18-Jährige ist die erste Feuerwehrfrau im Löschzug Avenwedde Kochs »Kniefall« vor Kimberly

Gütersloh (WB). Für eine junge Dame macht sich Joachim Koch gern kleiner. Als der Leiter der Gütersloher Berufsfeuerwehr bei der Jahreshauptversammlung des Löschzuges Avenwedde zusammen mit der zur Feuerwehrfrau beförderten Kimberly Sander für ein Foto posiert, geht der Zwei-Meter-Hüne lächelnd in die Knie.

Von Uwe Caspar
Ein Bild als Dankeschön für Avenweddes langjährigen Löschzug-Chef Winfried Kroll. Ganz links der altersmäßig aus dem Dienst geschiedene Harald Horstkötter. Neben ihm Senior Heinz Frenz, der dem Löschzug schon seit 60 Jahren die Treue hält.
Ein Bild als Dankeschön für Avenweddes langjährigen Löschzug-Chef Winfried Kroll. Ganz links der altersmäßig aus dem Dienst geschiedene Harald Horstkötter. Neben ihm Senior Heinz Frenz, der dem Löschzug schon seit 60 Jahren die Treue hält. Foto: Uwe Caspar

»Damit wir beide auf Augenhöhe sind«, erklärt Koch charmant schmunzelnd. Die 18-Jährige ist die erste und einzige Frau überhaupt in den Reihen der aktuell 71 ehrenamtlichen Avenwedder Brandschützer inklusive Ehrenabteilung. »Das liegt in der Familie. Mein Vater und mein Onkel sind auch für die Feuerwehr im Einsatz«, erzählt Kimberly Sander, die als Elfjährige erste Erfahrungen mit dem Flammen-Metier in der Jugendabteilung des LZA sammelte.

Mehr Mädchen sollen aktiviert werden

»Kimberly, sorge bitte dafür, dass noch viele Mädchen zu uns kommen«, wünschte sich Joachim Koch mehr weibliche Kollegen beim Bekämpfen von Bränden. Mit 26 Einsätzen im vergangenen Jahr mussten die Avenwedder weitaus seltener ausrücken als 2016 (47).  »Dafür ist leider die Zahl der Alarme durch automatische Brandmeldeanlagen sehr stark gestiegen«, stellt Winfried Kroll, seit 25 Jahren Löschzugführer, zu seinem Bedauern fest.

Kroll, der dieses Jahr seinen 60. Geburtstag feiert und dicke Komplimente für sein Aussehen einheimst (»Du siehst ja viel jünger aus!«), hat bei der Versammlung seinen Abschied angekündigt. Seine Nachfolge sei aber schon geregelt. »Wir werden sie in den nächsten Monaten sicherstellen«, verspricht der scheidende Chef, dem als Anerkennung für sein langjähriges Engagement ein Mannschafts-Poster mit der Aufschrift »Danke Winfried« überreicht wird. Kroll bleibt es indes nicht erspart, auch über etwas weniger Erfreuliches zu berichten: »Beim Jahreskonzert haben wir unseren Spielmannszug schmählichst im Stich gelassen – das ist dieser Abteilung nicht würdig und muss sich künftig ändern.«

Besuch im Rathaus steht bevor

Die Präsenz einiger Vertreter der Stadt (Kämmerin Christine Lang und stellvertretender Bürgermeister Matthias Trepper) und Politiker (unter anderem der CDU-Landtagsabgeordnete Raphael Tigges) nutzt Winfried Kroll auch dazu, seine Gäste auf die kostenintensive Ausrüstung der Feuerwehrleute hinzuweisen. So werde er bald wieder ins Rathaus kommen, um »diesen und jenen Wunsch vorzutragen«. Christine Lang heißt ihn jedenfalls willkommen. Die Kämmerin: »Ich habe Herrn Kroll immer gern empfangen. Schließlich ist es bemerkenswert, wie viele Stunden unsere freiwilligen Feuerwehrmänner für ihre Aufgaben opfern.« Und das sei nicht selbstverständlich, zumal sich das Ehrenamt in einer Krise befinde, fügt Lang noch an.

Der anwesende Clemens Offel, Ortsvorsitzender der SPD in Avenwedde, sieht den Dienst der Blauröcke als »das anspruchsvollste Ehrenamt überhaupt«. Dem kann sich Matthias Trepper nur anschließen. »Die Feuerwehr ist als fester Bestandteil des Rettungswesens unverzichtbar«, stellt der Bürgermeister-Vize heraus. Auch Trepper ärgert’s, dass bei Einsätzen »Handy-Filmer und Gaffer« die Arbeit der Löschzüge behindern und blockieren würden. Heinz Frenz muss sich damit nicht mehr auseinandersetzen. Der 80-Jährige wird im Rahmen der Jahreshauptversammlung für sechs Jahrzehnte Mitgliedschaft ausgezeichnet. »Er ist die treue Seele und der gute Geist unseres Löschzugs«, lobt Knoll den Senior.

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