Gütersloh: Krankenhaus schafft Investitionen von 83 Millionen Euro nicht allein Städtisches Klinikum sucht Partner

Gütersloh (WB). Das Städtische Klinikum Gütersloh sucht Partner. Alleine wird es seine Zukunft nicht mehr finanzieren können. Mögliche Kandidaten sind der Kreis Gütersloh und das Sankt-Elisabeth-Hospital.

Von Stephan Rechlin
Welcher »Partner« hat Lust, gemeinsam mit dem Städtischen Klinikum Gütersloh das Risiko einer 83 Millionen Euro hohen Investition in Baumaßnahmen und neue Technik einzugehen?
Welcher »Partner« hat Lust, gemeinsam mit dem Städtischen Klinikum Gütersloh das Risiko einer 83 Millionen Euro hohen Investition in Baumaßnahmen und neue Technik einzugehen? Foto: Stadt Gütersloh

Seit 2010 drückt Geschäftsführerin Maud Beste aufs Investitionspedal. Das damals von den Krankenhausbauspezialisten TMK Architekten aus Düsseldorf entwickelte Ausbauprogramm sah Investitionen in Höhe von 43 Millionen Euro bis 2020 vor. Jetzt haben genau diese Architekten noch mal nachgerechnet und festgestellt, dass bis 2028 weitere 83 Millionen Euro gebraucht werden.

Vor der Presse erklärt Geschäftsführerin Beste diese überraschende Neukalkulation im Wesentlichen mit drei bisher unberücksichtigten Faktoren: • Die aus dem Jahre 1933 stammende Altbausubstanz ist weder energetisch sanierbar noch wirtschaftlich nutzbar. Die kleinen, noch immer voll belegten Patienten- und Behandlungszimmer müssen vollständig ersetzt werden, zumal die Fallzahlen immer weiter steigen.• Die massiven Investitionen in die Bausubstanz wurden – wie in anderen Kliniken auch – zu Lasten des Personals sowie der technischen Ausstattung gestemmt. Das Klinikum erledigte damit die Aufgaben, für die eigentlich das Land zuständig ist. Auf der Intensivstation führte das unter anderem zu einem Verzicht auf sechs von 23 möglichen Betten – Notfälle mussten deshalb abgewiesen werden. Das Ausbauprogramm von 2010 sei deshalb um ein Programm für den technischen Ausbau ergänzt worden.• Um weiter Jahresüberschüsse zu erzielen, muss das Klinikum immer weiter rationalisieren. Weitere Effizienzfortschritte sind Beste zufolge nur noch möglich, wenn die Arbeitsabläufe fortan digitalisiert werden. In einen weiteren Anbau müsse darum neben einer modernisierten Intensivstation auch eine zentrale Patientenanahme mit zentralem Belegungsmanagement installiert werden.

Mit 47 Millionen Euro nimmt dieser multifunktionale Anbau den weitaus größten Anteil im neuen Bau- und Technikprogramm des Klinikums ein. Die Modernisierung des OP-Traktes schlägt mit 14 Millionen Euro zu Buche. Die Investitionen in Brandschutz und neue Betriebstechnik in den 1968 und 1983 gebauten Stationen sollen neun Millionen Euro kosten. Neue Medizintechnik und IT-Ausstattung machen sechs Millionen Euro aus, die Sanierung der Intensivstation vier Millionen Euro, die des Bettenhauses Innere Medizin zwei Millionen Euro.

Bürgermeister Henning Schulz bekräftigt den Anspruch, eine zukunftsfähige und qualitativ hochwertige stationäre medizinische Versorgung der Bürger »in Gütersloh und Umgebung« zu erhalten. Da mehr als 50 Prozent der 20.500 stationären und 37.000 ambulanten Patienten aus Nachbarkommunen stammen, hält es die Erste Beigeordnete Christine Lang nur für logisch, auch den Kreis »mit ins Obligo« zu nehmen. Auf Verwaltungsratsebene will Aufsichtsratsvorsitzender Matthias Trepper darüber hinaus Gespräche mit dem Elisabeth-Hospital führen.

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