Italienische Bande hat Juwelier in der Spiekergasse in Gütersloh überfallen Lange Haftstrafen für Schmuck-Räuber

Gütersloh/Bielefeld (WB). Die mutmaßlichen Hintermänner des brutalen Raubes auf das Juweliergeschäft »GT-Gold« in der Spiekergasse in Gütersloh sind am Dienstag zu langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt worden. Der Verdacht, dass die italienische Mafia involviert sein könnte, hat sich bestätigt.

Von Steve Wasyliw
Schmuck und Bargeld im Wert von fast 400.000 Euro waren die Beute beim Überfall auf das Juweliergeschäft in der Spiekergasse. Nun wurden zwei Bandenmitglieder verurteilt.
Schmuck und Bargeld im Wert von fast 400.000 Euro waren die Beute beim Überfall auf das Juweliergeschäft in der Spiekergasse. Nun wurden zwei Bandenmitglieder verurteilt. Foto: Wotke/Archiv

Richter Carsten Wahlmann sprach ein deutliches Urteil: Der mutmaßliche Kopf der italienischen Bande, Giuseppe R. aus Bielefeld, muss für sechs Jahre und drei Monate in Haft. Der Mitangeklagte Alessio S. aus Kempten im Allgäu wurde zu einer Freiheitsstrafe von sechseinhalb Jahren verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte für R. gar eine siebeneinhalbjährige Haft beantragt.

Räuber drohten, Sprengsätze am Körper zu zünden

Kurz nach dem Urteil kündigte Verteidiger Vincenzo Copertino, Rechtsbeistand des 32-jährigen S., Rechtsmittel an. Im Rahmen der Revision wird entschieden, ob ein Einspruch gegen das Urteil möglich ist. »Insbesondere die Höhe der Strafe ist unangemessen«, sagte Copertino, der für seinen Mandanten eine Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren beantragt hatte. Verteidiger Ulrich Kraft hatte für R. drei Jahre und drei Monate gefordert.

Seit Mitte Dezember hatte das Bielefelder Landgericht versucht, die äußeren Tatumstände des Raubes auf das Gütersloher Juweliergeschäft »GT-Gold« zu klären (wir berichteten). Am 16. April 2017 sollen vier Männer gegen 14.35 Uhr den Schmuckhandel in der Spiekergasse betreten haben und unter Androhung der Zündung von vermeintlichen Sprengsätzen am Köper sämtliche Wertgegenstände sowie Bargeld von einer Mitarbeiterin gefordert haben.

Nach nur acht Minuten sollen die Täter mit Schmuck im Wert von 336.000 Euro sowie Bargeld in Höhe von 33.000 Euro in Richtung Münsterstraße geflohen sein.

Räuber wurden aus Sizilien nach Deutschland geholt

Der in Bielefeld wohnhafte Giuseppe R. gestand während des Prozesses, die beteiligten Räuber mit einem Fluchtwagen eingesammelt zu haben. Anschließend sei man in ein Bielefelder Hotel geflüchtet. Auch war es der 41-Jährige, der mögliche Geschäfte als geeignet auskundschaftete. Unterstützung erhielt er von S. Der Kemptener wählte die Räuber aus und sorgte außerdem für deren Anreise aus Sizilien nach Deutschland.

Im Rahmen der juristischen Aufarbeitung wurden auch immer wieder Bezüge zur italienischen Mafia angesprochen. Verteidiger Kraft ließ sogar Beamte des Bundeskriminalamtes (BKA) in den Zeugenstand rufen, um die Strukturen im Hintergrund aufzuklären, was jedoch meist im Allgemeinen blieb. Das Mitwirken an der Aufklärung honorierte Richter Carsten Wahlmann bei der Strafhöhe für R.

In das Urteil floss auch ein Raubüberfall vom 11. Mai 2017 aus Herford ein. Hier soll R. ebenfalls unterstützend geholfen haben, einen Juwelier auszurauben. Beute in diesem Fall: 120.000 Euro.

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