Gütersloh: Stalltüren bleiben einfach offen stehen – Verdacht fällt auf Tierschützer Einbrecher gefährden Ferkel

Gütersloh (WB). Morgens ist es derzeit so um die minus fünf Grad kalt. Die gerade einmal zehn Tage alten Ferkel auf dem Hof von Rainer Döinghaus haben noch kein Fell und könnten sich den Tod holen, wenn die Stalltür offen bleibt.

Von Stephan Rechlin
Die gerade einmal zehn Tage alten Ferkel im Stall von Rainer Döinghaus besitzen noch kein Fell, das sie vor extremer Kälte schützen könnte. Die von Einbrechern offen gelassenen Stalltüren hätten sie töten oder schwer erkranken lassen können.
Die gerade einmal zehn Tage alten Ferkel im Stall von Rainer Döinghaus besitzen noch kein Fell, das sie vor extremer Kälte schützen könnte. Die von Einbrechern offen gelassenen Stalltüren hätten sie töten oder schwer erkranken lassen können. Foto: Stephan Rechlin

Doch seine Mitarbeiter, denen Döinghaus für diesen Fehler am Donnerstag-Morgen den Kopf waschen möchte, winken ab: »Das waren wir nicht.« Doch hätten sie einen Wagen beobachtet, der gegen 7.15 Uhr den Hof in Langenberg verlassen habe. Döinghaus schaut genauer nach. Tatsächlich. Drinnen wurde auch der Schreibtisch und der Schrank für Arzneien und dem Sperma für künstliche Besamung durchsucht. Gestohlen wurde aber nichts.

Bekanntes Einbruchsmuster

Tags zuvor war auch sein neuer Maststall im benachbarten Wadersloh auf diese Weise heimgesucht worden. Als er den Vorfall der Polizei und dem landwirtschaftlichen Kreisverband meldet, erfährt er von einem weiteren Fall. Auf dem Direktvermarktungshof Meloh von Rainer Hollenbeck in Rheda-Wiedenbrück waren die Einbrecher auch, wiederum nur einen Tag später. Dort hatten sie gegen 23.45 Uhr sogar die Heizlüftungsanlage des Stalls auf Null heruntergedreht. Hollenbeck: »Damit nahmen sie den Tod oder aber eine schwere Erkrankung meiner Ferkel in Kauf.«

Die Polizei gleicht diese Fälle mit Meldungen aus dem südlichen Niedersachsen ab. Dort hatten radikale Tierschützer Mastanlagen aufgesucht, um Verstöße und Missstände zu filmen. Die dabei hinterlassenen Spuren ähneln jenen in Wadersloh, Langenberg und Rheda-Wiedenbrück. Döinghaus: »Wir gehen darum davon aus, dass auch bei uns radikale Tierschützer eingebrochen sind, die irgendetwas finden wollten, was uns belastet.«

Höchste Infektionsgefahr

Günter Behs vom Kreisveterinäramt hat auf Wunsch der beiden Landwirte alle Anlagen nochmals unter die Lupe genommen. Ergebnis: keine Verstöße, nicht einmal Verbesserungsvorschläge. Behs weist statt dessen auf die ungeheuren Risiken der Einbrüche hin: »Offene Stalltüren sind Einfallstore für die afrikanische Schweinepest.« Damit meine er nicht nur Wärme und Nahrung suchende Wildschweine, die den Erreger in den Stall tragen könnten. Die Einbrecher selbst könnten Infektionen über ihre Kleidung und Schuhe auslösen – im Stall muss Schutzkleidung getragen werden.

Das Oberlandesgerichtes Naumburg hat in dieser Woche filmende Tierschützer vom Verdacht auf Hausfriedensbruch freigesprochen. Andreas Westermeyer, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Kreisverbandes, bleibt deshalb nur ein Appell an Tierschutzorganisationen: »Nicht alle Tierhalter unter Generalverdacht stellen und Gesetze einhalten.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.