Elisabeth Morkes aus Gütersloh blickt voller Freude auf ein bewegtes Leben »Hurra, ich bin 100 Jahre alt!«

Gütersloh (WB). Als Elisabeth Morkes geboren wurde, hatte dieses Land noch einen Kaiser. An diesem Montag feiert die rüstige Dame in Gütersloh ihren 100. Geburtstag und hat damit ein biblisches Alter erreicht. Sie ist geistig noch fit, fährt alleine mit dem Bus zum Einkaufen und spaziert mit dem Rollator zum Frisör. Abends, verrät sie, schaut sie im Fernsehen am liebsten die Nachrichten oder einen spannenden Krimi.

Von Wolfgang Wotke
100 Jahre Weisheit: Elisabeth Morkes kann es noch nicht glauben, dass sie ein Jahrhundert alt geworden ist. Eine Wand in ihrem Wohnzimmer ist voller Bilder und Erinnerungen. Ihr zweites Zuhause war bis vor drei Jahren noch Mallorca. »Dort habe ich mit meinem Mann die schönste Zeit meines Lebens gehabt.«
100 Jahre Weisheit: Elisabeth Morkes kann es noch nicht glauben, dass sie ein Jahrhundert alt geworden ist. Eine Wand in ihrem Wohnzimmer ist voller Bilder und Erinnerungen. Ihr zweites Zuhause war bis vor drei Jahren noch Mallorca. »Dort habe ich mit meinem Mann die schönste Zeit meines Lebens gehabt.« Foto: Wolfgang Wotke

»Zentenare« werden sie genannt. Es sind jene Menschen, die ein ganzes Jahrhundert ge- und erlebt haben. Das Alter bekommt bei ihnen plötzlich etwas Magisches. Sie haben zum Beispiel den Flug von Charles Lindbergh über den Atlantik miterlebt. Sie waren dabei, als Kutschen durch Autos ersetzt und Penicillin, Staubsauger, Kugelschreiber oder Nylonstrümpfe erfunden wurden. Wer, wenn nicht sie, sollten wissen, worauf es im Leben letztendlich ankommt? Elisabeth Morkes weiß es. Sie kennt auch das Rezept, um immer noch glücklich zu sein, trotz ihres hohen Alters. »Ich war stets fröhlich, habe viel gelacht, auch an trüben Tagen«, sagt sie. »Ich habe versucht, das Negative an die Seite zu schieben und dabei an bessere Zeiten gedacht.«

1953 kam Familie Morkes nach Gütersloh

Elisabeth Morkes ist am 12. März 1918 in Herten (Westfalen) als eines von neun Kindern geboren worden. Ihr Vater war Steiger auf einer Zeche, ihre Mutter Hausfrau. »Ich hatte ein tolles Elternhaus, die Familie hat fest zusammengestanden.« Wenn sie davon erzählt, erkennt man ein Funkeln in ihren Augen und man spürt, wie gerne sie sich daran erinnert. Später, nach einigen Jahren in Ortelsburg (Ostpreußen), ist sie dann nach Lübeck gezogen und erlernte den Beruf der Krankenschwester.

Verliebt, verlobt, verheiratet: In der Hansestadt lernte sie ihren Mann Hans kennen, den der Krieg dorthin verschlagen hatte. »Ich bemerkte ihn zum ersten Mal in einem Theater. Ich schlickerte Pralinen, er saß neben mir.« Im Dezember 1947 haben beide geheiratet und sind anschließend nach Bad Segeberg umgesiedelt. 1953 kamen sie nach Gütersloh, Sohn Norbert hatte zwei Jahre zuvor das Licht der Welt erblickt. Er ist inzwischen Kommunalpolitiker (BfGt) und führt erfolgreich eine Event-Agentur. Ende der 70er Jahre begleitete der heute 66-Jährige die »Dubliners«, damals eine der berühmtesten und einflussreichsten Bands der Irish Folk Music. Elisabeth Morkes: »Die waren oft bei uns zu Gast und liebten meine Erbsensuppe.«

Jammern ist für sie ein Fremdwort

Seit 2003 ist sie Witwe. »C’est la vie«, meint sie. »Für das Konzert des Lebens gibt es kein Programm.« Jammern und Klagen seien für sie Fremdwörter. »Manchmal gibt einem das Leben nicht das, was man sich sehnlichst wünscht.« Dann könne man verbittert werden und beschließen, für den Rest seines Daseins unglücklich zu bleiben – oder sich damit abfinden und nach vorn schauen, so wie sie es getan habe.

Gefeiert wird im Gütersloher Brauhaus mit der Familie und Freunden. Selbst ihre 98-jährige Schwester Marie reist extra zum 100. Geburtstag an. »Darauf freue ich mich riesig.«

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