Neuer Name gilt ab 1. September: Martin-Luther- statt Lettow-Vorbeck-Straße Reformator löst den General ab

Halle (WB). Der General hat abgedankt, der Reformator übernimmt. Die Lettow-Vorbeck-Straße heißt von heute an Martin-Luther-Straße, die 17 Grundeigentümer und ihre Mieter haben mit dem 1. September eine neue Adresse.

Von Klaus-Peter Schillig
Seit dem 1. September hängen die neuen Schilder, hier an der Ecke Kättkenstraße. »Lettow-Vorbeck-Str.« ist überklebt. Das alte Schild soll noch mehrere Monate hängenbleiben, bis die Navigationssysteme die Namensänderung in ihre elektronischen Karten eingepflegt haben.
Seit dem 1. September hängen die neuen Schilder, hier an der Ecke Kättkenstraße. »Lettow-Vorbeck-Str.« ist überklebt. Das alte Schild soll noch mehrere Monate hängenbleiben, bis die Navigationssysteme die Namensänderung in ihre elektronischen Karten eingepflegt haben. Foto: Klaus-Peter Schillig

Schon gestern in den frühen Morgenstunden hat Halles Bauhofleiterin Angela Flottmann ihre Mitarbeiter losgeschickt, die neuen Schilder zu montieren. Jeweils eins hängt an den Einmündungen mit der B 68 und mit der Kättken­straße, ein neues gegenüber der Einmündung Wischkamp.

Die alten Schilder bleiben erst einmal hängen, teilweise überklebt. Man kann noch erahnen, was darunter stehen könnte. Länger als ein halbes Jahr werde das so bleiben, meint Angela Flottmann. Denn erfahrungsgemäß »dauert es oft monatelang, bis der neue Straßenname in die Navigationsgeräte übernommen worden ist.« »Es wäre unglücklich, wenn vorher nur noch der neue Name erkennbar wäre«, begründet sie die Übergangsphase.

Ein Nachsendeauftrag ist nicht nötig

Das ist ohnehin das Stichwort, denn auch die Anlieger müssen jetzt nichts überstürzen. Anders als bei einem Umzug sei in diesem Fall kein Nachsendeauftrag erforderlich, sagt Rainer Ernzer von der Pressestelle der Deutschen Post in Nordrhein-Westfalen.

Die Briefe können weiterhin mit dem alten oder dem neuen Straßennamen beschriftet werden. »Hauptsache, der Empfänger-Name und die Hausnummer stimmen, sagt Rainer Ernzer. Der Stamm-Zusteller und seine Kollegen wüssten ohnehin Bescheid. Und nach einem halben Jahr habe sich die Sache meist erledigt. »Dann kommt höchstens noch Werbepost mit der alten Anschrift.«

Allerdings sollten die Anwohner der Straße alle Institutionen, von denen sie regelmäßig Post erwarten, entsprechend informieren. Versicherungen etwa oder die Krankenkasse sowie Unternehmen, bei denen man regelmäßig etwas bestelle.

Mehraufwand fällt kaum ins Gewicht

Vorbildlich löst das zurzeit der Kirchenkreis Halle: Ires Dyszak hat gemeinsam mit Öffentlichkeits-Referentin Frauke Brauns beschlossen, dass jeder ausgehende Brief einen Aufkleber bekommt, auf dem die Namensänderung der Straße noch einmal hervorgehoben wird.

»Wir freuen uns alle, dass es mit der Umbenennung endlich geklappt hat«, sagt die Sekretärin des Superintendenten. Das bisschen Mehrarbeit fällt dabei ebenso so wenig ins Gewicht wie die Kosten. Am meisten kostet noch die Umrüstung des Frankotypen, mit dem ausgehende Postfrankiert wird. Die Walze, die Logo und Absenderanschrift druckt, muss neu hergestellt werden.

Die Anwohner der Straße sollten sich allerdings ins Bürgerbüro begeben, sich ummelden und prüfen, ob sie  einen neuen Personalausweis benötigen. Die Kosten dafür, weiß Kirchenkreis-Hausmeister Jürgen Krause, würde die Stadt übernehmen, weil der »Perso« als amtliches Dokument immer auf dem neuesten Stand sein muss.

Jürgen Krause überlegt schon, ob er aus diesem Anlass auch seinen Führerschein von 1969 erneuern lassen sollte. Er besitzt noch den alten dunkelgrauen Schein aus Wachspapier, den er nach der Fahrprüfung für das erste Moped bekommen hat. Mit dem Foto als 16-jähriger Lehrling. »Damit bin ich gar nicht mehr zu erkennen«, sagt der Hausmeister und bangt, ob die Polizei den alten »Fleppen« überhaupt noch anerkennt.

Kommentare

Halten Sie das für eine gute Idee?

Halten Sie das wirklich für eine gute Idee? Den Namen des ewigen Kriegers gegen den des größten Rassisten und Antisemiten vor den Nazis auszutauschen? Dieser Mensch, der nur aus Angst vor einem Gewitter Augustiner-Eremitenmönch geworden war und sein Leben lang Angst vor Teufeln hatte und an das unmittelbar bevorstehende Ende der Welt geglaubt hat, hat ein gutes halbes Dutzend Schmähschriften gegen die Juden verfasst, die für Leute wie Julius Streicher mit seinem "Stürmer" als Blaupause bestens geeignet waren. Streicher hat sich dann ja auch während seines Auftritts im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess ausführlich dahingehend geäußert. Luthers Antisemitismus hat zu Pogromen und Repressalien gegen die Juden in Sachsen, Böhmen und Mähren und Hessen mit ungezählten Opfern geführt. Wenn es schon ein Reformator sein muss, warum dann nicht Andreas Osiander, der Luther klar machen wollte, dass Juden Menschen wie wir sind?

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