Gütersloh: Mehr als 100 Bürger interessieren sich für Zukunft der Mansergh-Kaserne Klare Kante, unbekanntes Ziel

Gütersloh (WB). An der Verler Straße endet der Zweite Weltkrieg erst im kommenden Jahr. Dann wird die britische Armee die 37 Hektar umfassende Mansergh-Kaserne räumen; ein Areal, das so groß wie drei Porta-Möbelhäuser samt Parkplätzen ist.

Von Stephan Rechlin
In der Mansergh-Kaserne werden bald 37 Hektar frei. Die Raumplaner würden gern die gerade verlaufenen Straßen und Wege erhalten, die dem Quartier klare Kanten verleihen.
In der Mansergh-Kaserne werden bald 37 Hektar frei. Die Raumplaner würden gern die gerade verlaufenen Straßen und Wege erhalten, die dem Quartier klare Kanten verleihen. Foto: Carsten Borgmeier

Die Nachbarn und Anwohner in Sundern werden so langsam nervös. Das und die Neugier auf das seit Baubeginn 1935 hinter Stacheldrahtzäunen verborgene Gelände dürfte die enorme Resonanz auf die zweite Bürgerversammlung im Rathaussaal am Mittwochabend erklären. Allerdings wurden sie diesmal mehr instrumentalisiert als informiert. Im Antrag der Stadt auf Fördermittel wird stehen, dass gut 100 Bürger »frühzeitig in den Prozess der Raumplanung« eingebunden worden seien. Ob ihre Fragen dabei auch beantwortet wurden, ist für den Förderantrag unwichtig.

Wie viele Menschen sollen künftig auf diesem Areal wohnen und arbeiten? Was bleibt von der alten Nachrichtenkaserne? Welche Gebäude bleiben erhalten, welche werden abgerissen? Wie soll das künftig mit der einzigen Zufahrt von der Verler Straße aus funktionieren? Wie soll diese heute schon zu Stoßzeiten überlastete Straße mit noch mehr Verkehr fertig werden? Wo soll die Fachhochschule ansiedeln, falls das überhaupt noch vorgesehen ist? Hätte sie dort Erweiterungsmöglichkeiten?

Zuckende Schultern

Auf all’ diese die Bürger drängenden Fragen konnten die drei Vertreter des Berliner Raumplanungsbüros nur mit den Schultern zucken. Die Antworten darauf müsse der städtebauliche Wettbewerb geben, zu dem in der zweiten Jahreshälfte aufgerufen wird, wenn die Raumplanung soweit abgeschlossen ist. »Und, ja klar: Ein Verkehrskonzept für das Areal werden wir auch brauchen«, teilte Sabine Slapa vom Büro für Stadt- und Regionalentwicklung »Die Raumplaner« mit. Schau an.

Statt dessen konnte das Team mit »Funktionsbändern« dienen. Das sind bunte, wurstförmige Flächen, die von Norden bis Süden schichtweise über das Areal gezeichnet werden. Oben, an der Dalke, sollen Wohnhäuser entstehen. Welche Geschosshöhe? »Da wollen wir dem städtebaulichen Wettbewerb nicht vorgreifen.« Darunter ist ein Mischgebiet aus Wohn- und Gewerbehäusern geplant. Das dritte Funktionsband ist nur für Gewerbeimmobilien reserviert, die aber »nicht störend« sein sollen. Ein direkt auf einem Hof darunter wohnender Nachbar sagte: »Bevor der Stacheldrahtzaun abgebaut wird, um mir den Weg und Blick auf ein Gewerbegebiet freizugeben, kann er von mir aus auch stehen bleiben.«

Blick auf die Hafenkante

Offenbar hatte dieser Bürger das »raumplanerische Leitbild« noch nicht verstanden, den Traum aus flexiblen und alternativen Wohn- und Arbeitsformen, den die Raumplaner an dieser Stelle verfolgen. Alle Generationen werden dort eines Tages wohnen können, Jung und Alt, in allen gewünschten Haushaltsgrößen. Sie werden zu Fuß zur Kita, zum Nahversorger, zum Jugend- oder Seniorentreffpunkt gehen, können aber auch alle anderen, alternativen Verkehrsmittel nutzen, nur keine Autos, die bleiben draußen vor dem Quartier. Raumplaner Niklas Steinert möchte die geraden, vom Militär angelegten Straßen und Wege erhalten, sie verleihen dem Quartier »klare Kanten« und erinnern an die alte Nutzung.

Im Norden soll die Dalke sogar einen kleinen See bekommen. Davor kann dann wieder, entlang einer klaren Kante, gewohnt werden. Ein Bürger stellte sich gedanklich auf die andere Seite des Ufers: »Wenn ich von dort so auf die Hafenkante schaue, dann ist aber nicht mehr mein Gütersloh.«

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