Gütersloh: Stadt hält Resultat der Elternbefragung zur Kita-Qualität zurück Die Herren des Raums 211

Gütersloh (WB). Die vor fünf Jahren versprochene Elternbefragung ist da. Nicht die Stadt hat sie durchgeführt, sondern der neue Jugendamts-Elternbeirat. Als der die Ergebnisse der Presse vorstellen will, wird ihm das umgehend verboten.

Von Stephan Rechlin
Wie gut ist die Qualität der pädagogischen Arbeit in den Gütersloher Kindergärten? Auf die Antworten, die Eltern auf diese Frage gaben, hällt die Stadt den Deckel.
Wie gut ist die Qualität der pädagogischen Arbeit in den Gütersloher Kindergärten? Auf die Antworten, die Eltern auf diese Frage gaben, hällt die Stadt den Deckel. Foto: dpa

Die neuen Beiratsvorsitzenden Thomas Berger und Anne Sandmann hatten eingeladen, sie wollten die Ergebnisse der Umfrage zum einen der Stadtverwaltung, zum anderen der Öffentlichkeit vorstellen. Es geht um Wünsche wie flexiblere Öffnungszeiten, funktionierende Krankheitsvertretungen, mehr Plätze für unter dreijährige Kinder. Allerdings hatten sie dazu in den Besprechungsraum 211 des Rathauses eingeladen. Hausherr des Rathauses aber ist Bürgermeister Henning Schulz. Er oder sein Dezernent Joachim Martensmeier veranlassten den Beirat, die Presse wieder auszuladen – sie sollte die Ergebnisse nicht zeitgleich mit der Verwaltungsspitze erfahren.

Joachim Martensmeier erläutert den Maulkorb mit einer Kommunikationspanne zwischen Fachbereich und Beirat: »Es war abgesprochen, dass zunächst die Verwaltung über die Umfrageergebnisse informiert wird. Die Öffentlichkeit wird im Zuge der öffentlichen Sitzungen des Jugendhilfeausschusses darüber unterrichtet.«

Streit ums pädagogische Konzept

Die Stadt selber ist bis heute nicht dazu gekommen, eine im März 2013 in jenem Jugendhilfeausschuss versprochene Evaluation der pädagogischen Arbeit in den städtischen Kindergärten durchzuführen. Mit diesem Versprechen – es sollte in der ersten Jahreshälfte 2015 umgesetzt werden – dämmte die Stadt einen ebenfalls vom damaligen Jugendamtselternbeirat entzündeten Streit ein. Es ging um das vom Pädagogen Dr. Richard Wagner entwickelte Konzept »In Beziehungen lernen«, die Grundlage der pädagogischen Arbeit in den städtischen Einrichtungen.

Kein vollständiger Satz

Empörte Eltern hatten dem Beirat damals mitgeteilt, dass Kinder in städtischen Kitas weder in Beziehungen noch sonst irgendwas lernten. Nach drei Jahren seien vor der Einschulung stehende Kinder nicht in der Lage gewesen, einen vollständigen Satz zu sprechen oder einen Malstift zu halten – eine Kritik, die von Sonderpädagogen und Frühförderungsexperten bestätigt wurde. In dem in sozialen Medien und Leserbriefen ausgefochtenen Streit wurden die Erzieherinnen auch in Schutz genommen – viele in Familien verankerte Probleme könnten sie gar nicht lösen. Grüne und UWG forderten eine anonyme Elternbefragung, um die Vorwürfe zu objektivieren. Deren Ergebnisse aber bleiben vorerst im Raum 211.

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