Ungewöhnliche Versteigerung in einer früheren Gütersloher Kfz-Werkstatt in Gütersloh Schrott und Schnäppchen

Gütersloh (WB). Gleich am Anfang der Zwangsversteigerung geht der Auktionator aufs Ganze. »Wer will die komplette Werkstatt für 8450 Euro haben?«, fragt Detlef Jentsch die zahlreich erschienenen Interessenten. Doch kein Finger erhebt sich. Danach allerdings findet der Mann mit dem Hammer Abnehmer für insgesamt mehr als 100 Positionen, die Jentsch wie ein Marktschreier anpreist.

Von Uwe Caspar
»Zum Ersten, zum Zweiten – und zum Dritten!« Auktionator Detlef Jentsch lässt nach dem dritten Angebot den Hammer sausen. Ein Fernsehteam vom ZDF zeichnet die Zwangsversteigerung in einer nun aufgelösten Gütersloher Werkstatt auf.
»Zum Ersten, zum Zweiten – und zum Dritten!« Auktionator Detlef Jentsch lässt nach dem dritten Angebot den Hammer sausen. Ein Fernsehteam vom ZDF zeichnet die Zwangsversteigerung in einer nun aufgelösten Gütersloher Werkstatt auf. Foto: Uwe Caspar

»Im Vorfeld der Veranstaltung habe ich oft gehört: Das sei nur Schrott, Schrott, Schrott. Trotzdem ist der vermeintliche Schrott prima weggegangen – die Hütte ist fast leer«, strahlt der 75-Jährige, als er nach zwei Stunden Zwischenbilanz zieht. Er bleibt lediglich auf der Büroeinrichtung sitzen, obwohl Jentsch für das Mobiliar läppische 60 Euro verlangt.

Detlef Siewert: »Und was ich nicht loswerde, geht nach Afrika«.

Drei schrottreife Autos finden zu einem Endpreis zwischen 110 und 260 Euro neue Besitzer. Unverkäuflich jedoch sind zwei Wagen, die schon um die 30 Jahre alt sind und deshalb als (begehrte) Oldtimer gelten. Detlef Siewert, der eine Kfz-Werkstatt betreibt, hätte sie gern erworben. Doch weil das Eigentumsrecht bereits vergeben ist, dürfen diese Autos nicht versteigert werden.

Dafür darf sich Siewert (»Ein Drittel der Angebote halte ich für Schrott«) über einen riesigen Stapel Reifen inklusive Felgen freuen. Die Sachverständigen haben den rollenden Gummiberg zuvor mit 2000 Euro bewertet. Doch das erste Angebot lässt den Auktionator zusammenzucken: nur 100 Euro. Immerhin bringen die Reifen ihm noch 360 »Mäuse« in die Kasse. Ein Schnäppchen für den Käufer. Siewert will sein ersteigertes Material zum größten Teil weiterveräußern: »Und was ich nicht loswerde, geht eben nach Afrika.«

Strahlkabine, Hebebühne, Sackkarre und Co.

Bei der von ihm offerierten Strahlkabine kommt Detlef Jentsch auf seine Kosten: Der Anfangspreis von 400 Euro erhöht sich schnell auf mehr als das Doppelte. Auch die teilweise defekte Hebebühne (370 Euro) und die Reifenauswuchtungsmaschine (380 Euro) tragen zum Gesamtumsatz wesentlich bei. Gefragt sind vor allem günstige Artikel wie die Sackkarre für 20 und Unterstellblöcke für 30 Euro. Zur Überraschung der Ersteigerer gibt’s im Angebot zudem eine Waschmaschine, einen Staubsauger und Fitnessgeräte: Der ehemalige Besitzer der Werkstatt soll hier auch gewohnt haben. »Jetzt haben Sie eine Muckibude«, beglückwünscht Jentsch den Erwerber des Hometrainers für noch unter 40 Euro. Fast geschenkt.

Die ungewöhnliche Zwangsversteigerung in der Halle wird von einem ZDF-Kamerateam festgehalten. Der Fernsehsender hat Detlef Jentsch für die Serie »Kaputt und zugenäht« gewinnen können. Die Zusammenfassung der aktuellen Gütersloher Auktion soll Mitte dieser Woche entweder in »Hallo Deutschland« oder in der »Drehscheibe« zu sehen sein. Sein nächster Auftritt führt Detlef Jentsch von der staubigen Autoteile-Rumpelkammer in eine noble Schloß Holter Villa: Das zu versteigernde Inventar ist garantiert kein Schrott.

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