Nach Änderung des Jagdgesetzes darf nicht mehr geschossen werden Mehr Katzen in Marderfallen

Halle (WB). Immer öfter gehen den heimischen Jägern Katzen ins Netz: als unerwünschter »Beifang« in Lebendfallen. Bei der jüngsten Versammlung hat der Haller Hegeringleiter Dr. Volker Janssen damit ein »Riesenproblem« angesprochen, das auf die Änderung des Landesjagdgesetzes zurückgeht.

Von  Klaudia Genuit-Thiessen
Nach der Änderung des Jagdgesetzes landen immer mehr Katzen in Lebendfallen der Jäger. Verwilderte Exemplare gelten allerdings nicht als Fundtiere. Deren Unterbringung im Tierheim ist ohnehin finanziell zurzeit über übergangsmäßig geregelt.
Nach der Änderung des Jagdgesetzes landen immer mehr Katzen in Lebendfallen der Jäger. Verwilderte Exemplare gelten allerdings nicht als Fundtiere. Deren Unterbringung im Tierheim ist ohnehin finanziell zurzeit über übergangsmäßig geregelt. Foto: Klaus-Peter Schillig

Wegen des Abschussverbotes steigt die Zahl der wildernden Katzen, die als Schleichjäger nicht nur Mäusen und – wenn sie mutig sind – auch Ratten gefährlich werden, sondern die womöglich das ganze Spektrum von Singvögeln sowie die streng geschützten Maulwürfe auf der Speisekarte haben. Die Freigänger landen bei ihren Streifzügen oft in den Fallen der Jäger, die dort eigentlich Marder und Füchse, Wiesel und Dachse fangen wollen, in den Frühlingsmonaten auch, um die Wiesenbrüter zu schützen. »Bis man einen Fuchs erwischt, hat man jetzt zwei bis drei Katzen, in Eggeberg sogar noch viel mehr«, weiß Tierarzt Dr. Janssen.

Wilde Katzen sind keine Fundtiere

Freigänger und verwilderte Hauskatzen richten in der Natur einigen Schaden an – auch wenn sie gefangen und kastriert, beziehungsweise sterilisiert werden. Anschließend werden die Katzen im Stadtgebiet wieder ausgesetzt: Wegen der Kosten für die Unterbringung verhandelt die Stadt seit Monaten mit dem Tierschutzverein. Denn Fundtiere, deren Besitzer nicht ermittelt werden und die schon einen Tag im Zwinger auf dem Bauhof verbracht haben, werden seit langem im Tierheim Senne untergebracht.

»Verwilderte Katzen sind keine Fundtiere«, stellt Friedhelm Korenke fest. Man habe bereits vergangenes Jahr beobachtet, dass die Jäger mehr Katzen abgeben, berichtet der Abteilungsleiter im Haller Ordnungsamt. Um die bereits kastrierten Tiere erkennen zu können, bekommen sie die Tätowierung 100-J, ein »Ear-Tipping«.

Tierheim benötigt mehr Geld

Dass der Tierschutzverein Bielefeld und Umgebung mit der bisherigen Pauschale nicht auskommt und die Sätze erhöhen muss, dafür hat Friedhelm Korenke durchaus Verständnis. »Die alte Pauschale war wirklich überholt.«

Nach der bisherigen Regelung für die Aufbewahrung von Fundtieren hat Halle 100 Euro pro Katze gezahlt, 150 pro Hund und 50 für Kleintiere wie Meerschweinchen und Kaninchen. Mit durchschnittlich nur 1200 Euro war die Stadt im Jahr dabei.

Die erste Forderung des Tierschutzvereines war allerdings nicht akzeptabel für die Verwaltung. 50 Cent pro Einwohner plus Mehrwertsteuer sollten die Grundkosten abdecken bei strikter Kontigentierung von insgesamt fünf Hunden, fünf Kleintieren und zehn Katzen im Jahr, anschließend wäre ein Tagessatz fällig gewesen. Friedhelm Korenke: »Die elfte, nicht vermittelbare Katze hätte uns 2196 Euro plus Mehrwertsteuer gekostet«. Ein anderer Vorschlag der Tierschützer sah einen Euro pro Einwohner plus Mehrwertsteuer vor, also gut 25 600 Euro.

Verhandlung über neuen Vertrag

Alternativ könnte die Stadt noch die Dienste einer Tierpension in Ummeln in Anspruch nehmen, die allerdings keine Tiere an neue Besitzer vermittelt, oder mit einer Einrichtung in Melle zusammenarbeiten. Doch nach einiger Verhandlung mit dem Tierschutz Bielefeld zeichnet sich jetzt eine Einigung ab: die 50-Cent-Regelung möglicherweise ohne Deckelung. Friedhelm Korenke: »Wir sind verpflichtet, unseren Auftrag wahrzunehmen. Und ein eigenes Tierheim rechnet sich nicht einmal für den Altkreis. Ich denke, wir sind auf dem besten Weg, das auch vertraglich hinzubekommen.«

Seit dem Auslaufen des Vertrages mit dem Tierschutz gibt es eine Zwischenlösung für Einzelfälle. Jeder Hund kostet täglich 15 Euro, jede Katze zehn Euro, wie Friedhelm Korenke sagt. »Ich habe auch den Eindruck, dass sich die Stadt bemüht«, hofft auch Hegeringleiter und Tierarzt Volker Janssen auf eine Lösung für die Fundsache Katzen.

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