Mit Thommie Bayer beginnt die »Literatour« 2015 – Gebürtige Hallerin stellt ihren ersten Roman vor Der »letzte Cowboy« liest in Halle

Halle (WB). Er ist einer der beliebtesten Autoren in Deutschland und ein echtes Multitalent: Thommie Bayer eröffnet am Dienstag, 20. Januar, die »Literatour Halle« in diesem Jahr. Mit dabei außerdem ein gestandener Feuerwehrmann und eine Hallerin aus Namibia.

Von Von Klaus-Peter Schillig

 Die Veranstaltungsreihe, die gemeinsam von Susanne Debour (Kulturbüro), Eva Sperner (Gleichstellungsstelle) und natürlich Anke Limprecht (Stadtbibliothek) organisiert wird, ist mittlerweile so etabliert, dass eine Bonner Künstlerin dafür ein eigenes Logo entworfen hat. Das Bild der Bücher auf dem Skateboard vereint Literatur, Bewegung und verschiedene Veranstaltungsorte und soll demnächst immer das Titelblatt des Programm-Flyers zieren.

Neu und rekordverdächtig ist auch die Zahl der Lesungen. Bis zum Mai dürfen sich die Haller Bücherfans auf sechs Autoren freuen. Gleich beim ersten, am Dienstag, 20. Januar, 20 Uhr, im Erdgeschoss der Städtischen Galerie in der Alten Lederfabrik, dürfte es voll werden. Thommie Bayer (61), der aus Esslingen stammt und heute bei Freiburg lebt, wird aus seinem 2014 erschienenen Roman »Die kurzen und die langen Jahre« lesen. Und sicher nicht nur lesen. Bayer hat sich aus als Musiker (»Der letzte Cowboy kommt aus Gütersloh«) und Kabarettist – beispielsweise an der Seite von Thomas C. Breuer – einen Namen gemacht. Als sein wichtigestes Werk gilt der 1991 erschienene Roman »Das Herz ist eine miese Gegend«.

»Bayer schreibt auch viel über Liebe, aber das wirkt nie kitschig, weil seine Handlungen mitten aus dem Leben gegriffen sind«, schwärmt Susanne Debour, die sich in der Stadtbibilothek schon mehrfach Lesestoff des Autors besorgt hat. Und seine Sprache sei ebenfalls jung geblieben – »Turnschuh-Slang« eben.
Karten für diese Lesung, wie auch für die folgenden, sollte man sich im Vorverkauf im Bürgerbüro am Rathaus sichern. Karten kosten in diesem Fall sechs und ermäßigt drei Euro.

Die zweite Lesung am 24. Februar in der Remise ist Teil der Frauenkulturwochen und dürfte reges Interesse bei den Frauen finden, die in den 50er und 60er Jahren geboren sind und die lange für ihre Kinder zu Hause geblieben sind. »Was ist da aus der Gleichberechtigung geworden, vor allem in punkto Rente«, wirft Eva Sperner die zentrale Frage auf, der auch Autorin Christina Bylow nachgeht. Die Journalistin aus Berlin wird in ihrem Buch »Die verratene Generation. Was wir den Frauen in der Lebensmitte zumuten« so manchen Missstand aufdecken.

Wenn es in Berlin so richtig rundgegangen ist, war auch Andreas Eschke meist mittendrin. Er gehörte 17 Jahre lang zur Berliner Berufsfeuerwehr, hat 15 000 Einsätze mitgefahren und schildert ganz praxisnah und sozusagen brandheiß von der täglichen Begegnung mit Feuer und Leid. »Asche – aus dem Leben eines Feuerwehrmannes« erzählt anrührend, grotesk und lustig auch vom Leben hinter den Kulissen der Rettungswache. Zu hören am 24. März in der Stadtbücherei.
Ganz hautnah erleben die Zuhörer am 28. April das Schicksal des Jungen Chris, der mit 13 Jahren verkraften muss, dass sein großer Bruder nach einem Motorradunfall zum Pflegefall wird. Maria Knissel hat den schweren Weg des Jungen einfühlsam nachgezeichnet. »Chris« heißt eigentlich Stephan Völker, ist heute bekannter und begehrter Saxophonist – und kommt mit nach Halle, um die Autorin musikalisch zu begleiten.

Fern ihrer Geburtsstadt Halle, in ihrer neuen Heimat Namibia, ist Iris Grädler zur Autorin geworden. Am 5. März erscheint bei Dumont ihr erster Roman »Meer des Schweigens«, der über einen Kriminalfall an der Küste Cornwalls erzählt. Genau zwei Monate später, am 5. Mai, nutzt sie einen Heimaturlaub bei ihren Eltern in Hesseln zur Lesung in der Stadtbücherei.

Den Abschluss des ersten Halbjahres bestreitet Thomas Letocha. Der vielbeschäftigte Drehbuchautor hat ein echtes Senioren-Roadmovie beschrieben. »Oma Else startet durch« stellt er am 19. Mai in der Stadtbücherei vor.

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