Gütersloh: Alle Kreistagsfraktionen möchten Frühförderung erhalten – nur bei wem? Streit im einen einzigen Satz

Gütersloh (WB). Die Frühförderung behinderter Kinder führt zum Streit im Kreishaus. In einer vom Kreistag geplanten Resolution geht es nur noch um einen Satz – doch über den werden sich SPD und Grüne auf der einen, CDU, FDP und FWG-UWG auf der anderen Seite einfach nicht einig.

Von Stephan Rechlin
Je früher behinderte Kinder gefördert werden, desto größer sind ihre Chancen auf ein erfülltes Leben. Doch so viel Mühe wie der Kreis Gütersloh geben sich nicht alle Kreise mit dieser Aufgabe.
Je früher behinderte Kinder gefördert werden, desto größer sind ihre Chancen auf ein erfülltes Leben. Doch so viel Mühe wie der Kreis Gütersloh geben sich nicht alle Kreise mit dieser Aufgabe. Foto: dpa

Alle Fraktionen möchten die vor acht Jahren im Kreis Gütersloh eingeführte Anlauf- und Diagnostikstelle »Frühe Hilfen« erhalten. In ihr werden die medizinische, pädagogische und finanzielle Kompetenz gebündelt und Eltern von Anfang an in ein dreistufiges Verfahren einbezogen, das den präzisen Förderbedarf des jeweiligen Kindes ermittelt und in einen individuellen Förder- und Behandlungsplan umsetzt.

»Murks« aus Düsseldorf

Die CDU möchte darüber hinaus, dass die Umsetzung dieses System ausschließlich den Kreisen überlassen bleibt und nicht – wie das Gesundheitsministerium plant – den Landschaftsverbänden übertragen wird. SPD und Grünen wäre das egal – sie trauen das auch den Verbänden zu. Die SPD vermutet, dass der Streit um die Zuständigkeit nur Ausdruck eines innerparteilichen Konfliktes zwischen Landrat Sven-Georg Adenauer und Gesundheitsmini-ster Karl-Josef Laumann ist. Im Kreisausschuss durfte CDU-Fraktionschef Heinz-Josef Sökeland jedenfalls kräftig auf den »Murks« schimpfen, den das Ministerium kurz vor Weihnachten 2017 fabriziert habe: »Wenn diese Arbeit eine Etage höher wandert, sind alle Qualitätsfortschritte, die wir erkämpft haben, mit einem Mal verloren.«

Verbände möchten gleiche Lebensverhältnisse

Der »Murks« geht auf eine Anhörung von Behindertenverbänden im Düsseldorfer Landtag zurück. Als es darum ging, das Bundesteilhabegesetz auch in Nordrhein-Westfalen umzusetzen, fielen die gewaltigen Qualitätsunterschiede in der komplexen Frühförderung zwischen dem Rheinland und Westfalen auf. Um überall gleiche Lebensbedingungen zu gewährleisten, haben die Verbände nach Angaben von Ministeriumssprecher Axel Birkenkämper vorgeschlagen, diese Arbeit den Landschaftsverbänden zu übertragen. Dieser Vorschlag sei im Gesetzentwurf aufgenommen worden. Die Landschaftsverbände verfügten über vielfältige Erfahrungen aus der gemeinsamen Förderung von Kindern mit und ohne Behinderung in Kitas, aus Pflegefamilien für entwicklungsbeeinträchtigte Kinder und aus der gemeinsamen Empfehlung zur Inklusion in der Jugendarbeit. Am 7. März finde eine Experten-Anhörung statt, an der auch Behindertenverbände teilnehmen werden. Gute, integrierte Frühförderkonzepte einzelner Kommunen würden weiterhin unterstützt und weiter entwickelt. Das sei im Gesetzentwurf ausdrücklich vorgesehen.

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