, auch die kleine in und um Halle, muss es schließlich irgendwie erfahren, was man zu bieten hat.

Das gleiche gilt für die vielen attraktiven Feste und Einkaufsevents, die von der HIW organisiert werden. Außerhalb von Halle, bei den potenziellen Zielgruppen, weiß aber kaum jemand, dass die Kaufleute in der HIW Nikolausmarkt, »Haller Herbst« oder »Frühlingserwachen« auf die Beine stellen. Auch ein Fall für die Werbetrommel.

Klaus-Peter Schillig

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