Gütersloh: LWL-Uniklinik hält am Aufbau eines Zentrums für Familienmedizin fest Kassenärzte lehnen Tagesklinik ab

Gütersloh (WB). Das NRW-Gesundheitsministerium befürwortet die stationäre und tagesklinische Behandlung von psychisch kranken Kindern und Jugendlichen in Gütersloh, die Kassenärzte aber sind dagegen. Ihre Zulassungsstelle lehnt die auf dem LWL-Areal geplante, neue Ambulanz ab.

Von Stephan Rechlin
Die Zahl psychisch kranker Kinder und Jugendlicher nimmt rapide zu. Sie sollen künftig nicht mehr nach Hamm fahren müssen, sondern in Gütersloh versorgt werden. Die LWL-Uniklinik Hamm plant hier die Investition in ein Zentrum für Familienmedizin.
Die Zahl psychisch kranker Kinder und Jugendlicher nimmt rapide zu. Sie sollen künftig nicht mehr nach Hamm fahren müssen, sondern in Gütersloh versorgt werden. Die LWL-Uniklinik Hamm plant hier die Investition in ein Zentrum für Familienmedizin. Foto: dpa

Gegen diese Entscheidung hat die LWL-Universitätsklinik Hamm Widerspruch eingelegt. Die Klinik will in Gütersloh rund zehn Millionen Euro in den Aufbau eines Zentrums für Familienmedizin investieren, 7,8 Millionen Euro davon stehen bereits im diesjährigen Wirtschaftsplan.

Über den Widerspruch ist noch nicht entschieden, die kassenärztliche Vereinigung hat auch noch keinen Erörterungstermin dafür angesetzt. Allerdings kann sie bereits eine Fülle von Eingaben aus dem Kreis Gütersloh zu diesem Thema parat halten – nicht nur Landrat Sven-Georg Adenauer setzt sich darin für die Investitionspläne ein, auch jede einzelne Kommune weist auf die ausgezeichnete Vernetzung zwischen stationär arbeitenden und niedergelassenen Ärzten hin und fordert eine wohnortnahe Versorgung ein.

Klinik hält an Investitionen fest

Prof. Dr. Dr. Martin Holtmann, der Ärztliche Direktor der LWL-Universitätsklinik Hamm, bedankte sich gestern im Kreisgesundheitsausschuss für diese Unterstützung. Er kündigte an, dass die Klinik trotz des noch ungeklärten Widerspruches an der Investitionsentscheidung festhalte. Der Neubau einer drei Stationen umfassenden Tagesklinik soll demzufolge im Mai oder Juni beginnen. Neben einer Kinder- und Jugendstation werde sie auch eine »Adoleszentenstation« enthalten, in der ältere Jugendliche und junge Erwachsene erstmals gemeinsam therapiert werden. Holtmann: »Ihre Problemlagen sind ähnlich.«

Holtmann ist zuversichtlich, eine Einigung zu erzielen. Zum einen würden die Krankenkassen den wachsenden Bedarf anerkennen: »Wir haben im vergangenen Jahr 1300 Patienten stationär behandelt und 300 in der Tagesklinik. So viele waren es noch nie.«

Nicht wartezimmerfähige Patienten

Zum anderen gehe der Widerstand der Kassenärzte nicht auf die im Kreis Gütersloh niedergelassenen Kollegen zurück. Im Gegenteil: über »nicht wartezimmerfähige« Patienten, die dringend in einer Tagesklinik zu versorgen seien, gebe es keinerlei Disput.

Kinder und Jugendliche essen nicht mehr, sie ritzen sich, gehen nicht mehr zur Schule, manche sprechen ernsthaft über Selbstmord. Ihre Zahl steige nicht unbedingt, aber »Eltern und Lehrer sind sensibler geworden und schreiten früher ein.« Ihnen möchte die Klinik fortan wohnortnäher helfen, unter anderem durch Hausbesuche, in enger Einbeziehung von Familie, Schule, Jugendhilfe. CDU-Fraktionschef Josef Heinrich Sökeland: »Die Probleme auf dem Land sind eben nicht kleiner als die in der Stadt. Das wird auch die Kassenärztliche Vereinigung einsehen.«

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