Brutale Attacke gegen eine Frau wird vor Gericht verhandelt Einfach »nur so« zugeschlagen

Gütersloh (WB). Weil sie zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort gewesen ist, muss die junge Frau einen Faustschlag einstecken – mit schwerwiegenden Folgen: drei Zähne fehlen, eine Rissquetschwunde der Oberlippe, Schwellungen und Prellungen über dem linken Jochbein. Not-Operation in Münster. Im April steht der mutmaßliche Täter vor Gericht. Seinem Anwalt sagt er, es sei eine Verwechslung gewesen.

Von Wolfgang Wotke
Rechtsanwalt Daniel Wiemann am Ort des Geschehens: Am Kolbeplatz soll sein Mandant eine 21-jährige Frau ohne Warnung ins Gesicht geschlagen haben – mit fatalen Folgen.
Rechtsanwalt Daniel Wiemann am Ort des Geschehens: Am Kolbeplatz soll sein Mandant eine 21-jährige Frau ohne Warnung ins Gesicht geschlagen haben – mit fatalen Folgen. Foto: Wolfgang Wotke

Am 2. November gegen 20 Uhr war die 21-jährige Zahnarzttochter aus Gütersloh mit zwei Freundinnen auf dem Weg vom Kolbeplatz in Richtung Bahnhof unterwegs. Plötzlich tippte ein fremder Mann ihr auf den Rücken. Als sie sich umdrehte, wurde sie von einem wuchtigen Faustschlag ins Gesicht getroffen und ging schwer verletzt zu Boden.

Sie kam ins Krankenhaus. Der Täter flüchtete. Zwei Tage später schnappte ihn die Polizei. Zuerst glaubten die Fahnder an einen versuchten Raub, doch dann stellte sich heraus, dass der 30-Jährige einfach »nur so« zuschlug, ohne sich über die Konsequenzen bewusst zu sein.

»Er glaubte, seine Ex-Freundin vor sich zu haben.«

Per Unterbringungsbefehl wurde der gebürtige Bremer in die forensische Klinik nach Eickelborn gebracht, wo er bis zur Hauptverhandlung am 27. April vor dem Bielefelder Landgericht einsitzt. Der Gütersloher Rechtsanwalt Daniel Wiemann vertritt den Straftäter und versteht bis heute nicht so recht, wie es zu dieser Attacke kommen konnte.

»Er glaubte, seine Ex-Freundin vor sich zu haben. Warum er dann volles Rohr zuschlug, weiß er nicht mehr«, erklärt der Jurist. Sein Mandant habe lange Zeit in Gütersloh ganz normal gelebt, habe zwei Ausbildungen als Fahrzeuglackierer und Pferdewirt begonnen, die er dann abgebrochen habe.

Dann sei er auf die schiefe Bahn geraten: Verurteilungen wegen Unterschlagung und Körperverletzungen folgten, sogar eine achtmonatige Gefängnisstrafe habe er abgesessen. Zuletzt sei er arbeitslos gewesen. Ein Gutachter habe nun die Schuldunfähigkeit festgesellt. Wiemann: »Er leidet an einer paranoiden Schizophrenie. Ihm droht nun eine langfristige Unterbringung in der Forensik.«

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