Kassenärztliche Vereinigung empfiehlt der Stadt ansiedlungsfördernde Medikamente Gütersloh sucht die jungen Ärzte

Gütersloh (WB). Nicht die Zahl der in Gütersloh tätigen Hausärzte löst Sorgen aus, wohl aber ihr Alter. Mit 21 sind knapp die Hälfte von ihnen älter als 60 Jahre. Zu dieser Gruppe gehören wiederum fünf Ärzte, die älter als 70 Jahre sind.

Von Stephan Rechlin
Noch ist die Stadt Gütersloh mit ihren 50 praktizierenden Hausärzten gut versorgt. Doch gut die Hälfte von ihnen wird bald das Rentenalter erreichen oder hat es bereits überschritten.
Noch ist die Stadt Gütersloh mit ihren 50 praktizierenden Hausärzten gut versorgt. Doch gut die Hälfte von ihnen wird bald das Rentenalter erreichen oder hat es bereits überschritten. Foto: dpa

Gütersloh muss sich um die Ansiedlung neuer, junger Hausärzte bemühen – das steht auch für Ansgar von der Osten von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) fest, der auf Antrag der CDU-Fraktion im Hauptausschuss zur Ärzteversorgung in Gütersloh referierte. Darum habe die KVWL die Stadt in ihr Förderverzeichnis aufgenommen, in dem auch schon Verl, Halle, Rheda-Wiedenbrück und Halle aufgeführt sind.

Die Vereinigung kalkuliert den Bedarf auf einen Hausarzt je 1671 Einwohner. Eine Kommune, in der diese Quote nur noch zu 75 Prozent erreicht wird, gilt als unterversorgt. Die Stadt Gütersloh wird in der KVWL-Berechnung einem »Mittelbereich Gütersloh« zugeschlagen, in dem der Versorgungsgrad bei 85,9 Prozent liegt. »Kein Notstand, aber ein Problem«, interpretierte CDU-Fraktionschef Heiner Kollmeyer. Den Ausschuss interessierte vor allem, wie es die Stadt anstellen soll, mehr Hausärzte nach Gütersloh zu locken. Ansgar von der Osten zeigte dazu eine ganze Reihe von Fördermöglichkeiten auf.

Darlehen, Umsatzgarantie, Zuschüsse

Da gebe es zum Beispiel Praxisdarlehen in Höhe von minimal verzinsten 50.000 Euro. Die Rest-Tilgung entfällt, wenn sich der Arzt dauerhaft in einer Stadt niederlässt. Die Stadt Verl gewährt Kollmeyer zufolge 35.000 Euro auch für den Fall, wenn ein Arzt in eine bestehende Praxis einsteigt und sie umbaut. Andere Möglichkeiten seien Umsatzgarantien oder Kostenzuschüsse. In den Städten Lage und Löhne sei es damit in der Vergangenheit gelungen, eine drohende Unterversorgung abzuwenden. Ebenso wichtig seien für junge Mediziner, die nach ihrem Studium vielleicht gerade eine Familie gründeten, auch weiche Faktoren wie die Versorgung mit Kindergarten-Plätzen, Familienfreundlichkeit, das Kulturangebot, geeigneter Wohnraum.

Landarzt-Quote in NRW

Heiner Kollmeyer verwies außerdem auf Initiativen des Landes und des Kreises. Gesundheitsminister Laumann werde die bundesweit erste Landarzt-Quote für Medizin-Studenten einführen. Danach werden 200 der 2000 Studienplätze im Land an Studenten vergeben, die versprechen, nach ihrer Ausbildung in unterversorgten Gebieten tätig zu werden. Von der Nähe zur medizinischen Fakultät in Bielefeld könne Gütersloh ab 2021/22 ebenfalls profitieren. Außerdem starte der Kreis über die Pro Wirtschafts GmbH eine neue Anwerbekampagne.

Keine solchen Versorgungsprobleme gibt es übrigens bei meist besser verdienenden Fachärzten. Psychotherapeuten kommen in Gütersloh auf eine Quote von 143 Prozent, Kinderärzte auf 140 Prozent. Orthopäden sind zu 133 Prozent vertreten, HNO-Ärzte zu 129 Prozent.

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