Dichtheitsprüfungen bei Kanälen laufen nur schleppend – Kontrolle erst nach 2020 möglich Stadt tappt im Dunkeln

Halle (WB). Für die Dichtheitsprüfung privater Abwasserkanäle ist die erste Frist abgelaufen, in weiteren fünf Jahren endet die nächste. Aber viele Haller sind offensichtlich in Verzug, ihrer gesetzlichen Pflicht nachzukommen. Ihr »Glück«: Die Stadt Halle kann es (noch) nicht überprüfen.

Von Klaus-Peter Schillig
Liegen die Rohre für die Abwasserleitungen erst unter der Erde, sind Schäden durch Baumwurzeln oder Bodensenkungen nur noch mit einer Kamerafahrt zu entdecken. Undichtigkeiten sind aber ein Risiko fürs Trinkwasser.
Liegen die Rohre für die Abwasserleitungen erst unter der Erde, sind Schäden durch Baumwurzeln oder Bodensenkungen nur noch mit einer Kamerafahrt zu entdecken. Undichtigkeiten sind aber ein Risiko fürs Trinkwasser. Foto: dpa

Ein WESTFALEN-BLATT-Leser findet die nachlässige Haltung vieler seiner Mitbürger gar nicht lustig. Er hat die Prüfung durch ein Fachunternehmen durchführen lassen, hat dafür runde 350 Euro gezahlt und sogar noch ein schlechtes Gewissen gehabt.

Er hätte seinen Kanal, der schon in den 50er Jahren gebaut worden ist, eigentlich bis spätestens Dezember 2015 überprüfen lassen müssen, hatte sich bei der Stadt aber eine Verlängerung geholt. Nach Recherchen dieser Zeitung fühlt sich der WB-Leser in seinen Beobachtungen in seiner Nachbarschaft bestätigt – dass er nämlich fast der einzige ist, der sich in den Kanal hat schauen lassen.

Resonanz eher dürftig

In der Tat ist die Resonanz eher dürftig, wie der Abteilungsleiter Tiefbau im Haller Rathaus, Eckhard Hoffmann, auf WB-Anfrage bestätigte. Nach der neuen Fassung des nordrhein-westfälischen Wasserhaushaltsgesetzes von 2013 müssen die Kanäle aller bebauten Grundstücke in Wasserschutzgebieten einer »Zustands- und Funktionsprüfung« unterzogen werden.

In Halle sind davon 3200 Grundstücke (von insgesamt 5800) betroffen. Die meisten liegen in der Innenstadt, denn das Wasserschutzgebiete erfasst hier alle Häuser südlich der Bahn inklusive des Ortsteils Bokel sowie nördlich der Bahn bis zum Teutoburger Wald das Gebiet zwischen Bismarckstraße im Westen und Neulehenstraße im Osten. Insgesamt liegen der Stadt laut Hoffmann aber nur 180 Bescheinigungen über die so genannten Dichtheitsprüfungen vor.

Keine Daten über Bau der Kanäle

Ein großer Teil der Prüfungen müsste allerdings längst abgeschlossen sein, denn der Gesetzgeber hat für alle Kanäle, die vor 1965 gebaut worden sind, Dezember 2015 als letzte Frist festgelegt. Alle später gebauten Kanäle können noch bis Ende 2020 untersucht werden. Die Stadt besitzt allerdings keine Daten, wann welche Kanäle gebaut worden sind.

»Es wäre ein enormer Verwaltungsaufwand, das festzustellen«, sagt Eckhard Hoffmann. Erst Anfang 2021 kann die Stadt tätig werden, denn dann kann sie nachhalten, welche Hausbesitzer ihrer Pflicht nachgekommen sind. »Wir könnten dann ein Ordnungsgeld verhängen«, kündigt Hoffmann an.

In NRW sollten ursprünglich alle Kanäle überprüft werden, 2013 hat der Landtag die Dichtheitsprüfung auf Gebäude in Wasserschutzgebieten beschränkt. Laut Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) sind Inhaltsstoffe aus defekten Abwasserkanälen im Grundwasser nachgewiesen worden. Auf der Internetseite ( www.lanuv.nrw.de/wasser/abwasser/dichtheit) sind zugelassene Anbieter für Überprüfungen zu finden.

Kommentare

Bitte bleiben Sie standhaft

Bis 2021 fließt noch viel Wasser den Kanal runter. Bitte bleiben Sie standhaft, warten Sie den Prozess gegen dieses Lobbyprojekt ab. Es wurde wissenschaftlich erwiesen, dass defekte Kanäle weder der Umwelt, noch dem Grundwasser schaden.
Das Ganze hat die Lobby der Kanalbranche geschickt eingefädelt um so richtig Kasse zu machen.
Die jetzige Mehrheit aus SPD und Grüne im Landtag ist dieser Lobby leider so richtig auf dem Leim gegangen.
CDU und FDP haben sich redlich bemüht, die Verordnung zum Kanal-TÜV im Landtag abzuwenden, scheiterten leider an den Mehrheitsverhältnissen.
Bitte informieren Sie sich über einen der größten Lobbyismusskandale :
http://nrwsagtnein.blogspot.de

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