Gütersloh: BfGT kritisiert Neubau in Pavenstädt und fordert eine Veränderungssperre Die Retter des Satteldachs

Gütersloh (WB). Statt eines zweigeschossigen Siedlungsschätzchens mit Satteldach wird am Siedlungsweg in Pavenstädt ein dreigeschossiges Mehrfamilienhaus mit Flachdach gebaut. Das bringt Nachbarn auf die Palme und die BfGT dazu, einen Antrag zu stellen, der solche Neubauten künftig verhindern soll.

Von Stephan Rechlin
Mit dem Neubau eines dreigeschossigen Flachdachhauses am Siedlungsweg in Pavenstädt wird nach Ansicht von BfGT-Fraktionschef Norbert Morkes und von Anliegern der Charme der Siedlung dort zerstört.
Mit dem Neubau eines dreigeschossigen Flachdachhauses am Siedlungsweg in Pavenstädt wird nach Ansicht von BfGT-Fraktionschef Norbert Morkes und von Anliegern der Charme der Siedlung dort zerstört. Foto: Stephan Rechlin

Der Fall hat exemplarisches Gewicht. Gütersloh braucht bis 2035 bis zu 7200 neue Wohnungen, um dem schon heute absehbaren Bedarf gerecht zu werden. Statt der dafür erforderlichen 234 Hektar Bauland stehen der Stadt aber nur 160 Hektar zur Verfügung. Es muss also »nachverdichtet« werden, das heißt, in den Lücken vorhandener Siedlungen wie der in Pavenstädt muss neu gebaut werden.

Der dort wachsende dreigeschossige Flachdachbau aber passt nach Ansicht des BfGT-Fraktionschefs Norbert Morkes nicht in die dort vorhandene Siedlungsstruktur. In einem Antrag greift er die Kritik von Anwohnern am »Wildwuchs« in ihrem Quartier auf. Es gehe nicht darum, die Nachverdichtung zu verhindern, doch, so Morkes: »Der Charme der Siedlung soll erhalten bleiben.« Nur wenige Meter weiter entfernt im Westernfeld sei das mit modernen Anbauten an bestehende Siedlungshäuser vorbildlich gelungen.

Konkret fordert die BfGT, Bebauungspläne für die Siedlung in Pavenstädt und alle weiteren Siedlungen in Gütersloh aufzustellen, deren Charakter ebenfalls erhalten bleiben solle. Als Norbert Bohlmann (UWG) im Planungsausschuss zufällig entdeckt, dass gleich neben dem Neubau noch ein weiterer Neubau gleichen Ausmaßes entstehen soll, legt Morkes in der Sitzung nach: Jetzt soll die Stadt bis Februar prüfen, ob für das Siedlungsgebiet nicht auch noch eine Veränderungssperre verhängt werden muss.

Neuer Plan muss ein Ziel verfolgen

Stadtbaurätin Nina Herrling sichert das zu, schränkt aber gleichzeitig ein: »Wir können keinen Bebauungsplan aufstellen, nur um etwas zu verhindern. Der Plan muss ein Entwicklungsziel verfolgen.«

Wie schwierig das ist, formulieren Dr. Thomas Krümpelmann (SPD) und Peter Münstermann (CDU). Krümpelmann stimmt zu, dass der neue Baukörper dort nicht hinpasse, aber: »Wir können Bauherren auch nicht zwingen, dort so zu bauen wie in den fünfziger und sechziger Jahren.« Peter Münstermann hat Neubauten wie jene an der Siedlungsstraße schon anderswo in Gütersloh gesehen, ohne dass sie dort irgendeinen Ärger verursacht hätten: »Im Gegenteil, die Menschen sind froh über den Wohnraum, der dort entsteht.« In Pavenstädt nutze der Bauherr die vorhandene Fläche eben so gut wie möglich aus. An Norbert Morkes richtete er die Frage: »Wie würden Sie denn dort bauen, wenn Sie der Bauherr wären?« Norbert Bohlmann delegiert das Problem an den Bundestag nach Berlin: »Der Paragraf 34 im Baugesetzbuch ist überholt und muss geändert werden.«

Kommentare

Wer sich von den wirklichen Auswirkungen des Paragraphen 34 einmal einen "erdrückendes" Bild machen möchte, der möge sich die beiden Zinkann-Wohnhäuser an der Parkstraße/ Thesings Allee anschauen. Die dort entstandenen Baukörper passen sich in keinster Weise in das Umfeld ein; eine solch massive Bebauung lässt sich-abgesehen vom Städtischen Klinikum- dort nicht finden. Das die Stadt solche Vorhaben genehmigt grenzt an Hohn!

Mit einem Blick auf die letzte Weihnachtsdekoration des Hauses Morkes grenzt die Aussage, man wolle den Charme der Siedlung erhalten an eine Beleidigung.
Aber vielleicht hat Herr Morkes hier nur Charme und Scham verwechselt?!

2 Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.