Gütersloh will um Mediziner werben – Doch finanzielle Anreize allein reichen kaum Wie Hausärzte gelockt werden können

Gütersloh (WB). Stadt und Kreis Gütersloh müssen sich mit drei Problemen auseinandersetzen. Die hier tätigen Hausärzte sind überdurchschnittlich alt . Es gibt zu wenig von ihnen, und sie sind im Bundesvergleich unzureichend miteinander vernetzt.

Von Michael Delker
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Symbolbild Foto: dpa

Lösungsansätze könnte ein Projekt bieten, für das sich die Stadt Gütersloh gemeinsam mit der Gemeinde Langenberg um Gelder aus dem Landesprogramm Vital.NRW bemüht. Ziel ist es, ein Konzept zur Sicherung der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum zu erstellen und den Aufbau einer qualifizierten und integrierten Gesundheitsversorgung vor Ort zu unterstützen. Die Landesförderung beträgt 80.000 Euro, den Eigenanteil von 40.000 würden sich Gütersloh und Langenberg, verteilt auf zwei Jahre, teilen.

Wie Bürgermeister Henning Schulz am Montagabend im Hauptausschuss erklärte, will die Stadt bei der Sicherung der medizinischen Versorgung den Blick auf die Stadtteile richten, im konkreten Fall auf Blankenhagen. Das zu erstellende Konzept soll aber auch auf andere Ortsteile übertragbar sein.

1,6 Millionen Euro im Topf

Insgesamt beteiligen sich aus dem Kreis Gütersloh acht Kommunen am landesweiten Förderprogramm Vital.NRW. Sie sind zusammengeschlossen in der Lokalen Aktionsgruppe GT 8 (LAG GT 8), die bei der Pro Wirtschaft von der Regionalmanagerin Heike Bußkamp betreut wird. Bis zu 1,6 Millionen Euro können in den Kreis Gütersloh für Regionalmanagement und Projekte fließen.

Weiche Faktoren genauso wichtig die Geld

Handlungsempfehlungen präsentierten Uwe Borchers (Zentrum für Innovation in der Gesundheitswirtschaft OWL) und Prof. Dr. Rolf Heinze (Ruhr-Universität Bochum). Ein Ansatzpunkt ist zum Beispiel der Aufbau eines Rückkehr-Managements. »Studierende aus Gütersloh und der Region wollen wir nach ihrem Abschluss zurückgewinnen«, sagte Borchers. Weiche Faktoren könnten für Anreize sorgen. Familiäre Bindungen, ein gutes Umfeld zum Wohnen und Leben, attraktive Kultur- und Sportangebote in der Stadt oder Weiterbildungsmöglichkeiten in Zusammenarbeit mit den beiden Krankenhäusern oder der neuen medizinischen Fakultät in Bielefeld könnten junge Ärzte veranlassen, zurück in die Heimat zu kommen.

»Sie müssen die Region attraktiv machen für Mediziner«, sagte Borchers und warnte vor einer Scheckbuchmentalität. Es gebe zwar einen Wettstreit unter den Kommunen, in dem Headhunter eingesetzt und Prämien gezahlt würden. »Geld ist jedoch nicht alles. Nicht nur die Vergütung ist wichtig, sondern die Lebensqualität, zum Beispiel die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für junge Medizinerinnen«, so Borchers.

Wenn Ärzte sich mit Krankenhäusern vernetzen

Für die Experten gibt es weitere Ansatzpunkte. Eine Vernetzung von Hausärzten und Krankenhäusern könnte zu einer telemedizinischen Befundbeurteilung bei Röntgenaufnahmen führen. In Zusammenarbeit mit Pflegeheimen könnten Online-Videosprechstunden für ältere und in ihrer Mobilität eingeschränkte Patienten stattfinden. Zur Gewinnung und Qualifizierung ausländischer Mediziner ist eine Kooperation mit der Gütersloher ZAB denkbar. Sie könnte Aus- und Weiterbildungsangebote anbieten. Ebenso halten die Experten den Aufbau einer kommunalen Ansprechstelle für hilfreich. Sie könnte ansiedlungsinteressierte Ärzte beraten und Servicepakete schnüren.

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