Gütersloh: Bunt gekleidete Staatssekretärin Andrea Milz hört dem Bürgerverein gut zu Paradiesvogel landet in Blankenhagen

Gütersloh (WB). Die erste Staatssekretärin, die sich in 40 Jahren mal im Gütersloher Ortsteil Blankenhagen blicken lässt, trägt eine bunte Schleife im Haar, einen papageienfarbenen Federnpulli und eine zebrafarbene Hose. Aber egal – Hauptsache, Andrea Milz aus der Staatskanzlei hört den Mitgliedern des Bürgervereins einmal zu. Und das tut sie.

Von Stephan Rechlin
Erstmals seit 40 Jahren beschäftigt sich eine Staatssekretärin einmal mit den Problemen in Blankenhagen. Andrea Milz (Mitte) hört Raphael Tigges (links), Reinhard Welpmann (stehend) und Ursula Höffer (rechts) gut zu.
Erstmals seit 40 Jahren beschäftigt sich eine Staatssekretärin einmal mit den Problemen in Blankenhagen. Andrea Milz (Mitte) hört Raphael Tigges (links), Reinhard Welpmann (stehend) und Ursula Höffer (rechts) gut zu. Foto: Carsten Borgmeier

40 Jahre – solange kämpft der Bürgerverein rein ehrenamtlich gegen das schlechte Image des Stadtteils an, berichtet Vorsitzende Ursula Höffer. Er kann dabei nicht auf einen gewachsenen, bürgerlichen Zusammenhalt wie in Sundern, Kattenstroth oder Spexard zurückgreifen. Gut 98 Prozent der die Grundschule besuchenden Kinder haben einen Migrationshintergrund – und dieses Verhältnis spiegelt sich so langsam auch in der Zusammensetzung der gut 3800 Bewohner Blankenhagens wider.

Ehrenamtskarte als Lockmittel

Staatssekretärin Milz hakt ein: »Der Bürgerverein braucht doch bestimmt junge Mitglieder. Wie sprechen Sie die ausländischen Mitbürger und ihre Familien denn an?« Wenn sie an Radausflügen oder Grillfesten teilnehmen, gehe Fritz Stegen, Pfarrer im Ruhestand, mit einem Anmeldebogen auf sie zu: »Doch die Resonanz ist verhalten. Bürgerschaftliches Engagement ist bei Menschen aus muslimischen Staaten nicht verankert. Und die Werksvertragsarbeiter aus der Fleischindustrie zeigen kein Interesse. Entweder der Staat organisiert was oder es passiert eben nichts.« Die Staatssekretärin empfiehlt, mit den Vorteilen der Ehrenamtskarte zu locken: »Auf die haben die Vereinsmitglieder bestimmt einen Anspruch. Und für einen hier lebenden Syrer, Türken, Rumänen, Bulgaren oder Polen könnte das ein Anreiz sein, sich vielleicht doch zu engagieren.«

Rückschläge

Seit mehr als zehn Jahren werde über ein Aktionsprogramm für Blankenhagen gesprochen. Doch erst mit Bürgermeister Henning Schulz passiere hier wirklich was. Das Bürgerzentrum Lukas habe eine neue Fahrradwerkstatt erhalten, aus dem heiß ersehnten Treffpunkt in der ehemaligen Jakobuskirche könnte auch bald was werden: »Dafür kämpfe ich auf jeden Fall noch weiter«, sagt Ursula Höffer. Wenn da nicht die regelmäßigen Rückschläge wären. Der von der Stadt genehmigte Bau der Hochhäuser sei der Beginn der Misere in Blankenhagen gewesen. Der Hausarzt ging ersatzlos, die Apotheke schloss. Negativschlagzeilen in der Lokalpresse machten kleine Fortschritte wieder zunichte. So hatte der Bürgerverein darauf gesetzt, deutsche Familien in den leer gezogenen Wohnungen der britischen Armee anzusiedeln. Doch der Makler habe die Ergebnisse eines »Stadtteil-Checks« ausgehängt, die Mietpreise gesenkt und über Nacht seien rumänische Werkvertragsarbeiter eingezogen. Höffer: »Alleinstehende Männer! Wir brauchen Familien!«

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