Welthungerhilfe: Präsidentin Bärbel Dieckmann besucht Vesperkirche »Recht auf Nahrung ist ein Menschenrecht«

Gütersloh (WB). Die Präsidentin der Deutschen Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann, hat sich am Donnerstag bei der Gütersloher Vesperkirche für eine gerechtere Gesellschaft ausgesprochen. Jeder Einzelne könne etwas gegen die soziale Spaltung unternehmen. »Wir haben Einflussmöglichkeiten, durch unser Einkaufsverhalten, durch unser tägliches Handeln. Wir müssen es nur wollen und ernsthaft umsetzen.«

Initiator Dr. Nils Wigginghaus begrüßt die Präsidentin der Deutschen Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann, in der Kirche.
Initiator Dr. Nils Wigginghaus begrüßt die Präsidentin der Deutschen Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann, in der Kirche. Foto: privat

Dieckmann war auf Einladung des ehrenamtlichen Organisationsteams in die Martin-Luther-Kirche gekommen. Es sei ihr erster Besuch einer Vesperkirche, berichtete sie. Sie freue sich, dass sie sich nun in Gütersloh, der ersten Vesperkirche in Nordrhein-Westfalen, einen eigenen Eindruck davon verschaffen könne.

»Ich bin begeistert von der Atmosphäre, den Gesprächen und dem Engagement aller Beteiligten. Das ist etwas ganz Besonderes, was sie hier in Gütersloh erreicht haben. Ich möchte ermuntern, dieses wunderbare Projekt fortzuführen und werde meinen eigenen Teil dazu beitragen, den Gedanken auch in andere Regionen zu verbreiten.«

Die ehemalige Oberbürgermeisterin von Bonn ist seit acht Jahren Präsidentin der Welthungerhilfe. Sie hält sich in Gütersloh auf, weil sie am Freitag bei der Jahrespressekonferenz des Brotherstellers Mestemacher einen Vortrag hält und eine Spende entgegen nimmt.

830 Millionen Menschen müssen hungern

Am Donnerstag nutzte sie das Angebot, bei dem täglichen »Mittagsimpuls« der Vesperkirche um 13 Uhr – eine fünfminütige Ansprache zum Innehalten und Nachdenken – über das Thema Hunger zu sprechen. Hunger, sagte Dieckmann, gebe es in Deutschland nicht. Es gebe Armut, es gebe Menschen, die zur Tafel und zur Suppenküche müssten, es gebe viele Formen von Mangel- und Fehlernährung, es gebe viel zu viele Menschen, die am Rande lebten, und nichts davon sei gutzuheißen.

Aber es gebe auch ein System von Hilfen, die dafür sorgten, dass niemand in Deutschland verhungern müsse. Frühere deutsche Generationen hätten andere Erfahrungen gemacht, und es sei ihr wichtig, dass das Gefühl von Dankbarkeit für die heutigen Lebensumstände nicht verloren gehe. Wenn sie in anderen Ländern unterwegs sei – aktuell ist die Welthungerhilfe mit 2300 Mitarbeitern in 38 Ländern tätig – erlebe sie Umstände, die viel schlimmer seien.

»Weltweit stirbt alle neun Sekunden ein Kind an Hunger und Mangelernährung«, sagte sie. »830 Millionen Menschen müssen hungern, weil sie dauerhaft unter der Mindestversorgung von 1800 Kalorien liegen, 2,3 Milliarden sind mangelernährt.« Das Recht auf Nahrung sei ein Menschenrecht. Dieckmann: »Ich fordere ein größeres Engagement der Industriestaaten.«

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