Hallerin (24) verurteilt: Richter glaubt doch an Selbstmordabsicht Haftstrafe wegen versuchten Totschlags

(WB). »Sie sind nicht suizidal, handelten aber in Selbsttötungsabsicht«, sagte Richter Wolfgang Korte und verurteilte am Freitag eine 24-jährige Hallerin wegen dreifach versuchten Totschlags zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten.

Von Steve Wasyliw
Das Landgericht in Bielefeld.
Das Landgericht in Bielefeld.

Das Urteil der Strafkammer des Landgerichts Bielefeld gleicht einem Paukenschlag: Kaum mehr möglich erschien eine Verurteilung der Angeklagten zu einer mehrjährigen Haftstrafe wegen Totschlags. Am Morgen plädierte die Staatsanwaltschaft wegen einer Trunkenheitsfahrt sowie fahrlässiger Körperverletzung auf eine Bewährungsstrafe von fünf Monaten. Die Verteidigung forderte gar nur eine Geldbuße für die 24-Jährige.

Die große Strafkammer unter Vorsitz von Wolfgang Korte konnte sich den Anträgen nicht anschließen. Zwar folgte das Gericht der Auffassung der Gutachter, welche übereinstimmend aussagten, dass die Angeklagte weder psychisch krank sei, noch dass das Unfallbild für eine bewusste Tötungsfahr sprach. Gleichwohl habe die Angeklagte in einer Art »Augenblickseingebung« gehandelt, als sie ihr Auto auf der Kölkebecker Straße in den Gegenverkehr lenkte.

Lebensgefährte soll bewusst falsch ausgesagt haben

»Das Gutachten hat uns im Herzen bewegt, dennoch sind wir davon überzeugt, dass es einen ganz, ganz heftigen existenziellen Streit mit ihrem Freund gegeben haben muss, der Sie zu diesem Augenblicksversagen hat leiten lassen«, sagte Dr. Korte. Wenn sich der Haller Lebensgefährte (50) von der Litauerin getrennt hätte, wäre sie ohne Job, Wohnung und Pass dagestanden, glaubte die Kammer.

Das Gericht ist auch davon überzeugt, dass der Lebensgefährte der Angeklagten vor Gericht bewusst falsch aussagte. »An einen großen Streit vor einem so folgenreichen Unfall muss man sich erinnern. Hier müsste die Staatsanwaltschaft ermitteln«, forderte Korte sehr deutlich. Jedoch sagten sowohl die Angeklagte wie auch ihr Partner vor Gericht mehrfach aus, sich nicht an den Inhalt des Streites erinnern zu können. »Ich habe mit Engelszungen auf Sie eingeredet. Nur Sie hätten sich helfen können.«

Angeschnallt aus Routine

Das Gericht schenkte der Aussage der Angeklagten keinen Glauben, eine Zigarette und dadurch die Kontrolle über den Wagen verloren zu haben. Einzig blieben ihre spontanen Äußerungen nach dem Unfall, dass sie sich das Leben nehmen wolle, da alles keinen Sinn mehr ergebe. »So etwas sagt man nicht ironisch und schon gar nicht über mehrere Stunden wiederholt«, meinte der Richter. Dass die Angeklagte angeschnallt gewesen war, könnte der Routine geschuldet sein.

Da die 24-jährige Hallerin sich spontan umbringen wollte, in dem sie ihren Wagen in den Gegenverkehr lenkte, muss sie den Tod der drei Insassen des entgegenkommenden Wagens zumindest »billigend in Kauf genommen haben«. Auch trage der geschädigte Fahrer bis heute psychische Folgeschäden vom Unfall davon. Jedoch stand die Tötung anderer Verkehrsteilnehmer nicht im Vordergrund, weshalb das Gericht einen minder schweren Fall des Totschlags in Verbindung mit einer Trunkenheitsfahrt sowie einer gefährlichen Körperverletzung urteilte.

Kommentare

Langsam wachen die Gerichte wohl auf!

1 Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.