Eindrücklich: Suzanne von Borsody und Guntbert Warns im Theater Gütersloh Mal ganz nah, mal ganz weit weg

Gütersloh (WB). Wie verliefe ein Leben, würde sich in einer Situation auch nur ein Umstand verändern? Mit dieser Frage hat sich das Renaissance-Theater Berlin beschäftigt. Am Donnerstag brachte es Nick Paynes Schauspiel »Konstellationen« auf die Bühne des Gütersloher Theaters.

Von Laura Gehle
Mal funkt es zwischen ihnen, mal klappt es überhaupt nicht: Welche »Konstellationen« das Leben für zwei Menschen bereit halten kann, demonstrieren Suzanne von Borsody und Guntbert Warns bei ihrem Auftritt im Gütersloher Theater.
Mal funkt es zwischen ihnen, mal klappt es überhaupt nicht: Welche »Konstellationen« das Leben für zwei Menschen bereit halten kann, demonstrieren Suzanne von Borsody und Guntbert Warns bei ihrem Auftritt im Gütersloher Theater. Foto: Laura Gehle

»Haben Sie sich schon mal gefragt, warum man die Spitzen der Ellenbogen nicht lecken kann?« Das ist Mariannes erste Frage an Roland. Doch der hat eine Freundin und kein Interesse an der Beantwortung ihrer Frage – rasch ist das Gespräch vorbei. Licht aus und ein neuer Versuch: »Haben Sie sich schon mal gefragt, warum man die Spitzen der Ellenbogen nicht lecken kann?«

Eine neue Konstellation, eine neue Chance für die zwischenmenschliche Beziehung: Was passiert zwischen Marianne und Roland, wenn nur ein einzelner Faktor verändert wird? Roland ist da mit seiner Freundin, seiner Frau oder aber frisch getrennt, an Marianne hat er kein Interesse oder ist von ihr genervt, die Szenen unterscheiden sich oft nur kaum im Gesprächsinhalt. In der nächsten Konstellation ist er ungebunden – und ein Gespräch kommt zustande. Langsam erfährt man mehr über Imker Roland mit dem Bienenstock auf einem Dach in Neukölln und die Quantenphysikerin Marianne. Schließlich landen die beiden nach einer Grillparty in Mariannes Wohnung. Doch nun wird die Entwicklung ihrer Beziehung von inneren Faktoren beeinflusst: Wer kann sich auf den anderen einlassen und wer ist in Wirklichkeit auf gar nichts aus?

Suzanne von Borsody und Guntbert Warns schaffen es, in nur 80 Minuten zwei Leben in den unterschiedlichsten Verläufen zu zeigen. Vor allem ihrem großartigen Zusammenspiel ist es geschuldet, dass dieses Stück in seiner Schnelle und Sprunghaftigkeit zum Leben erwacht. Oft bedarf es nur minimaler Änderungen in Ton und Mimik, einer ansonsten identischen Szene einen vollkommen anderen Verlauf zu geben. Guntbert Warns lässt Roland mühelos vom schüchternen, passionierten Imker zum lüsternen Frauenheld und allen dazwischen liegenden Spektren wechseln. Und Mariannes Sprachschwierigkeiten, der Drang, sich verständigen zu wollen und es nicht adäquat zu können, wirkt bei Suzanne von Borsody nie gestellt.

Die Palette der Gefühle, die sie Roland und Marianne durchleben lassen, kommt wohl jedem auf die eine oder andere Weise bekannt vor. Mal ist jemand zu schüchtern, um Gefühle zu zeigen, Mal setzt er alles auf eine Karte. Bei den beiden kommt es zum Seitensprung, zum Wiedersehen, zum Heiratsantrag. Und zwischendurch geht es immer wieder um ein Gespräch. Der Anfang, wie man meint, bekommt man doch jedes Mal nur die nötigsten Informationen. Doch als dann Mariannes Krankheit bekannt wird, wird klar: Es geht nicht um den Anfang, sondern um das Ende.

Doch selbst, als die beiden in Zeichensprache über Mariannes Krankheit gestikulieren, ist trotz der Stille alles Gesagte zum Greifen nah. Am Ende steht die Erkenntnis, dass in einem Paralleluniversum doch alles möglich wäre. Licht aus, eine neue Konstellation: Man ist erneut beim Wiedersehen. »Wollen wir noch was trinken gehen? Du kannst jederzeit Schluss machen, oder auch nicht«, meint Roland. Marianne bleibt dem Publikum die Antwort schuldig – und zeigt, dass alles möglich ist.

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