Gemeindereferentin Eva-Maria Dierkes beginnt Beerdigungsdienst in Gütersloh »Jede Begegnung ist kostbar«

Gütersloh (WB). Sie steht für den Wandel in der katholischen Kirche: Eva-Maria Dierkes ist Gemeindereferentin im Pastoralen Raum Gütersloh. Eine besondere Tätigkeit führt sie aber erst seit einigen Tagen aus: Sie begleitet Angehörige, die um einen lieben Verwandten trauern. Als erste und bislang einzige Frau in den katholischen Gemeinden Güterslohs darf sie Trauerfeiern halten.

Von Jan Hermann Ruthmann
Gemeindereferentin Eva-Maria Dierkes ist dankbar, dass sie den Beerdigungsdienst ausüben darf.
Gemeindereferentin Eva-Maria Dierkes ist dankbar, dass sie den Beerdigungsdienst ausüben darf. Foto: Jan Hermann Ruthmann

Überall ist das Personal knapp geworden. Auch vor der katholischen Kirche macht dieser Wandel nicht halt. Immer weniger Priester können nicht die Aufgaben erfüllen, die in immer größer werdenden Pfarreien anfallen. Genug Zeit für Beerdigungen soll aber dennoch sein. Deshalb entschloss sich das Erzbistum Paderborn im Jahr 2007 dazu, dass auch Laien unter bestimmten Voraussetzungen den Begräbnisdienst übernehmen dürfen. Sie besuchen die Angehörigen zum Kondolenzgespräch und leiten den Wortgottesdienst zur Beerdigung.

Praktikum im Bestattungshaus

Diese wichtige Aufgabe hat in Gütersloh nun auch Gemeindereferentin Eva-Maria Dierkes übernommen. 2013 erfuhr sie zum ersten Mal vom Beerdigungsdienst und gleich keimte in ihr der Wunsch auf: »Das könnte ich auch.« Als sie im Sommer 2013 ihren Dienst in Gütersloh antrat, wurde dieser Wunsch immer konkreter. 2016 machte sie ihn in einer Sitzung des Pastoralteams erstmals öffentlich. Die Resonanz war beeindruckend: »Jeder, der mich kennt, sagt zu mir, dass ich genau die richtige für diese Berufung bin. Das hat mich noch mehr bestärkt«, sagt sie.

Zur Person

Eva-Maria Dierkes wurde 1988 in Brilon geboren. Nach einer Ausbildung zur Arzthelferin und Bestehen des Fachabiturs begann sie 2009 mit dem Studium der Religionspädagogik in Paderborn. In ihrem Anerkennungsjahr im Pastoralverbund Unna konnte sie erste Erfahrungen in der Seelsorge sammeln. Seit August 2013 arbeitet Eva-Maria Dierkes in Gütersloh.

Bei einem Praktikum in einem Bestattungshaus wurde Eva-Maria Dierkes endgültig klar, dass sie den Beerdigungsdienst ausüben will. Auch der Erzbischof von Paderborn, Hans-Josef Becker, stimmte ihrem Anliegen zu. Es fehlte nur noch die Zustimmung der zwei Pfarrgemeinderäte Güterslohs. »Hätte ein Gremium gegen mich entschieden, hätte ich den Dienst nicht machen können«, erläutert sie. Am 4. Januar dieses Jahres schließlich hatte sie ein Gespräch mit Monsignore Thomas Dornseifer in Paderborn. Seit Februar ist sie nun offiziell zum Begräbnisdienst beauftragt.

Nicht jeder ist mit den Änderungen zufrieden

Zwei Familien hat sie bereits begleitet, schon zwei Wortgottesdienste gehalten. »Ich habe mich weder beim Gespräch noch beim Gottesdienst unwohl gefühlt«, berichtet sie. Die Angehörigen haben sehr positiv reagiert, als sie hörten, dass eine Frau die Beerdigung leitet. »Eine Frau darf beerdigen – die katholische Kirche öffnet sich.«

Natürlich ist nicht jeder mit den Veränderungen zufrieden, aber auch darauf ist Eva-Maria Dierkes vorbereitet: »Wohl nicht jeder wird glücklich darüber sein, dass ich ihn oder sie begleite, aber es ist wie mit anderen Veränderungen: Sie werden akzeptiert und mit etwas Glück sogar als gut befunden«, sagt sie.

Kein Priester-Ersatz, sondern gleichberechtigt

»Ich bin zutiefst dankbar, dass man mir diese Aufgabe zutraut. Ich habe mich aus freiem Willen entschieden, diesen Dienst übernehmen zu wollen und jede Begegnung, die er mitbringt, ist kostbar.« Wichtig ist auch, dass sie kein »Ersatz« für einen Priester ist, der nur darf, wenn alle anderen keine Zeit haben. »Ich stehe ganz normal auf dem Dienstplan. Geplant ist, dass ich eine Beerdigung in der Woche übernehme.«

Hinter Eva-Maria Dierkes steht das gesamte Pastoralteam. »Jeder hat mir Unterstützung zugesichert.« Eine Gemeindereferentin aus Rheda-Wiedenbrück, die ebenfalls den Beerdigungsdienst übernimmt, ist ihre Mentorin.

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