Kommentar zum Rausschmiss der Presse in Gütersloh Unverschämtheit

Bürgermeister Henning Schulz scheint sich von der Gütersloher Presse bedroht zu fühlen. Warum sonst hat er sich dermaßen massiv für die Ausladung der Zeitungen zur Präsentation von Ergebnissen einer Elternbefragung zur Qualität in Kindergärten eingesetzt?

Von Stephan Rechlin
Das Rathaus in Gütersloh.
Das Rathaus in Gütersloh.

Hinter der verschlossenen Tür warf er dem gerade erst neu gewählten Jugendamtselternbeirat Vertrauensbruch vor, weil der die Pressechefin des Rathauses nicht vorab über die Einladung der Medienvertreter informiert habe. Er drohte den Eltern sogar, deshalb den Raum zu verlassen und sie mit ihrem Umfrageergebnis dort sitzen zu lassen. Das später verkündete »Einvernehmen« zwischen Stadt und Beirat beruht auf dieser Einschüchterung.

Dieser Auftritt des Bürgermeisters sorgt inzwischen für regen Gesprächsstoff in den Elternkreisen. Wenn die Beiratsvertreter bei Tee und Gebäck etwas zur Ruhe gekommen sind, werden sie feststellen, dass sie Opfer einer doppelten Unverschämtheit geworden sind.

Formal: Der Jugendamtselternbeirat ist dem Bürgermeister nicht unterstellt. Ihre Mitglieder sind von Eltern und deren Beiräten gewählte Vertreter. Sie können reden, mit wem und wann immer sie wollen. Die in der Präambel der Geschäftsordnung beschworene »vertrauensvolle Zusammenarbeit« schließt keinen Maulkorb ein.

Inhaltlich: Der Beirat hat mit der Umfrage den Job der Stadt erledigt. Die hatte bereits vor fünf Jahren so eine Evaluation versprochen, sie bis heute aber irgendwie nicht hinbekommen. Ohne Begleitung der Presse hätte die Stadt das Thema wohl auch vor fünf Jahren nicht aufgegriffen, weil ihr die vom Beirat aufgezeigten Missstände nicht bekannt gewesen seien.

Ach ja, es geht um die Erziehung und Bildung kleiner Kinder. Wenn der Bürgermeister den Eltern das nächste Mal droht, einen gemeinsamen Raum zu verlassen, sollten sie das Angebot unbedingt annehmen.

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So demotiviert man ehrenamtlich Tätige

Nach allem, was Elternvertreter sich im Laufe der Jahre von Seiten der Stadt schon bieten lassen "durften" ist das wirklich der Gipfel der Anmaßung. Ohne Elternarbeit wäre es für die Vetreter der Stadt natürlich alles viel bequemer, was ich bei allen Sitzungen der JAEB-Vorläufer immer wieder spüren konnte; aber dass ein Bürgermeister sich derartig aufschwingt, ist unerträglich! Ohne die engagierten Eltern wäre die Kindergarten- und Schullandschaft so viel ärmer - darüber sollte man doch mal nachdenken, bevor man Ehrenämtler derart vor den Kopf stösst!

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